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Klaus Hoffmann – Sehnsuchtssänger aus der Hauptstadt

Der gebürtige Berliner gilt schon länger als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Chansonniers. Mit seinem neuen Album „Aquamarin“ schließt Klaus Hoffmann den Kreis zu seinen künstlerischen Anfängen in den späten 1960er Jahren und seiner 1975 beginnenden Diskographie. Mit Hawo Bleich, Arrangeur und musikalischer Leiter am Flügel, mit Michael Brandt (Gitarre), Peter Keiser (Bass) und Stephan Genze (Schlagzeug) kommt der großartige Entertainer auch in das Saarland. Vor seinem Auftritt in Saarbrücken sprachen wir mit ihm.

Sänger, Songwriter, Liedermacher, Autor und Schauspieler. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?

Genau so. Mir hat der Autor und Schauspieler geholfen, das Lied auf der Bühne zu singen. Es ist genau so ein Triptychon wie Sie es beschrieben haben. Aber ich mußte alles lernen, war als Kind scheu und bin durch die Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule erst zu meinem Fundament gekommen.

Berlin war und ist immer wieder Thema und Inhalt in Ihren Songs. Die Stadt hat sich seit der Wende rasant verändert. Ist das Berlin heute noch ihr Berlin, in dem Sie geboren und aufgewachsen sind sowie leben?

Seit dem Mauerfall ist es ein bißchen ungemütlicher, schneller, aggressiver, multikultureller geworden. Ein Brennpunkt für viele Schichten, aber auch ich habe mich ja verändert. Ich hole mir die künstlerische Inspiration in der Stadt, wohne mit meiner Frau Malene aber außerhalb auf dem Land. Mein neues Berlin-Lied, „Ein Leben lang mit dir“, stellt den Widerspruch von Berlin treffend dar.

Ihre ersten Alben zwischen 1975 und 1980 waren große Erfolge, machten ihren Namen einem breiten Publikum bekannt. Spielen Sie heute noch das ein oder andere Stück aus dieser Zeit live?

Es gibt ja Klaus Hoffmann in drei Varianten. Mit Band, wie beim aktuellen „Aquamarin“-Programm, zusammen mit Pianist Hawo Bleich und solo bei Lesungen. Und für alles nehme ich alte Lieder, teilweise habe ich sie gar nicht mehr so gemocht, habe sie mir aber zurückgeholt.

Mit ihrem Kollegen Reinhard Mey verbindet Sie eine tiefe Freundschaft. Wie kam es dazu?

Ich habe ihn schon früh als Künstler in Berliner Clubs gesehen. Später waren wir gemeinsam auf Tournee in Frankreich. Wir haben beide von Francois Villon, dem rebellischen Dichter gelernt. Mey ist wie eine Art Bruder für mich. Und so haben wir auch diverse Lieder gemeinsam aufgenommen. Ein großes Geschenk, das diese Freundschaft bis heute anhält.

Sie haben sich auch als Jacques Brel-Interpret einen Namen gemacht. Warum fiel Ihre Auswahl gerade auf den belgischen Chansonnier?

Zunächst verstand ich gar kein Wort Französisch, aber seine Stimme hatte eine unwahrscheinliche Anziehungskraft. Französische, homosexuelle Betreiber eines Berliner Clubs, in dem ich damals auftrat, hatten mir Brel nahegebracht. Dessen Können hat mich einfach fasziniert. So kam es dann zu den Interpretationen. Es hat lange gedauert, bis ich ihn als Künstler und Leitfigur ganz verstanden habe.

Ihre Alben erreichen in der Regel immer die deutschen Charts. Welche Erwartungen haben Sie und Ihr Label Indigo an „Aquamarin“?

Immer das Beste! Das erwarten auch die Fans. Und ´Aquamarin´ ist schlicht sehr gut geworden.

Gibt es so eine Art ´Roten Faden´ für das Album mit seinen 16 Songs zwischen „Ich denke an dich“ und „Was machst du morgen“?

Ich glaube ja. Es veränderte sich innerhalb von zwei Jahren einiges, in denen ich mit Arrangeur Hawo und den Musikern daran gearbeitet habe. Der ´Rote Faden´ ist aber quasi der Aquamarin als schöpferische Quelle. Um zu werden was Du bist, darum geht es immer wieder. Eine Reise von innen nach außen mit den Lieblingstiteln „Was gut ist und was nicht“, das humane Werte vertritt und „Ich selbst allein“, eine Art Kinderlied für Erwachsene.

Welche Bedeutung kommt Ihrer Band bei den einzelnen Stücken zu, die ja schon rund 30 Jahre mit Ihnen im Studio und auf der Bühne arbeitet?

Es sind alle großartige Künstler unterschiedlichster Herkunft aus E- und U-Musik. Distanz und Nähe haben wir gemeinsam perfektioniert. Sie reiben sich an meinen Liedern, aber letztendlich finden wir immer einen gemeinsamen Nenner.

Wie wird das Programm für die Tournee im November aussehen, ihr Back-Katalog ist ja mit über 30 Alben riesig?

Besondere alte Lieder als Hinführer zum aktuellen Programm von „Aquamarin“. Und wenn dann das Publikum bei dem ein oder anderen Stück zum Mitsingen animiert wird, ist man nah an einem unvergesslichen Abend.

Text: Frank Keil. Bild: PR