Filmfestival Max Ophüls Preis – Interview mit Svenja Böttger

Liebe Svenja, bei der letzten Ausgabe des Filmfestival Max Ophüls Preis feierten wir das das große 40. Jubiläum. Was macht nun das 41. Jahr?

Im 41. Jahr haben wir wieder ein tolles Programm für die Besucherinnen ausgewählt. Wie gehabt gibt es die vier Wettbewerbsprogramme Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm, in denen wir einige der spannendsten neuen Werke deutschsprachiger Nachwuchsfilmer zeigen. Der Wettbewerb ist und bleibt unser Herzstück. Außerdem freuen wir uns sehr, in diesem Jahr als Ehrenpreisträger Rosa von Praunheim und zum Festivalwochenende unseren Ehrengast Heike Makatsch begrüßen zu dürfen. Es verspricht eine sehr spannende Woche zu werden.

Letztes Jahr hat uns das Festival mit seinem neuen „MOP Uff de Schnerr“ Programm, bei dem auch Wettbewerbsfilme außerhalb Saarbrückens, in kleinen saarländischen Kinos gezeigt werden, überrascht. Gibt es in diesem Jahr ebensolche Neuerungen oder auf was können wir uns jetzt schon freuen?

Das Feedback der Zuschauerinnen war sehr positiv. Deshalb freuen wir uns „MOP Uff de Schnerr“ auch in diesem Jahr veranstalten zu können. Und wir ergänzen die Reihe neben den beiden bestehenden Kooperationen mit der Kinowerkstatt in St.Ingbert und dem Thalia Lichtspiele in Bous noch um einen dritten Standort, das Capitol Movie-World in Saarlouis. Außerdem werden wir erstmalig in diesem Jahr die Idee eines Festivalzentrums ausprobieren und Lolas Bistro tagsüber mit einem kleinen Festivalcafé öffnen.

Freuen kann man sich zudem auf unser Austauschprogramm mit dem israelischen Nachwuchsfilmfestival in Tel Aviv. Wir begrüßen bei uns eine kleine Reisegruppe aus Filmschaffenden der israelischen Filmhochschulen, die ihre Werke in einem Kurzfilmprogramm zeigen.

Das ist nun dein 4. Mal MOP als Festivalleitung. Wie fühlt es sich an und kommt irgendwann auch mal eine gewisse Routine für dich?

Im Kulturbereich, glaube ich, ist es schwer, eine klare Routine zu entwickeln, vor allem bei einem Jahresprojekt wie dem Filmfestival Max Ophüls Preis. Einmal im Jahr zeigt man innerhalb einer Woche, wofür man das ganze Jahr geplant, gearbeitet und wenig geschlafen hat. Das Schöne an einem Filmfestival ist, dass es nie langweilig wird und es immer wieder neue Herausforderungen gibt. Routine stellt sich in manchen Teilen natürlich schon ein, aber neue Ideen auszuprobieren und jedes Jahr neue Kooperationen anzustoßen, ist das tolle an diesem Job. Kultur im Saarland ist wichtig und in der Branche bekommen Filmfestivals auch einen stetig wachsenden Stellenwert. Langweilig wird es nicht.

Du bist selbst Teil der Auswahlgremien des Filmfestivals. Worauf liegt dein persönliches Augenmerk und was ist dir bei den Filmen der Jungregisseur*innen besonders wichtig?

Mein persönliches Augenmerk liegt sicherlich auf der Suche nach neuen Handschriften und deren filmischer Umsetzung. Wichtig ist mir, dass die Filmschaffenden ihre persönlichen Geschichten und Figuren erzählen und die Konventionen beiseitelassen, wenn nötig. Es ist immer wieder spannend zu entdecken, in welcher Form sich junge Filmschaffende mit den Themen unserer Zeit auseinandersetzen und sie in immer neue Zusammenhänge stellen.

Das Festival beschäftigt sich mit dem Umweltschutz. Ob die wunderschön selbstgebastelte Herz-Tischdeko im Festivalcafé und Lolas Bistro, als auch die kompostierbaren Akkreditierungsausweise. Das Festival scheint von Ausgabe zu Ausgabe, klimaneutraler zu werden. In diesem Jahr kam es jetzt das Veranstaltungsticket der Deutschen Bahn neu dazu. Was siehst du am Horizont, wo soll das Festival für dich mal ankommen?

Ich denke, dass wir uns alle fragen müssen, wie wir zum aktuellen Geschehen in der Welt und zum sehr kontrovers diskutierten Nachhaltigkeitsthema stehen und beitragen können. Dazu gehört für uns natürlich auch die Frage, was das Kernstück einer Veranstaltung ist, was wir da verändern, einsparen oder für das Klima freundlicher gestalten können. Worauf verzichtet man und worauf nicht? Das Schöne bei uns ist, dass das gesamte Team Veränderungen anregt: Wir diskutieren und sprechen darüber, was wir trotz eng gestricktem Budget umsetzen können, was einfach zu lösen und was mit mehr Vorplanung möglich ist. Dabei sind auch Partner wichtig, die das mit uns gemeinsam angehen. Wir haben beispielsweise das Glück, beim Thema Blumen und Premierenrosen lokale Anbieter an der Seite zu haben, die ebenfalls auf Nachhaltigkeit achten. Den Horizont zu beschreiben, finde ich allerdings schwierig. Dafür sind wir von zu vielen Faktoren abhängig, die wir nur teilweise beeinflussen können. Ich wünsche mir, dass wir stetig im Wandel bleiben und uns unserer Verantwortung bewusst sind und dieser gerecht werden können.

Und was ist bis jetzt dein persönliches Highlight der 41. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis?

Mein Highlight ist für mich immer die Vorfreude auf den Januar. Wenn sich im Dezember die ganzen vielen kleine Puzzlestücke zum großen Ganzen zusammensetzen und wir wieder über 60 neue Talente präsentieren können. Wenn die Nervosität auch bei uns steigt und die Woche endlich beginnt, denn nur in der Festivalwoche ab der Eröffnung können wir sehen, ob sich die Ideen bewähren und die ganze Arbeit gelohnt hat und wie das Publikum aber auch die Presse und Branchenvertreterinnen das Festival sehen und über das Programm diskutieren.

Interview: Antonia Weber Bild: Oliver Dietze

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