Jörg Mathieu

Quo vadis Filmhaus? Initiative will Fortbestand sichern

Published On November 1, 2016 | By redaktion | Faces

Der Fortbestand des Filmhaus in Saarbrücken wird schon länger infrage gestellt. Jetzt scheint es ernst um die Kulturstätte zu werden. Das zuständige Amt für kommunale Filmarbeit soll aufgelöst werden. Dann wäre das Filmhaus ab Februar ohne Leitung. Die „Initiative zum Erhalt des Saarbrücker Filmhauses“ um Jörg Mathieu (Herausgeber des Retrofilmmagazins 35 Millimeter und Veranstalter des Cinefonie Tages), will im November auf einer Pressekonferenz ein Konzept zu Rettung des Filmhaus vorlegen.

Jörg, was hat dich dazu bewegt, dich in Sachen Filmhaus mit einer Initiative zu engagieren?
Ich engagiere mich ja nicht alleine. Die Initiative besteht aus vier Personen die alle das gleiche Ziel verfolgen – wir wollen den Kulturstandort Filmhaus erhalten. In welcher Form wird gerade im Hintergrund verhandelt. Uns treibt vor Allem die Liebe zum Filmhaus an, das wir für das schönste Kino der Stadt halten. Wir empfinden es als Schande, dass man ernsthaft über dessen Schließung nachgedacht hat nur weil es schlecht geführt wird. Wir sind überzeugt dass es nicht am Filmhaus liegt, sondern an Personen fest zu machen ist, warum es nicht mehr läuft.

Was kannst du über euer Konzept verraten?
Wir haben bewusst bisher nur Bruchstücke des Konzepts bekannt gegeben, da wir uns das für die Pressekonferenz aufheben wollen. Deshalb möchte ich auch hier nicht alles verraten, auch wenn es kein großes Geheimnis ist, dass wir im „neuen“ Filmhaus mehr als nur Kino veranstalten wollen. Aus der Saarbrücker Künstlerszene wissen wir, dass es einen dringenden Bedarf an einer echten Kleinkunstbühne gibt, die eine feste Heimat hat. Das wollen wir zur Verfügung stellen. Ein Schwerpunkt wird die Belebung und Modernisierung des schönen Innenhofes sein. Livemusik wird ebenfalls eine große Rolle bei uns spielen.

Das Filmhaus war offensichtlich eine defizitäre Kiste. Haben wir zu viele Kinos in Saarbrücken oder lag es schlichtweg am Angebot?
Ich habe mal gelesen, dass Saarbrücken die höchste pro Kopf Kinositzdichte Deutschlands hat. Das ist ein Luxus den sich nur wenige Städte leisten. Gleich drei Programmkinos in Saarbrücken sind schon als Überangebot zu bezeichnen. Aber gerade die camera zwo und das 8 ½ haben ihre Nischen gefunden und haben auch ihr berechtigtes Stammpublikum. Kino lebt in Saarbrücken, nur eben nicht im Filmhaus. Also liegt es nicht am Publikum, sondern offensichtlich am Programm. Das bestätigen uns auch alle mit denen wir sprechen.

Ein Mitbewerber um das beste Konzept, nämlich die HBK, hat bereits Ideen und Pläne für das Filmhaus vorgestellt. Hier soll ein Medienlabor entstehen. Wie stehst Du dazu?
Soweit ich das verstanden habe ist das bisher nur ein Gedankenspiel einer Arbeitsgruppe rund um die HBK. Das komplette Konzept kenne ich nicht. Über die Idee eines „Medienlabors“ kann ich nicht viel sagen, da ich mich damit nicht befasst habe. Auch wenn es für Saarbrücken eine Bereicherung im Digitalen Zeitalter darstellt, halt ich das Filmhaus dafür für sehr ungeeignet. Dazu muss man kein schönes Kino zerstören, dafür reicht m. E. ein große Halle. Leerstand gibt es dafür in Saarbrücken genug. Warum will man für diese Konzept Kulturbestand umwandeln?

Wie werden die verschiedenen Initiativen in der Öffentlichkeit und der Politik nach deiner Einschätzung aufgenommen. Anders gefragt, ist ein Fortbestand des Filmhaus überhaupt gewollt?
Inzwischen gab es da wohl den notwendigen politischen Druck (nach dem öffentlichen). Von einer „Schließung“ will plötzlich auch niemand mehr etwas wissen und gesprochen haben. Es war wohl eine Überraschung, dass es so ein großes Interesse gibt den Standort zu erhalten, nachdem jahrelang niemand nach dem Filmhaus gefragt hat. Die Stadt will das Filmhaus weiterhin betreiben und spricht mit allen Interessenten und mit allen Beteiligten. Das ist ein gutes Zeichen. Ob es der Stadt dabei um das Filmhaus oder um ihr eigenes Image als Kulturstandort Saarbrücken geht wird sich zeigen. Bei den bisherigen Konzepten der Stadt kam das Filmhaus eher schlecht weg.

Interview: Markus Brixius Bild: Privat

Information!
Pressekonferenz im Kunstwerk, Saarbrücken, Montag, 21. November, 19 Uhr

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