Manuel Sattler – Der Neue bei „Kultur macht stark“

Im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2022 insgesamt 250 Millionen Euro für lokale Maßnahmen der außerschulischen kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Zahlreiche Projekte in sämtlichen Kulturbereichen sind dadurch förder- und umsetzbar. Wir haben uns mit dem Projektkoordinator Manuel Sattler über das Programm unterhalten.

Lieber Manuel, warum ist die Beschäftigung mit Kultur bereits in jungen Jahren so wichtig?

Sich selbst auszuprobieren, selbsttätig sein, sich als selbstwirksam erfahren, das sind doch alles Phänomene die unser Selbstständig werden beflügeln und beeinflussen. Die ästhetischen Erfahrungen schulen unser Denken und unsere Reflexionsfähigkeit, unsere Wahrnehmung, die Perspektivenübernahme, letztlich unsere soziale Kompetenz. Doch die aktive Beschäftigung mit Kunst und Kultur wirkt nicht nur auf sozialer Ebene, es sind auch die biologischen Aspekte, wie bspw. das gesteigerte Körperbewusstsein im Tanz oder die positiven Aspekte des Musizierens auf unser Gehirn. Hier will „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ ansetzen und Kindern und Jugendlichen die Bildungsbenachteiligung erfahren diese Möglichkeit eröffnen und gleichzeitig kulturelle Teilhabe fördern. Und vielleicht noch eins. Es geht doch auch immer um die Freude am Schaffen, Kreativität statt Destruktivität, und darum das eigene Leben schöner und erträglicher zu gestalten.

Das Programm richtet sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche mit erschwertem Zugang zu Bildung. Was genau bedeutet dies und inwiefern wird der entsprechenden Zielgruppe damit geholfen?

Die Angebote sollen bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 18 Jahren zugutekommen. Als bildungsbenachteiligt gelten Kinder und Jugendliche, auf die mindestens eine der im nationalen Bildungsbericht 2016 beschriebenen Risikolagen zutrifft:

  • soziale Risikolage (Erwerbslosigkeit der im Haushalt lebenden Elternteile),
  • finanzielle Risikolage (geringes Familieneinkommen, die Familie erhält z. B. Transferleistungen),
  • eine bildungsbezogene Risikolage (z. B. Eltern sind formal gering qualifiziert).

„Kultur macht stark“ will Zugänge eröffnen, Möglichkeiten schaffen, welche Kindern und Jugendlichen die bspw. in Armut groß werden verwehrt bleiben, das fängt beim Theaterbesuch an und geht über das kennenlernen und zusammenarbeiten mit erfahrenen Künstlerinnen und Künstler hinaus.

Kannst du kurz erläutern, wie Interessenten ein Projekt in die Wege leiten können?

Am Anfang steht die Idee. Danach geht es um die Bündnisbildung. Die „Bündnisse für Bildung“, bestehen aus drei lokalen Akteuren. Hierbei soll ein Partner über einen Zugang zur Zielgruppe verfügen, ein weiterer die kulturelle Expertise miteinbringen und der dritte soll im Sozialraum aktiv sein. Einer der Bündnispartner übernimmt die Gesamtkoordination. 
Dieser kann auf der Grundlage verschiedener Förderkonzepte bei ausgewählten Förderern einen Antrag auf Projektförderung stellen. Unter den Programmpartner gibt es auch sechs Initiativen, die selbst lokale Bündnisse mit mindestens zwei Partnern vor Ort durchführen. Jede Initiative entwickelt ein Konzept für außerschulische Maßnahmen der kulturellen Bildung, auf dessen Grundlage die Durchführung vor Ort erfolgt.

„Kultur macht stark“ wird durch insgesamt 29 Programmpartner unterstützt. Diese erstellen konkrete Konzepte für denkbare Maßnahmen. Welche Institutionen sind beispielsweise vertreten und welche Projekte bieten diese an? Gibt es vielleicht ein besonders erfolgreiches bereits durchgeführtes Projekt?

Bei den Programmpartnern handelt es sich um bundesweit tätige Organisationen mit Erfahrung in der Bildungsarbeit. Hierbei kann von spartenspezifischen Partnern, wie bspw. der Bundesverband für bildende Künstlerinnen mit dem Konzept „Wir können Kunst“ oder dem Bundesverband Popularmusik mit „Pop to go“ und spartenübergreifenden Partnern wie z.B. dem Bundesverband Soziokultur mit „Jugend ins Zentrum“ unterschieden werden. Aus meiner bisherigen Arbeit weiß ich, dass die Musikschule Merzig sehr aktiv im Rahmen von „Musik Leben 2“ vom Verband deutscher Musikschulen ist und in vielen Kindergärten im Landkreis musikalische Früherziehung drei Monate kostenfrei anbieten kann.

Momentan hält uns die Corona-Pandemie alle in Atem. Viele Veranstaltungen sind daher an klare Grenzen und Regeln gebunden. Wie geht „Kultur macht stark“ damit um? Gibt es auch Konzepte für digitale Projekte oder ähnliches?

Corona und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens wirken sich nach wie vor auf „Kultur macht stark“ aus. Viele Projekte mussten ausgesetzt oder verschoben werden. Gleichzeitig haben zahlreiche Akteure im Programm kreative Lösungen gefunden, um Kindern und Jugendlichen gerade in diesen schwierigen Zeiten Angebote der kulturellen Bildung zu ermöglichen. Die vergangenen Monate waren vor allem auch eine Zeit des Ausprobierens und Lernens: Welche Angebote lassen sich digital umsetzen? Was sind die Chancen und Grenzen dabei? Viele Kinder und Jugendliche, die es schon im normalen Alltag schwer haben und umso mehr in der aktuellen Situation, fanden so eine willkommene kreative Beschäftigung, sie erlebten Austausch, Gemeinschaft und Zuwendung – ob auf digitalem Wege oder zum Beispiel in Form von Material- und Aufgabenpaketen für die kreative Arbeit zu Hause.

Text: Hanna Zier | Bild: Privat

kulturmachtstark-saar.de