Indochine – Mondäner New Wave aus Paris

Die französische New Wave-/Rock-Gruppe um Gründer, Komponist, Sänger und Gitarrist Nicola Sirkis feiert demnächst ihr 40jähriges Jubiläum. Dafür veröffentlicht das Quintett Ende August die „Singles Collection (2001-2021)“, der im November die „Singles Collection (1981-2001)“ folgen wird. Erstere enthält mit „Nos célébrations“ einen unveröffentlichten Titel, der in London aufgenommen wurde. Die Stücke von 1981-2001 wurden vom amerikanischen Soundingenieur und mehrfachen Grammy-Gewinner Mike Guzauski remixt und mit Bildern des niederländischen Fotografen Erwin Olaf versehen. Eine Film-Dokumentation und eine Ausstellung befinden sich zudem in Arbeit. Mehr Wissenswertes gibt es im Gespräch mit Nicola zu erfahren.

Bald steht das beachtliche Jubiläum von Indochine an. Wie würdest Du die Band selber stilistisch einordnen, die in Deutschland durch ihren Mix aus New Wave, Punk und Rock bekannt wurde?

Wir sind aus und mit der New Wave-Bewegung in Westeuropa entstanden. Dazu kamen stilistische Einflüsse aus Synthesizer Pop und Rock. Dank Texten aus Romantik und Neoromantik, dieser Abstammung und einer ständigen Weiterentwicklung haben wir uns über 40 Jahre etabliert.

Warum geltet ihr in Deutschland nur als Geheimtipp, während ihr in den französischsprechenden Ländern und Skandinavien Stars seid?

Vielleicht hat das ´Timing´ mit unserer Plattenfirma dafür nie gestimmt. Trotzdem haben Indochine internationale Bedeutung erreicht. Und als wir kürzlich für Fotoaufnahmen in Berlin waren, trafen wir viele Fans, für die ein Charterfolg wie „3 nuits par semaine“ und weitere Titel eine ikonische Bedeutung haben.

Dein Bruder Stéphane war als Gitarrist von 1981 bis zu seinem Tod 1999 durch Hepatitis, infolge seiner Drogenabhängigkeit, Teil der Band. Hattest Du zu dieser Zeit überlegt Indochine aufzulösen?

Eine sehr persönliche Frage. Sein Tod hat damals zahlreiche Fragen bei mir ausgelöst. Ich kam aber schließlich zu der Überzeugung, dass der Fortbestand von Indochine das Beste wäre, seine Musik am Leben zu erhalten.

Vierzig Jahre sind für eine Rockband ziemlich einzigartig. Nicht nur in Frankreich, sondern weltweit

Eure Diskographie ist äußerst umfangreich. Welches der Alben seit dem Debüt “L´aventurier” aus dem Jahr 1982 würdest Du heute als Meilenstein bezeichnen?

Alle Alben, da sich auf jedem mindestens ein Hit befand. Damit gelang es der Band immer eine neue Generation und ein anderes Publikum zu erreichen. Das ist das Geheimnis von Indochine.

Bob Morane ist eine in Frankreich und Belgien populäre Comicfigur von Henri Vernes. Dem Geheimagenten wurde auf jedem Album ein Lied gewidmet. Warum?

Auf dem Debüt war es ein Lied und die LLP, später wurde es eine Art ´running gag´ bei weiteren Titeln. Es geht auf Bücher aus meiner Kindheit zurück und den Umgang mit einem unbesiegbaren Helden.

Indochine wären nicht Indochine ohne Eure beeindruckenden Multimedia-Shows. Wie groß ist Dein kreativer Anteil daran?

Insgesamt ist es das Ergebnis meiner Gefühle, Erfahrungen und Beobachtungen die ich mache, wenn ich Bücher lese, Musik höre oder die Welt um mich herum betrachte.

Sie haben eine einzigartige Verbindung zu ihrem Publikum erschaffen. Mit Hilfe ihrer Songs, die den Realitäten von Jugendlichen zeitgemäß Rechnung tragen

Nach welchen Kriterien hast Du/habt ihr die Singles für die beiden eingangs erwähnte Zusammenstellung Singles Collection (2001-2021)“ ausgewählt?

Wir mussten nicht auswählen, da alle 27 Singles von 2001-2021 auf dem Album zu finden sind, dazu der neue Titel „Nos célébrations“. Das Album unterstützt die für 2021 gebuchte „Central Tour“, wo wir in fünf französischen Stadien auftreten werden, in zentraler Position mit kreisförmigen Bildschirmen. Im Rahmen unserer Show wollen wir jeweils alle 56 Singles spielen, ganz oder im Medley. Es soll ein maximales virtuelles und akustisches Erlebnis für die Fans und uns werden.

!3“ erschien bereits im Jahr 2017. Wie sieht es mit einem neuen Album aus?

Im Moment haben wir keine Pläne für das vierzehnte Album.

Abseits der Musik gibt es sicher auch den privaten Nicola Sirkis. Wie sieht der aus?

Ich lebe so einfach, wie andere Franzosen mit ihren Familien auch.

Du bist jetzt 61 Jahre alt. Gab es in der Vergangenheit den Wunsch die Karriere als Musiker zu beenden und zukünftig etwas Anderes zu machen?

Im Alter von 19 Jahren habe ich mich mit diesen Gedankenspielen beschäftigt. Danach hatte ich keine Zeit mehr mir diese Fragen erneut zu stellen.

Text: Frank Keil. Bild: Stephane Ridard

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