Audrey Kitching – Die US-Independent-Fashion-Queen

Trefft das Covergirl der ersten saar-scene Ausgabe: Audrey Kitching. Sie ist zuckersüß und ist derzeit der Star in der internationalen, alternativen Modelszene. Aber hinter Audrey steckt mehr als nur ein hübsches Gesicht. Für saar-scene plaudert Audrey im wahrsten Sinne aus dem Nähkästchen und erzählt ein wenig über ihr derzeit mächtig aufregendes Leben.

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben und das was Du tust?

Ich denke, ich hab angefangen Schönheitsstandards zu verändern. Warum kann heutzutage jemand der nur 1,65m gross ist kein Model werden? Oder warum ist jemand mit pinkfarbenen Haaren hässlich? Ich glaube, dass das Image der 1,78 grossen Barbiepuppe langweilig geworden ist. Ich will den Mädchen zeigen, dass man mit Mode Spaß haben und schön sein kann, indem man sich selbst treu bleibt. Die Medien sind einfach Scheiße. Jedesmal wenn ich das Haus verlasse, komme ich auf eine Liste der „am schlechtesten angezogenen“ – und warum? Weil total langweilige Leute, die sich nichts trauen, dass so beschliessen. Es ist einfach scheiße und ich glaub Leute werden deshalb depressiv. Selbstvertrauen und sich einen scheiß um irgendwas scheren, ist die Lösung. Jeder ist hübsch, solange man glaubt, dass man es ist.

Du bist eine professionelle Hair Sylisting und Make Up Artist. Das sind Jobs, die normalerweise hinter der Kamera gemacht werden. Wie kam es dazu, dass Du selbst Model geworden bist? Stimmt es das Du über Myspace entdeckt worden bist?

Ja, ich mach besonders gerne Hair Extensions. Ich vermisse das wirklich, und wünschte ich hätte mehr Zeit dazu. Seit ich 16 bin arbeite ich für Modelagenturen. Du weisst schon, diese kitschigen JC Penny Werbungen, die man in der Sonntagszeitung sieht. In New York habe ich mal einen Preis als das „photogenste Gesicht“  auf diesem riesigen Modelwettbewerb gewonnen und hab die Nacht in einem 4000 Dollar Hotelzimmer verbracht. Später lernte ich Haar-Design auf einer speziellen Schule, experimentierte viel und fand dabei heraus wer ich bin. Dann fing ich damit an zum Spaß Fotos zu machen. Meine Freunde studierten an Filmschulen und setzten mich für ihre Projekte ein. Anfangs war alles nur Hobby. Die Mädchen fragen mich immer wieder, wie ich dahin gekommen bin, wo ich jetzt bin. Ich antworte dann: „Wenn Du danach fragen mußt, ist das nichts für dich“. Ich glaube wenn man liebt was man tut und total dran glaubt und einfach bei der Sache bleibt, wird man auch Erfolg haben. Es gibt kein Falsch oder Richtig. Du musst einfach hart arbeiten, zielstrebig vorangehen und kein Nein akzeptieren. Mir hat man schon hunderte von Türen vor der Nase zugeschlagen und hat mir bei Meetings erzählt, dass ich nie Erfolg haben werde. Ich würde auch nicht sagen, dass ich durch Myspace berühmt geworden bin. Das Internet ist nur mein Ausstellungsraum, indem ich meine Fotos den Leuten zeige. Ich würde sagen, ich bin durch meine Kunst berühmt geworden.

Du hattest in Deutschland einen Fernsehenauftritt bei „Germany’s Next Topmodel“. Kannst Du Dir vorstellen ein Main-Stream Model zu sein. Gibt es einen Unterschied zwischen Deiner Arbeit und der eines „Topmodels“?

