13. Festival Primeurs

Open Stage für frankophone Vielfalt

27.11.-30.11.2019

Seit seiner Premiere im Jahr 2007 hat sich das Festival Primeurs mit seiner Präsentation verschiedener Stücke und Autoren frankophoner Gegenwartsdramatik zu einer festen Größe in der Saarbrücker Kulturszene und darüber hinaus entwickelt. Hier kommen ausgesuchte Stücke in Form von Live-Hörspielen oder als Werkstattinszenierungen in deutscher oder französischer Sprache erstmals auf die Bühne. Zum Festivalprogramm zählen Theateraufführungen, Autorengespräche und Publikumsdiskussionen mit Schriftstellern sowie Konzerte. Über die diesjährige Ausgabe des Festivals sprachen wir im Vorfeld mit der Festivaldramaturgin Corinna Popp.

Sehr geehrte Frau Corinna Popp, können Sie sich bitte unserer Leserschaft kurz vorstellen und uns Ihren bisherigen künstlerischen Werdegang skizzieren.

Ich bin seit letztem Jahr am Saarländischen Staatstheater engagiert, wo ich hauptsächlich für „Primeurs“ verantwortlich bin, aber auch als Schauspieldramaturgin arbeite – und da wiederum vorrangig in der sparte4, der kleinsten Spielstätte des Staatstheaters. Dort werden vor allem neue Stücke von jungen Autoren gespielt und über die verschiedenen Formate wie die Open Stage, „Melodien für Millionen“, die „Suppenküche“ wird in der sparte4 sozusagen „am meisten Stadt“ ins Theater geholt. Davor war ich freie Literaturübersetzerin und als Regieassistentin am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, wo ich auch Regie geführt und viel Jugendarbeit gemacht habe. Wieder davor habe ich sechs Jahre in Paris gelebt, wo ich studiert und mit der Compagnie „le d’ores et déjà“ um den Regisseur Sylvain Creuzevault als Dramaturgin gearbeitet habe.

Das Festival Primeurs ist ein Festival frankophoner Gegenwartsdramatik. Ausrichter ist das Saarländische Staatstheater. Seit wann findet das Festival statt und ist 2019 das erste Jahr Ihrer künstlerischen Leitung?

Das Staatstheater ist nur eine von 4 Partnerinstitutionen, die das Festival im Jahr 2007 gemeinsam ins Leben gerufen haben; die anderen drei sind das Theater Le Carreau in Forbach, der Saarländische Rundfunk und das Institut Français Saarbrücken. Diese vier Partner planen das Festival gemeinsam und jeder liefert seinen Teil dazu bei. Das Staatstheater stellt mit der Alten Feuerwache die Hauptlocation des Festivals und zeigt vier Werkstattinszenierungen, die von jungen Regisseuren mit unserem festen Schauspielensemble inszeniert werden. Ich bin seit letztem Jahr Teil des Teams, aber da ich erst im September 2018 nach Saarbrücken gekommen bin, ist die 2019er Ausgabe die erste, bei der ich auch an der Stückauswahl beteiligt war.

Wie lange haben Sie das Festival Primeurs vorbereitet und wie groß war dabei das ihnen zur Seite stehende Team?

Im Lektürekomitee sind wir zu viert, nämlich jeweils einer von jeder Partnerinstitution. Seit Januar haben wir um die 50 Stücke gelesen und uns ca. einmal im Monat getroffen, um darüber zu sprechen. Im Staatstheater selbst kümmern Schauspieldirektorin Bettina Bruinier und ich uns gemeinsam um die Gestaltung des Festivals und die Planung der vier Werkstattinszenierungen; im Gespräch mit den anderen Dramaturgen entscheiden wir, welche jungen Regisseure wir dafür einladen und was im Rahmenprogramm gezeigt wird. Je näher das Festival rückt, umso mehr wächst das Team an Leuten, die daran mitarbeiten – neben den 18 Schauspieler*innen (also unserem kompletten Schauspielensemble) natürlich die 4 Regisseur*innen, aber auch Ausstatter*innen, Techniker*innen, die Presseabteilung, usw.

2018: 12. Festival Primeurs/ Dany Boudreault: Wir sind schön für hässliche Leute/ R Maxime Mourot/ A Davide Railo/ P 24.11.2018/ Alte Feuerwache/ Saarländisches Staatstheater/

Was sollten Kulturinteressierte zum Programm, den Autoren und den Stücken zwischen 27.11. – 30.11.2019 wissen?

Es gibt immer mal wieder Verwirrung darüber, ob wir die Stücke nun auf Deutsch oder Französisch zeigen. Wir zeigen alle Stücke in deutscher Übersetzung – deshalb ist es nicht nur ein Autorenfestival, sondern auch ein Übersetzerfestival. Einzig die Lesung im Theater le Carreau ist zweisprachig und übertitelt. Wir wünschen uns für die Zukunft, dass auch die Stücke in der Feuerwache mit französischen Übertiteln gezeigt werden können.

