Deichkind – Erschaffen Monster

Spaßige, dezent alberne Musik mit kritischen Untertönen zu kombinieren, ohne dass es sich beißt, das ist das Steckenpferd der Hamburger Deichkind. Bestes Beispiel ist ihr aktuelles Album „Wer Sagt Denn Das?“, mit dem sie in Kürze auf Tournee gehen werden. Wir sprachen mit Sebastian Dürre alias Porky, der seit 2005 Mitglied der 1997 gegründeten Band ist.

Im Video zu Eurem Song „Richtig Gutes Zeug“ wirkt der bekannte Schauspieler Lars Eidinger mit. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Sein Humorverständnis scheint sich mit Eurem sehr zu decken.

Total. Wenn man davon ausgeht, dass menschliche Beziehungen auch chemische Prozesse sind und Menschen über Frequenzen und Töne miteinander harmonieren, haben wir eine sehr gleiche Frequenz. Lars passt total zu uns – nicht nur in künstlerischer Hinsicht, auch vom Typ her.

Wie das kam? La Perla kannte ihn schon länger, hatte mit ihm auch schon aufgelegt und wusste, dass er Deichkind-Fan ist, weil er in seinen DJ-Sets oft Songs von uns gespielt hat. Dann ist das einfach so passiert. Wir hatten die Idee, ihn zu fragen, ob er nicht in dem Video mitmachen will. Und das passte alles zusammen.

Wir waren nach vier Jahren etwas raus in Sachen Videodreh. Lars ist wirklich ein Schauspieler: Die Kamera geht an und der legt sofort los. Ich musste erst mal schauen, was ich machen soll, weil ich etwas eingerostet war. Zum Glück konnte ich mich an ihn dranhängen. Dank seiner Dynamik ist es ein richtig gutes Video geworden. Hinzu kamen natürlich unsere Musik, unsere Ideen und das tolle Team um Auge Altona beim Videodreh. Er war aber unser Zugpferd, das morgens um 6 Uhr im Kaufhaus diese Dynamik reinbrachte.

Wie ist das für Euch, wenn Textbausteine wie „Leider geil“, „Wer sagt denn das“ oder „Richtig gutes Zeug“ in den Alltagssprachgebrauch übergehen? Ist das eine Art Ritterschlag oder doch eher Fluch?

Es kann ein Ritterschlag sein oder wie im Fall von „Leider geil“ auch kippen, dass die Leute denken: Was habt ihr da für ein Monster erschaffen? Es war ja wirklich so, dass auf dem Jahrmarkt Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Leider geil“ hingen. Dann gab es einen Shitstorm, weil die FDP „Leider geil“ als Slogan auf einem Plakat nutzte. Du kannst solch einen Ausdruck nicht schützen lassen. Aber dann ist es auch wieder Jugendwort des Jahres geworden. Kurzum: Es ist ein Mix – und etwas unheimlich, wenn sich ein Song derart selbstständig macht.

Text: Kai Florian Becker Bilder: Studio Schramm Berlin, Tim Bruening

www.deichkind.de

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