Klaus Hoffmann – Hauptstadt-Urgestein trotzt der Krise

Klaus Hoffmanns neues Album „Septemberherz“ hat alles, was das Berliner Multitalent seit seinem Karrierebeginn 1975 auszeichnet. Zusammen mit seiner Band lässt uns der Liedermacher an 15 Geschichten voller Liebe, Hoffnung, Fernweh und Poesie teilhaben. Der im Herzen Junggebliebene fühlt sich zwischen Chanson, Pop, Jazz und Folk nach wie vor sichtlich wohl. Doch bevor er zu seinem 70. Geburtstag im März 2021 mit „Septemberherz“ auf Deutschland-Tournee geht, stehen im November/Dezember noch Jacques Brel-Auftritte mit Hawo Bleich am Flügel an.

2018 „Aquamarin“, 2019 einen gleichnamigen Philharmonie Live-Mitschnitt, jetzt „Septemberherz“. Woher stammt die Energie, die Sie noch immer antreibt?

Ich singe nach wie vor aus Leidenschaft, andere Gründe wie Eitelkeiten, Geld/Versorgung, Bühnenpräsenz haben sich über die Jahre verändert. Doch Covid-19 bedingt war es nicht leicht dieses Konzeptalbum umzusetzen. Ich hatte zwar genug Material, aber die Koordination mit den Musikern in anderen Städten und dem Mix/Mastering in München wollten organisiert werden. Aber ich bin mir mit dem Album auch ein Stück nähergekommen. Und wenn meine Stimme hält, bleibe ich sicher noch länger auf der Bühne und im Studio präsent.

Multitalent Klaus Hoffmann. Wie würden sie sich selbst bezeichnen?

Mir hat der Autor und Schauspieler geholfen, das Lied auf der Bühne zu singen. Die Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule bildet bis heute das Fundament meines künstlerischen Schaffens.

Septemberherz“. Erneut eine poetische Verführung voller Hoffnung und Melancholie. Welche Bedeutung birgt der Albumtitel?

Einen Rückblick und eine Zwischenbilanz zugleich. Aber es kommt auch noch was, es gibt noch Monate die folgen. Dafür bin ich zu meinen Wurzeln nach Charlottenburg zurückgekehrt. Und habe dort die meisten Stücke in einem kleinen Studio aufgenommen. Um das ganze Album im Kontext meiner bisherigen Veröffentlichungen einzuordnen bedarf es noch etwas Zeit.

Haben Sie den ein oder anderen Lieblingstitel auf dem Album und wenn ja, warum?

Das Bekenntnis „Ich glaube“. Dann „Ich weiß nicht ob´s vorbei ist“, die lange Ballade voller Widerspruch. Und „Asi es la vida“, einen Titel, den meine Tochter Laura singt, die lange in Spanien gelebt hat.

Sie sind gebürtiger Berliner, leben mit ihrer Frau Malene aber außerhalb der Hauptstadt. Gibt es wieder einen typischen Berlin-Titel auf dem Album?

Den gibt es, mit sehr persönlichem Hintergrund. Es ist „Dein Gesicht“, meinem verstorbenen Verleger Rolf Budde gewidmet.

Es gibt Klaus Hoffmann in drei Varianten. Mit Band wie auf „Septemberherz“, zusammen mit Pianist Hawo Bleich und solo bei Lesungen. Ein Vorteil in Zeiten von Covid-19?

Ja, ich denke schon, dass wir dadurch ein wenig besser mit der Krisensituation im Kulturbetrieb umgehen können. Generell denke ich, dass gutes Handwerk als Autor, Songwriter, Sänger, Liedermacher und Schauspieler in solchen Zeiten wieder an Bedeutung gewinnt.

Stichwort Jacques Brel. Sie haben sich schon in den späten 1970er Jahren als Interpret des berühmten belgischen Chansonniers einen Namen gemacht. Wieso gerade Brel?

Seine Musik trug zur Befreiung aus Elternhaus und Kleinbürgertum bei. Zunächst verstand ich gar kein Wort Französisch, aber seine Stimme hatte eine unwahrscheinliche Anziehungskraft. Französische, homosexuelle Betreiber eines Berliner Clubs, in dem ich damals auftrat, hatten ihn mir musikalisch nähergebracht. Fasziniert von ihm, kam es zu den Interpretationen. Aber es hat lange gedauert, bis ich ihn und seine Botschaften verstanden habe.

Bevor im März 2021 die „Septemberherz“-Tournee ansteht, präsentieren Sie mit Pianist Hawo Bleich im November und Dezember „Klaus Hoffmann singt Jacques Brel“. Gelegenheit, zumindest bei den Zugaben einen „Septemberherz“-Titel als Bonus vorzutragen?

Abende mit mehr als 25 Liedern im Programm, denen wir extrem entgegenfiebern, vor allem dem Auftritt in Luxemburg. Und ihr Vorschlag, wäre eine Überlegung wert. Diese pure, natürlich Art würde zu dem ein oder anderen neuen Song sicher gut passen.

Text: Frank Keil | Bild: PR

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