Eric Burdon – Gute Zeiten mit dem Altmeister

Published On August 1, 2009 | By redaktion | Magazin, TV

Seit 1958 ist Eric Burdon im Musikgeschäft unterwegs. Seine größten Erfolge hatte er zweifelsohne in den Sechziger Jahren mit den Animals. Aber auch mit der Formation War und als Solokünstler setzte der britische Sänger in den letzten Jahrzehnten Maßstäbe in Sachen Rhythm ’n‘ Blues. Gerade ist der Altmeister wieder auf Tour und hat auch in der Saarbrücker Garage abgeräumt. Grund genug für saar-scene sich vor der Legende Eric Burdon zu verbeugen und bei dieser Gelegenheit gleich ein paar freche Fragen zu stellen.

Einer meiner absoluten Lieblingssongs von Eric Burdon & The Animals ist „Monterey“. Wenn man sich den Text mal genau anhört, stellt man fest, dass die meisten Musiker, die in dem Song erwähnt werden, sind schon tot sind. Was hast Du anders gemacht, dass Du körperlich und auch musikalisch noch so oben auf bist?
Naja, Hugh Masakela lebt noch! Ravi Shankar, spielt und lehrt auch noch. Fito de la Parra (Canned Heat), Gracie Slick, Dreifünftel der Original Byrds, David Crosby, Roger McGuinn, Chris McGuinn, Chris Hillman, machen weiterhin großartige Musik. Townsend und Daltrey zeigen keine Ermüdungserscheinungen und auch die Überreste von Grateful Dead, darunter Bob Weir und Phil Lesh, die als The Dead immer noch erfolgreich touren – alle sind noch 42 Jahre später sehr lebendig.

Also, von denen gibt keiner gibt den Löffel ab, bevor Du ihnen nicht eine Knarre an Kopf hältst …

Wie auch immer. Ich habe da meine eigene Theorie: Alles, was Du im Leben brauchst, sind starke Eltern, die dir den Unterschied zwischen Richtig und Falsch beibringen, dir erlauben Abenteuer zu erleben und die Gedanken schweifen zu lassen. Ein ordentlicher Start ins Leben und Bescheidenheit – das ist es, ha ha ha!!!!

Ich selbst war schon als Kind ein körperliches Wrack, ich hatte bereits mit 8 Jahren schweres Asthma und habe erst vor Kurzem entdeckt, dass nur eine gesunde Ernährung das Problem löst. Generell würde ich sagen, nimm dich vor verschreibungspflichtigen Medikamenten in acht. Die sind weitaus gefährlicher als alles, was natürlich wächst. Und mach einen Bogen um amerikanisches Fast Food.

Als Du das letzte Mal in Saarbrücken warst, bist Du ganz ohne Star-Allüren zwischen den Leuten rum gelaufen. Gehst Du immer so locker mit Deinen Fans um?
Ich war schon immer ein Verschwindibus: schnell unentdeckt rein und schnell wieder raus… Aber heutzutage in meinem Alter muss ich ein bisschen mehr aufpassen. Meine Haare sind weiß, sodass ich in der Menge leicht auszumachen bin. Früher konnte ich unauffällig und konnte in der Menge verschwinden. Aber die Zeiten sind vorbei.

Du hast kürzlich an zwei Alben gearbeitet. Wie ist der Stand und was hast Du für Pläne für die Zukunft?
Nun beide Alben sind fertig und sind richtig gut geworden. Erschienen sind sie auf meinem eigenen SPV Label („My Secret Life“, „Soul of a Man“). Ich arbeite gerade an einem neuen Projekt und will nur das allerbeste Material verwenden. Man weiß ja nie, ob es nicht das letzte Mal sein könnte. Ich schreibe auch ein Kinderbuch für die Zielgruppe 14 bis 60 Jahre…

Du wirst als einer der größten weißen Rhythm ’n Blues Sänger angesehen. Kürzlich hab ich auf Youtube ein Video gesehen, bei dem Du in einer der alten ‚Ready! Steady! Go!‘ Shows von Otis Redding angekündigst wurdest und eine Hammer-Version von „Hold On I’m Coming“ performed hast. Wie ist es heute im Rückblick Teil dieser Ära gewesen zu sein?
Wir waren Teil einer weltumfassenden Veränderung. Die Musiker haben damals den Weg gewiesen oder haben das widergespiegelt, was in der Welt passiert ist. Wir brauchen diese Veränderung heute mehr denn je und ich frage mich manchmal, wer wird jetzt die Laterne hochhalten?

Wo wir gerade von Youtube & Co sprechen. Heute können die Kids die Sixties nachempfinden, wenn Sie sich die alten Videos anschauen und Dich nicht nur hören, sondern auch performen sehen. Welchen Einfluss glaubst Du haben solche Webseiten. Bekommst Du dadurch neue Fans?
Neue Fans über Youtube? Wahrscheinlich… Jedenfalls hilft es mir mich selbst wieder zu entdecken. Mann, ich war damals so cool. Aber nicht ganz so cool wie Steve McQueen. Es ist auf jeden Fall toll Fans zu haben, die noch nicht einmal geboren waren, als es mit dem Internet losging. Sie kommen über Myspace… Facebook… Youtube und sie kommen auch zu den Konzerten vorbei. Es ist schön die Gesichter der Kids zu sehen, die mir Nachrichten auf meiner Webseite hinterlassen.

Wie sieht’s mit Vorbildern aus? Hast Du Vorbilder? Welche Musik hörst Du selbst heutzutage oder findest Du gut?
Idole? Ich erinnere mich an viele “falsche Götter”, aber einige davon waren auch echte Vorbilder: (Rahsaan) Roland Kirk, Chuck Berry, Louis Armstrong, Edith Piaf.Die meisten Rockstars gehören in die Hölle, die sich selbst geschaffen haben.

Das Leben eines Animals

In Anbetracht Deiner jahrzehntelangen Karriere war die Periode mit den ‚Animals‘ relativ kurz und Du hast zwischenzeitlich solo oder mit ‚War‘ eine Menge toller Alben produziert. Stört es Dich, dass Du trotzdem immer wieder auf Deine Zeit mit den ‚Animals‘ angesprochen wirst?
Ich hab schon vor den Animals das gemacht, was ich wollte. Als die Band gegründet wurde, habe ich schnell gemerkt, dass ich einen Großteil meiner Freiheit verloren hatte, aber innerhalb der Bandstruktur habe ich das Beste draus gemacht. Manches endete allerdings in einem Disaster, auf einiges bin ich stolz… Mein ganzes Leben war „das Leben eines Animals“

Mal ehrlich. Kannst Du „House of the House of the Rising Sun“ noch spielen?
Rising Sun”, ich hasse es drüber zu sprechen, aber ich singe es immer noch gern, da es so vielen Menschen so viel bedeutet. Es wurde vom Rolling Stone als eine der bedeutendsten Platten aller Zeit gelistet und die BBC hat kürzlich eine eigene Dokumentation darüber gezeigt. Ich war mal an einem Ort in New Orleans, wo das House of the Rising Sun angeblich stand… Ich hab keine Ahnung was es wirklich bedeutet, möglicherweise Sünde und Sühne….

Übrigens, ich hatte echt Spaß bei dem Gig in der Garage…..

Interview: Markus Brixius Bild: Steve Welter

www.ericburdon.com

 

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