Der Werwolf kommt in die Alte Feuerwache

Mit „Werwolf“ zieht ab Samstag, 30.März 2019, eine ganze Kleinstadt in die Alte Feuerwache. Mit spektakulärem Bühnenbild und Kostümen darf das Publikum mit einziehen und an der Frage mit rätseln, ist der ansässige hoch angesehene Star-Pianist tatsächlich ein Werwolf? Die ganze Stadt mausert sich zum Nest an vermeintlichen Werwolf-Experten und beginnt zu untersuchen, ob man den Gerüchten trauen kann. Wir haben mit Dramaturg Horst Busch gesprochen, was den Zuschauer als plötzlichen Kleinstadt-Bewohner erwartet.

Mit dem Stück kommt die bekannte Autorin, Rebekka Kricheldorf, erneut nach Saarbrücken. Wie konnten Sie Frau Kricheldorf erneut für Saarbrücken gewinnen?

Wir haben die mittlerweile sehr berühmte Rebekka Kricheldorf vor allem mit dem Thema ködern können: Werwolf. Durch die frühere Arbeit mit ihr weiß ich, dass sie einen Faible für Märchen und Mythen hat. Und durch das Spielzeitmotto, das im Thema Umbruch/Verwandlungen steht, dachten wir, was ist die größte Verwandlung, die einem widerfahren kann? Bestimmt der Werwolf, also wenn der Mann zum Wolf wird. Davon war sie direkt begeistert.

Horst Busch // Copyright: Martin Kaufhold

Auf jeden Fall eine gefährliche Art der Verwandlung. Mit Werwölfen ist ja nicht zu spaßen, darf sich der Zuschauer also auch auf Spannung, Action und eine Thriller- Atmosphäre gefasst machen?

Der Zuschauer darf sich auf Spannung, Thrill und Suspense einstellen, aber eben auch auf Witz, Humor und Groteske. Das ist mindestens genauso wichtig. Frau Kricheldorf selbst nennt es eine Mythen-Groteske und das finde ich eigentlich sehr passend.

In der Ankündigung stand, dass auch erfahrene Kostümbildner und Bühnenausstatter dabei sind, z.B. Mareile Krettek und Franziska Isensee. Das klingt nach einem aufwendigen Bühnenmaterial und viel zum Anschauen

Ja, das wird auch so sein. Die Bühne wird zu einem großen Irrgarten, der vor allem durch Einblicke und Ausblicke lebt. Also was sieht man, was hört man? Eine große Heckenlandschaft um diese Kleinstadt/Gartenhaus-Atmosphäre. Es ist unglaublich variabel, sodass sich ständig etwas verschiebt und man wieder aus einer anderen Perspektive auf ein Geschehen schaut, was man vorher vielleicht nur gehört hat oder nur als Musik wahrgenommen hat. Um dieses Zusammensetzen zu verstärken, werden wir auch mit Live-Videos arbeiten, um dem Publikum zu ermöglichen, auch Einblicke in Szenen zu bekommen, die eigentlich hinter verschlossenen Türen stattfinden. Es wird etwas auf eine Leinwand projiziert, und der Zuschauer kann sich seine eigene Meinung bilden. Denn manchmal weiß man gar nicht, ob das, was da projiziert wird, stimmt – hat man doch vor Kurzem etwas Anderes gehört. Es geht also auch darum, wie sich diese Gerüchteküche zusammensetzt und wie man sich letztendlich aus Bruchstücken und auch aus den Medien oder Filmen eine Meinung bildet.

Die Kostümierung mit dem Werwolf wird dann wahrscheinlich auch nicht grade unaufwendig?

Stimmt. Die Kostümierung wird auch aufwendig, weil es eben nicht nur der Werwolf, sondern auch all die anderen Figuren ein Kostüm brauchen. Jeder hat was zum Thema Werwolf zu sagen, ob es der Filmnerd ist, der alle Werwolf-Filme kennt, ob es der Wolfs-Forscher ist, ob es die Nachrichtensprecherin ist, ob es der Nachbar ist, der schon immer was geahnt hat oder eben nicht geahnt hat oder der Schüler des Pianisten. Und das ist das Tolle, dass diese eine Geschichte mindestens 20 Experten oder Pseudo-Experten zeigt. Und darin liegen auch irgendwie der Witz und die Groteske. Man kennt das ja selbst, es ist irgendwas Schlimmes passiert und jeder hat etwas dazu zu sagen, obwohl man noch gar nichts Genaues weiß.

Also im Grunde geht es um das Annehmen oder Erfahren etwas Unbekannten und Fremden.

Genau, es geht um die Beschäftigung mit dem Anderen, mit dem Fremden, auch in Bezug auf das Fremde in sich selbst. Und dann gibt es noch die andere Seite, die das Fremde nicht annehmen möchte. Die sagt, so etwas schauen wir uns im Theater oder Kino an, aber bitte nicht im wahren Leben. Also das Überlassen wir dem Reich der Fantasie, zu dem nun mal auch der Werwolf gehört.

Wie würden Sie sich denn Verhalten, wenn ein Werwolf in die Nachbarschaft einzöge?

(lacht laut) Ich würde glaub ich am Anfang auch sagen, das kann ja nicht sein. Und dann würde ich vielleicht auch wie ein Nachbar irgendwann heimlich beobachten, um herauszufinden, ob da was dran ist.

Die Trashfilmreihe „Mondo Tasteless“ der sparte4 wird sich am Donnerstag, 7. März 2019, um 20 Uhr, mit dem Thema Werwolf befassen und „Gruseliges zum Haare raufen“ präsentieren.

Text: Anna Rissel & Alexander Melchior

Foto: Martin Kaufhold

Premiere in der Alten Feuerwache: 30.03. 19:30 Uhr

Weitere Spieltermine: 04.04. 19:30 Uhr, 05.04. 19:30 Uhr, 30.04. 19:30 Uhr, 03.05. 19:30 Uhr, 04.05. 19:30 Uhr, 19.05. 19:30 Uhr, 19.06. 19:30 Uhr

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