Paul Weller – A Kind Revolution

Published On September 14, 2017 | By Javad | Faces, Magazin

Paul Weller ist der Pate des Britpop, selbst die Gallagher-Brüder verehren ihn. Als Frontmann von The Jam war er in den späten Siebzigern Protagonist des Mod-Revivals, mit The Style Council wurde er zu einem gefeierten Soul- und Rhythm & Blues-Sänger. Nun veröffentlicht der Londoner sein 13. Soloalbum „A Kind Revolution“. Die Mixtur aus kraftstrotzendem Northern Soul und leichtfüßig-groovenden Motown-Klängen mit mitreißenden Melodien spielte er zurzeit des Brexit ein.

Die Linke in England hat Jeremy Corbyn zu Ihrem Anführer gewählt. Schlägt das Herz des Arbeiterkindes Paul Weller noch immer links?
Nun, die Arbeiterklasse ist meine Herkunft. Mein Vater war Taxifahrer und meine Mutter Putzfrau. Ich fühle noch immer sehr mit den Arbeitern verbunden.

Hat Rockmusik noch revolutionäres Potenzial?
Das glaube ich nicht. Rockmusik hat diese kulturelle Kraft nicht mehr, die sie vor 30 Jahren noch hatte. Ich weiß auch nicht genau, was an ihre Stelle getreten ist. Vielleicht sind es ja die Sozialen Medien. Man definiert sich heute nicht mehr so stark über Musik wie früher. Aber ich bin mir sicher, dass Rockmusik die Leute noch immer fasziniert.

Wie stellen Sie sich eine sanfte Revolution (A Kind Revolution) vor?
Ich stelle mir darunter eine spirituelle Revolution vor, bei der man mehr in sich hinein schaut, um dort nach Antworten zu suchen. Von Politikern oder Kirchenleuten kommen die jedenfalls nicht. Es kann nur von innen heraus passieren. Wir brauchen wieder mehr Leidenschaft und Liebe füreinander.

Manche sagen, das coole London seit tot und werde nur noch von langweilen Reichen bewohnt. Wie sehen Sie Ihre Wahlheimat?
Genau genommen bin ich kein Londoner, ich stamme ja aus einer Kleinstadt, aber ich lebe hier seit 40 Jahren. London verändert sich sehr, aber für mich ist es immer noch ein wundervoller und magischer Ort.

In einem ähnlichen Tempo wie London wandelt sich auch die Musikindustrie. Wird es Streamingdienste in fünf Jahren noch geben?
Mann, ich weiß es nicht, was danach kommen wird. Vielleicht finden sie ja irgendein anderes Format. Ich nutze das Digitale ja auch, indem ich mir ab und zu Musik runterlade. Weil es so bequem ist. Aber ich mag die finanzielle Seite des Ganzen nicht. Die Honorierung ist ein schlechter Witz.

Kaufen Sie sich noch Vinylplatten?
Yeah, Vinyl und CDs. Ich kaufe meine Platten bei Rough Trade und ähnlichen Läden. In London gibt es nicht mehr so viele Plattenläden wie früher, aber man findet noch gute Independentshops wie Soul Jazz oder Sister Ray.

Haben Sie sich mit dem Brexit mittlerweile abgefunden? Sehen Sie darin vielleicht sogar eine Chance?
Nein, ich war von Anfang an dagegen. Ich hätte lieber, dass wir bei Europa bleiben. Viele, die für den Brexit gestimmt haben, waren schlecht informiert. Im Vorfeld der Abstimmung gab es hier eine gewaltige Propagandawelle von Seiten der Medien. Die Leute haben keine wirklich durchdachte Entscheidung getroffen. Ich habe das Gefühl, dass die ganze Welt sich gerade rückwärts bewegt und die Leute immer reaktionärer werden.

Interview: Olaf Neumann Bild: Warner

Information!

Garage Saarbrücken, Sonntag, 3. September, ab 19 Uhr

paulweller.com

About The Author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.