Närrische Tage mit langer Tradition

Mit der Nacht vor der Fastenzeit wurde ursprünglich eigentlich nochmal richtig die Sau rausgelassen, weil man diese ab Aschermittwoch ja dann bis Ostern nicht mehr essen durfte. Dabei wurde schon im Mittelalter am Dienstagabend nochmal ordentlich gebechert und festlich aufgetischt. Erst einige Zeit später wurde diese Zeit verlängert und auf mehrere Tage statt der einen Vas(t)naht ausgedehnt. Auch die Begriffe Fasching oder Karneval haben den selben Ursprung, nämlich vastschanc für den Fastentrunk und carne vale aus dem italienische für „Fleisch leben wohl“.

Viele Tage, die es heute gibt, haben sich dann im Laufe der Zeit entwickelt, so bezeichnet der schmutzige Donnerstag oder die Weiberfasnacht z.B. den Übergang zwischen Sitzungs- und Straßenfasnacht.

Die Idee der Fasnacht ist allerdings nicht nur religiös, sondern vor allem auch Politisch. So konnte man sich doch in der 5. Jahreszeit auf einmal über Ogrikeit und Staat amüsieren, ohne dafür belangt zu werden. Daher der Begriff der sog. Narrenfreiheit. Die Tradition der Eulenspiegel und politischen Büttenreden wurde geboren und ist bis heute fest verwurzelt in der Feierzeit. Auch in der Straßenfasnacht darf eine politische Botschaft nicht fehlen, gehörte der Weiberdonnerstag doch schon früh den Frauen und gab ihnen das Recht die Männer mit Kind und Kegel für einen Tag sitzen zu lassen. Auch die bunten Motivwägen des Mainzer und Kölner Karnevals haben bis heute eine lange Tradition in Sachen politischer Bildung und Kritik.

Also ihr Narren und feierwütiges Volk: Lasst es krachen, aber vergesst nicht die bunten Tage mit Sinn und Verstand zu füllen! Ganz im Sinne einer jahrhundertealten Tradition.

Text: Anna Rissel

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