Das war voll verrückt. Mir war eigentlich total schlecht an dem Tag und ich mußte um vier Uhr morgens in Hollywood in einem Hotel auftreten. Niemand sprach Englisch und ich bin im Bad ohnmächtig geworden – ha, ha. Na ja, sagen wir mal es war interessant. Ich möchte nie ein Agentur Model sein und halte mich auch nicht für ein Model. Ich bin mehr eine Künstlerin. Ich mache die Kleidung, wähle die Deko aus, style mir selbst die Haare und Make Up. Kurz ich mache das ganze Konzept. Ich erfinde mir die Bilder in meinem Kopf und mache einen Film daraus. Ich nehm auch keine Vorschläge von anderen an, alles ist meine Idee. Agentur Models erscheinen einfach am Set und machen was man Ihnen sagt.

Du repräsentierst einen sehr einzigartigen Modestil. Woher kommt Deine Inspiration. Findest Du normale Mode langweilig oder zu farblos?

Oh, vielen Dank. Mich inspiriert alles um mich herum, alte Filme, Bücher, Zeitschriften, Hotels, Leute, Kleider. Momentan gefällt mir der Sixties Look besonders. Dicke falsche Wimpern, große silberne Orringe. Sehr Andy Warhol. Andy war ein Genie, es wird nie mehr wieder so jemanden geben. Ich versuche mit meiner Karriere auf  auf seinen Pfaden zu wandeln. Er tat auch was er wollte, obwohl die ganze Welt gegen ihn war. Ich sage ja nicht, das ganz normale Street Fashion langweilig ist, aber ich denke die Leute denken nur innerhalb ihres beschränkten Sichtfeldes und haben Schiss Neues auszuprobieren. Die ganze Mainstream Mode ist im Moment so kitschig und stereotypisch und die Leute müssen einfach mal die Augen öffnen. Jede Mode ist möglich. Desto abgefahrener das Outfit, desto mehr mag ich es

Die Audrey Armee

Umso populärer Du wirst, desto mehr Mädchen stylen sich wie Du. Wie denkst Du darüber. Welchen Rat hast Du für Mädchen, die noch ihren persönlichen Stil suchen?

Ich finde das großartig und mag meine „Audrey Armee“. Deshalb ermutige ich die Mädchen sogar sich ihre Haare zu färben und eine Schleife zu tragen. Ich fühle mich sehr geschmeichelt, wenn sie versuchen, mich zu imitieren. Das heißt doch nur, sie haben meine Message verstanden und gehen mehr Risiken ein. Ich finde es ziemlich radikal, wenn man von mir inspieriert ist und sich dann seine Haare pink färbt, gleichzeitig muß man aber sein eigenes Flair bewahren. Denk was Du willst im Leben und zeig es durch dein Outfit, das ist meine Devise. Sei Du selbst und nicht, was Du glaubst sein zu sollen.

Was magst Du gerne (Essen, Musik, Filme)?

Ich bin süchtig nach Mexikanischem Essen. Ich könnte das andauernd essen.. und Sushi. Momentan bin ich Veganerin. Kein Fisch oder Milchprodukte. Es ist schwer, aber ich fühle mich viel besser deswegen. Lieblingsmusik? Ich mag jeden und alles. Momentan höre ich mir Velvet Undergound an, Dolly Parton, Jenny Lewis, Beach Boys, Bob Dylan und viel französischen Pop. Von den französischen Sixties Sachen wie Jacques Dutron kann ich einfach nicht genug kriegen. Ich mag Indie-Filme und ausländische Dokus. Mein Lieblingsfilm war immer Igby Goes Down, es erinnert mich an mein Leben mit 16. Da schlief ich auf der Straße in New York City

Wie geht es weiter?

Hast Du Pläne fürs Kino oder die Musik? Was sind Deine nächsten Projekte?

Morgen kommt gerade der Film „Forever Plaid“ raus, bei dem ich mitmache, ich. Habe aber keine Ahnung was ich da genau tue. Ich glaub ich spreche einen Kommentar. In dem Film bin ich als eine der Hauptschauspielerinnen aufgeführt, komisch, aber ich werde ja morgen abend nach der Premiere wissen, was ich da gemacht habe. Ich glaube nicht, dass ich jemals Musik machen werde. Das ist nicht mein Ding, aber Movies definitiv. Ich treffe mich nächste Woche mit einem Disney Produzenten.

Interview: Markus Brixius Bilder: Nhat Nguyen / privat
www.audrey-kitching.com