Volker Schütz

Coverpilzfotograf November – Volker Schütz

Published On November 1, 2016 | By redaktion | Model Madness

Herr Schütz, Sie sind Aktmaler, Maschinenforscher, Körperteilverlängerer und jetzt Pilzfälscher. Wie kommt man an so tolle Arbeiten?
Mit einer wachen Offenheit für das Abwegige und Schöne hat es bei mir immer ganz gut geklappt. Und wenn man eine neue Idee gefunden hat, dann ist das am Anfang ja erst mal noch alles noch etwas unklar. Dann muss man das erst mal kultivieren, in Worte fassen, auf den Punkt bringen…

Falls das jetzt jemand nachmachen will: Braucht man dafür eine Ausbildung oder ein Studium?
Nicht unbedingt. Bei mir ist es so, dass ich fast in allen Studiengängen (außer Jura und Medizin) studiert habe, die es an der UdS gab. Leider gibt es dafür keinen ordentlichen Abschluss, aber dafür besitze ich nun eine umfangreiche Sammlung verschiedener Zertifikate. Meine größte Trophäe ist ein Schein in katholischer Theologie! Und dabei bin ich nicht mal katholisch.
Aber im Ernst: So eine Art „Studium generale“ kann ich nur empfehlen. Weniger wegen den Inhalten die man lernt, sondern mehr wegen den vollkommen verschiedenen Methoden, mit denen man versucht seinem Forschungsobjekt näher zu kommen. In dieser Vielfalt liegt ein großer Gewinn.
Pilzbild
Das war ja jetzt fast schon eine Studienberatung! Sag‘ uns doch noch: Wie bist du auf die Idee gekommen, Pilze zu fälschen?
Das ging über die Sprache. In der damals neugegründeten Forschungsstelle für Fiktionale Mykologie habe ich an dem linguistischen Formenschatz der Pilze gearbeitet. Die fotografischen Abbildungen kamen erst später hinzu, als ein sprachneutrales Darstellungsverfahren gesucht wurde.


Aufgrund deiner Errungenschaften wurde eigens die Forschungsstelle für Fiktionale Mykologie gegründet. Welche neuen Pilzsorten konnten bislang katalogisiert werden?
Um nur ein paar zu nennen: Behangene Schleimtorkell, Klumpffüssiger Wüterich, Zerütteter Eheling, Gescheckter Wiesenheulquapp, Parasympathischer Seufzquast, Fiskalischer Säumling, Krampiger Karrenbäuerling und Rinden-Knorzlinge.

Die Sorten wurden sicherlich auch hinsichtlich ihrer Genießbarkeit untersucht. Welche Sorten kannst du hier für den häuslichen Gebrauch empfehlen?
Es ist davon auszugehen, dass die meisten der neu entdeckten Arten leider giftig sind. Im häuslichen Bereich würde ich am ehesten noch zum Lasziven Stöhnling raten. Vermeiden würde ich auf alle Fälle den Zotigen Witzling, den Mimosenblödling, alle Arten der Trottlinge sowie den Zerrütteten Eheling.

Gibt es auch Sorten, die sagen wir mal, medizinische Relevanz haben?
Der Schützende Lustling ist ein altes Hausmittel gegen sexuell übertragene Krankheiten und der Kornige Brötling unterstützt eine gesunde Verdauung.

Pilze sind so etwas wie das Internet des Waldes. Wie hat die Community auf die Neulinge reagiert?
Mit Begeisterung! Die Gemeine Gifttorkel, der Verbitterte Natterngelbling und der Fiskalische Säumling wurden von den alteingesessenen Arten Dottergelber Klumpfuß, Behangener Düngerling und Bauchweh-Koralle vorbildlich im Habitat integriert.

Außerdem bist du dicke im Körperteilverlängerungsbusiness. Wie läuft es an dieser Front?
Da ist erst mal Pause: Der Herbst gehört den Pilzen, im Winter arbeite ich dann mit den Akten am warmen Ofen und mit dem Verlängern geht es dann im Frühjahr wieder los!

Interview: Markus Brixius Bild: Volker Schütz

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