Dritte Wahl – Dreidimensional

34 Jahre nach ihrer Bandgründung ist die deutschsprachige Punkrock-Band Dritte Wahl aus Rostock noch immer aktiv. Das Quartett um Sänger/Gitarrist Gunnar Schroeder hat mit „3D“ gerade sein elftes Studioalbum veröffentlicht. Und obwohl die dazugehörige Tournee auf das Jahr 2021 verschoben wurde, hat der Bandleader im Interview viel Interessantes zu berichten.

Rostock als Lebensmittelpunkt. Gab es Überlegungen die Stadt wegen der Musik in Richtung Hamburg oder Berlin zu verlassen?

Immer mal wieder, aber nie ernsthaft. Allerdings wohnen Keyboarder Holger H. und ich in Münster. Er kommt daher, ich bin vor 10 Jahren dorthin gezogen.

3D“ ist Euer elftes Album in der äußerst langjährigen Bandgeschichte. Wo siehst Du es innerhalb der bisherigen Veröffentlichungen seit dem Debüt „Fasching in Bonn“ (1992)?

Das kann ich momentan noch gar nicht so sagen. Ich brauche da immer ein, zwei Jahre, bis ich es einordnen kann. Die Euphorie ist derzeit aber groß. Es ist eine typische Dritte Wahl-Platte geworden, Punk wird um Rock und Metal erweitert und das Fundament aus Gitarre, Bass und Schlagzeug wird vom Keyboard bereichert. Wir sind 2020 einfach breiter aufgestellt.

Welche Rolle kommt dabei Produzent Jörg Umbreit (Principal Studios/Münster) zu, der bereits bei den erfolgreichen Vorgängern „Geblitztdingst“ (2015) und „10“ (2017) die Regler kontrollierte?

Wir fühlen uns im gemeinsamen Austausch sehr wohl. Es ist in den letzten Jahren so eine Art ´never change a winning team´ geworden. Und die Stücke sind mehrheitlich auch schon fertig, wenn wir Studiozeit buchen und Jörg sorgt dann noch für den Feinschliff.

Ihr habt Euch immer wieder kritisch mit gesellschaftlichen Missständen und rechter Politik auseinandergesetzt. Man kann es Infotainment oder Unterhaltung mit Haltung nennen. Welche der aktuellen Stücke haben diesbezüglich große Bedeutung für Euch?

Zwischen dem wichtigen Opener „Ikarus“ (bei dem es um das Thema Julian Assange geht) und „Elektro Merten“ (über das Aussterben kleiner individueller Betriebe) kombinieren wir Haltung mit Unterhaltung. Oder nimm „Brennt Alles Nieder“, das Stück benennt das Thema Vertreibung klar und deutlich beim Namen. Und dann gibt es noch jede Menge Lieder über das Erwachsenwerden und das Träumen.

Wie wichtig sind Facebook, Instagram oder TikTok für eine Band wie Dritte Wahl? Dreht ihr gerne Videos und wenn ja, mit wem?

Wir versuchen schon Fankontakt zu halten. Die Promo-Mechanismen für ein neues Album erfordern auch die Vorab-Veröffentlichung von Singles und dazugehörigen Videodreh, nach Möglichkeit mit befreundeten Akteuren. Und wenn das alles gut läuft, verdient auch eine Band wie wir, in den besten Jahren, am Ende ein paar Euro mehr. Natürlich sind wir auch für Feedback der Fans dankbar.

Welches Fazit ziehst Du nach einem halben Jahr Corona-Auszeit für die Band?

Es ist ein tolles Gefühl nach über 30 Jahren Bandgeschichte noch immer professionelle Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen. Wir hoffen dies auch weiterhin erleben zu dürfen, spätestens ab 2021 wieder in vollem Umfang mit unseren Fans. Ansonsten kann es finanziell wirklich eng werden, da der Großteil des Ersparten erst einmal in die neue Album-Veröffentlichung geflossen ist.

Text: Frank Keil. Bild: Robert Eikelpoth

www.dritte-wahl.de