Inferno_tomhanks

Film-Special: Fiktion contra Realität

Published On März 1, 2017 | By redaktion | Filme, Tipps

Beginnen wir mit seichter, familienfreundlicher Unterhaltung: „Findet Dorie“ (Disney•Pixar). Die blaue Doktorfisch-Dame Dorie, gesprochen von Anke Engelke, hat zwar Probleme mit ihrem Gedächtnis, glaubt dann aber doch zu wissen, wo sie ihre Familie, von der sie seit Kindestagen getrennt ist, finden könnte. Vollen Mutes macht sie sich mit Nemo (Vicco Clarén) und Marlin (Christian Tramitz) auf die Suche. Die ist abenteuerlich, amüsant, herzerwärmend und gefährlich. Disney und Pixar wissen, wie Jung und (!) Alt gleichermaßen zu unterhalten sind. Nach knapp über 100 Minuten kommt es zum erhofften Happyend.

Auch „Inferno“ (Sony Pictures) hat ein Happyend. Vor dieses hat Regisseur Ron Howard allerdings bildgewaltige, spannende und mit Plot-Wendungen nur so gespickte Minuten platziert. Diesmal wacht der Harvard-Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks) in einem Krankenhaus in Florenz auf. Allerdings kann er sich nicht daran erinnern, wie er dorthin kam. Er vertraut sich der ihn behandelnden Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) an. Beide wollen – verfolgt von Unbekannten – den Plan des wahnsinnigen Genetikers Bertrand Zobrist (Ben Foster) durchkreuzen, die Weltbevölkerung durch das Freisetzen der biologische Waffe Inferno zu dezimieren.
Das perfide an der Geschichte ist, dass Langdon weder den Menschen um sich herum, noch seinen immer wieder in Flashbacks bruchstückhaft zurückkehrenden Erinnerungen vertrauen kann bzw. sollte. Wer ist Feind, wer ist Freund und wo hat der zu Beginn des Films getötete Zobrist die tödliche Waffe versteckt? „Inferno“ ist eine rasante Schnitzeljagd, die in Langdons Kopf beginnt und ihn von Florenz zum Showdown nach Istanbul führt.

So viel zur Fiktion. Was Louie Palu, ein kanadischer Fotojournalist und Filmemacher, in „Kandahar Journals“ (Studio Hamburg Enterprises) zeigt, ist brutale Realität. Die Eltern des Sohns italienischer Einwanderer hatten früher oft von ihren Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg berichtet – etwa dass sein Großvater vor den Augen seines Vaters abgeführt wurde. Diese Geschichten prägten Palu.
Er pendelte zwischen 2006 und 2010 zwischen zwei Welten: seinem Leben in Kanada und dem Krieg in Afghanistan. Als „embedded“ Fotojournalist erlebte er im Afghanistankrieg hautnah einen Selbstmordanschlag, dessen Bilder (hier teils zu sehen!) ihn seither nicht mehr loslassen. Insgesamt fünf Jahre begleitete er NATO-Truppen, darunter kanadische, US-amerikanische, britische und afghanische Soldaten, bei ihren Einsätzen in der Region Kandahar. „Kandahar Journals“ ist ein ungeschöntes Tagebuch, das tief unter die Haut geht.


Text: Peter Parker
Bilder: Disney Pixar, Sony Pictures, Studio Hamburg

Dieser Artikel kann Affiliate Links enthalten (z.B. zum Amazon Partnerprogramm). Das bedeutet, dass zwischen 3% und 10% des Wertes Deiner Einkäufe bei dem Anbieter zu dem der Link geschaltet ist, uns gutgeschrieben werden. Damit leistest Du einen wichtigen Beitrag dazu, dass wir auch weiterhin Inhalte ohne Bezahlschranke kostenlos anbieten können. Danke für Deine Unterstützung!

About The Author

Das total umsonste Popkulturmagazin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.