Ohne die künstlerische Qualität aller Mitwirkenden zu schmälern, gibt es für Sie persönlich den ein oder anderen Höhepunkt im Programm und wenn ja, welchen?

Ich glaube, die Preisverleihung am Samstag nach den Werkstattinszenierungen ist in jedem Jahr der Höhepunkt. Ich freue mich besonders, dass die Autor*innen- und der Übersetzer*innenpreis in diesem Jahr zum ersten Mal von einer Fachjury verliehen werden, was bedeutet, dass dem Übersetzer*innenpreis eine neue Wertschätzung zukommt, da er nicht mehr an den Autor*innenpreis gekoppelt ist. Das Publikum wird trotzdem wie jedes Jahr abstimmen und einen Publikumspreis für sein „Lieblingsstück“ verleihen.

Für mich gehört aber auch die persönliche Begegnung mit Autor*innen und Übersetzer*innen zu den wichtigen Festivalmomenten, und die findet am intensivsten während der „Tischgespräche“ statt. Die finden dieses Jahr zur Einstimmung auf den Festivalsamstag um 17.00 Uhr statt.

2018: 12. Festival Primeurs/ Gwendoline Soublin: Pig Boy/ R Matthias Mühlschlegel/ A Jasmin Kaege/ P 24.11.2018/ Saarländisches Staatstheater/ Alte Feuerwache

Welche Bedeutung kommt den verschiedenen Locations wie der Alten Feuerwache in Saarbrücken und dem Theater Le Carreau im französischen Forbach zu?

Wir eröffnen am Mittwoch im Theater Le Carreau mit der deutsch-französischen Lesung von „Pourama Pourama“ von Gurshad Shaheman, die auch vom Le Carreau ausgerichtet wird. Von Donnerstag bis Samstag findet dann alles Weitere in der Alten Feuerwache in Saarbrücken statt.

Wodurch unterscheiden sich das Festival Primeurs von ähnlichen Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz, dem restlichen Saarland und Baden-Württemberg?

„Primeurs“ und „Perspectives“ werden öfter mal durcheinandergebracht, weil beides deutsch-französische Festivals sind und v.a. in Saarbrücken stattfinden. Das Konzept ist aber ganz anders: „Perspectives“ ist ein Festival, das bereits fertige Produktionen aus Frankreich und Deutschland einlädt und wird auch nicht vom Staatstheater geplant, wir stellen nur Räume zur Verfügung. Bei „Primeurs“ suchen wir nach neuen französischsprachigen Autor*innen, also zuerst nach Stücktexten, auf die wir in Deutschland aufmerksam machen wollen – mit dem Ziel, sie auf die deutschen Spielpläne zu bringen. Diese Stückauswahl produzieren wir dann als Werkstattinszenierungen hier bei uns im Haus, bzw. der SR2 als Live-Hörspiel und das Le Carreau als Lesung.

Wie schaffen Sie den Brückenschlag zwischen ansprechender inhaltlicher Ausrichtung, zur Verfügung stehenden Budget, Publikumszuspruch und innovativer Ausrichtung des Festivals?

Das ist immer die große Frage. „Primeurs“ ist ein relativ kleines Festival mit entsprechend kleinem Budget. Das schränkt einen natürlich ein – aber dafür haben wir einen sehr regen Publikumszuspruch und bekommen immer viel begeisterte Rückmeldung zu den Stücken und Inszenierungen.

12. Festival Primeurs 2018/ Magali Mougel: Suzy Storck/ R Miriam Lustig/ A Katja Kammann/ P 24.11.2018/ Saarländisches Staatstheater/ Alte Feuerwache

Werden Sie die Zeit finden, das gesamte Festival anzuschauen?

Ja, auf jeden Fall. Bei „Primeurs“ ist das auch einfach, weil alles an vier aufeinanderfolgenden Abenden stattfindet. Dahinter steckt die Idee, dass man es Menschen aus anderen Städten einfacher macht, dafür anzureisen.

Was steht für sie im Anschluss an das Festival Primeurs auf dem Programm, welche Projekte füllen ihre Agenda in den nächsten Monaten?

Im Dezember beginnen die Proben für die nächste Premiere in der sparte4, nämlich für das Stück „1 yottabite leben“. Diesmal nichts mit Frankreich-Bezug, sondern eine Uraufführung einer spannenden jungen Autorin, Olivia Wenzel.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und viel Erfolg im November!

Text: Frank Keil Bild: Festival Primeurs 2018 © Andrea Kremper

festivalprimeurs.eu