Moses Pelham – Vom Drang und der Notwendigkeit zu rappen

Moses Pelham ist ein Multitalent. Der Autor, Rapper, Produzent und Labelbetreiber aus Frankfurt/Main hat mit seiner Plattenfirma 3p mehr als neun Millionen Tonträger verkauft. Und hat Musikgeschichte geschrieben, u.a. mit dem Rödelheim Hartreim Projekt, mit Glashaus, seiner Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo und Sabrina Setlur sowie als Solist. Zuletzt erschien 2017 das Erfolgsalbum „Herz“, dem er jetzt sein neues Studioalbum „Emuna“ (hebräisch für Glaube) folgen lässt. Zweifelsohne hat Moses Pelham die deutsche Musikszene beeinflusst, verändert und geprägt – dementsprechend hat er im Interview auch Wichtiges zu erzählen.

Du bist 1971 geboren und hast als 10jähriger zu KISS-Platten Schlagzeug gespielt. Zwei Jahre später hast Du Hip Hop für Dich entdeckt und bist ihm bis heute treu geblieben. Berufung und Beruf zugleich?

Ja! (sein positives Lachen unterstützt die kurze Antwort mit Nachdruck)

Heute bist Du eine Art Multitalent in Personalunion. Brauchst Du diese ständige Abwechslung um weiterhin auf hohem Niveau kreativ zu bleiben?

Es hat mit unfassbar gutgetan das Musikbusiness von allen Ecken her kennenzulernen. Aber jetzt bin ich da, wo ich eigentlich schon am Anfang hinwollte: Bei mir selbst. Eigene Platten aufnehmen und mich mit meinem eigenen Leben zu beschäftigen hat jetzt oberste Priorität für mich.

Welche Künstler sind derzeit noch bei Deiner Plattenfirma 3p unter Vertrag?

Außer mir selbst gar keine mehr. Ich habe mich schon 2009 entschieden grundsätzlich nur noch meine Kunst zu vermarkten, also Glashaus und Moses Pelham als Solokünstler. Nur Management für den ein oder anderen Musiker machen wir noch nebenbei.

Kommen wir auf Dein neues Album „Emuna“ zu sprechen, das siebte insgesamt. Gibt es eine Art roten Faden für die insgesamt 12 Titel?

Eigentlich nicht, die Idee eines Konzeptalbums gibt es bei mir nicht. Obwohl ich und mein Leben in den letzten zwei Jahren so eine Art roter Faden sind. Ich sehe die 12 Stücke weniger als ein Buch, sondern eher als 12 Kurzgeschichten, die ein Buch bilden.

Es gibt bereits drei Single-Auskoppelungen, „Notaufnahme“, „Weiße Fahne“ und „Wunder“, repräsentieren sie in ihrer Unterschiedlichkeit das Album?

Singles werden aus Marketinggründen vorab veröffentlicht. Für mich sind alle 12 Titel von Bedeutung. Es gibt sogar weitere gute Aufnahmen, die es nicht auf das Album geschafft haben und die zu einem späteren Zeitpunkt Verwendung finden. Für die Tonne gibt es bei mir nicht.

Stand Dir Martin Haas, der mit Dir und Cassandra Steen das Soul-Trio Glashaus bildet, wieder musikalisch zur Seite?

Ja, bei sieben Aufnahmen, der Rest verteilt sich auf weitere Produzenten.

2018 und 2019 hast Du drei ausverkaufte Glashaus „Live & akustisch“-Tourneen und Deine „Herz“-Tour in Deutschland gespielt, auf der Bühne zu stehen ist Dir nach all den Jahren immer noch sehr wichtig, oder?

Die Moses Pelham-Band ist nochmals gewachsen, wir sind jetzt 10 Personen auf der Bühne. Unsere Show ist immer ganz besonders, vor allem aufgrund der Gefühle zwischen uns und dem Publikum.

Wann ist mit der angekündigten Autobiografie „Direkt aus Rödelheim“ zu rechnen, die in Kooperation mit Jan Wehn entsteht?

Ja, daran arbeiten wir seit ungefähr zwei Jahren, aber sie ist noch nicht fertig. Geplant ist die Veröffentlichung im Oktober beim Heyne Verlag/Random House zur Frankfurter Buchmesse.

Rap als Teil der afro-amerikanischen Hip Hop-Kultur kommt in den späten 1970er Jahren in den USA auf. Hat Moses Pelham dort kommerzielle Chancen?

Wir verkaufen eigentlich nur in Europa und schwerpunktmäßig in D, A und CH. Die Sprachbarriere ist wesentlich, man ist aus den USA jedenfalls noch nicht auf uns zugekommen und ich habe da ehrlich gesagt auch keine Ambitionen.

Text: Frank Keil. Bild: PR

www.mosespelham.de

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