Skopje/Mazedonien

Hauptstadt und Hotspot

Das südliche Balkanland Mazedonien hat sich offiziell in Nordmazedonien umbenannt. Die Umbenennung trat am Dienstag, 12. Februar 2019 in Kraft. Mit der Umbenennung ist der Namensstreit mit Griechenland endgültig beigelegt. Griechenland hatte seit der Unabhängigkeit Mazedoniens 1991 darauf bestanden, weil eine Region in Norden Griechenlands ebenso heißt. Somit ist auch die Aufnahme Nordmazedoniens zur Nato eingeleitet worden, nachdem Griechenland sein Veto zurückgezogen hat. Jetzt sollen auch die EU-Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien forciert werden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und wer das ursprüngliche Nordmazedonien erleben will, sollte dies noch vor dem EU-Beitritt bereisen. Flüge gibt es von zahlreichen deutschen Flughäfen, selbstverständlich auch zahlreiche internationale Busverbindungen. Das knapp 550.000 Einwohner zählende Skopje ist die Hauptstadt der Republik Nordmazedonien und stand in der Vergangenheit unter römischer, byzantinischer und osmanischer Herrschaft. Da es für Skopje und Nordmazedonien derzeit noch kein offizielles Fremdenverkehrsamt gibt, empfehle ich neben dem Reiseführer „Mazedonien“ (Philine von Oppeln, Trescher Verlag) vor allem das am internationalen Flughafen erhältliche Magazin „Skopje inyourpocket“, dessen Inhalt und Webseite via www.inyourpocket.com ausführlich über Sightseeing, Restaurants, Cafés, Nightlife und Hotels (internationale Ketten wie Marriott und Best Western Hotel Turist (mit freundlicher Rezeptionistin Julijana), lokale wie Hotel Aen und Hotel Elsa, Hostels und Pensionen) informiert. Desweiteren die ähnlich strukturierte Webseite www.visitskopje.mk deren Betreiber, Medienschaffende und Unternehmer wie Mastermind Sinisa Pekevski (NGO Concept plus), Vlatko Koshevaliski (DNA Communications) und Nenad Fidanovski (Global Net) ich persönlich kennengelernt habe und die mich freundlicherweise zum Mittagessen in das Restaurant Barik einluden.

In Skopje gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, allen voran die Festung Kale und die Steinbrücke. Die Festung Kale mit Blick über den Fluss diente jahrhundertelang der Verteidigung der Stadt und wird hoffentlich in den nächsten Jahren weiter renoviert werden.

Die im 15. Jahrhundert errichtete Steinbogenbrücke (daneben gibt es Augenbrücke und Kunstbrücke) verbindet den am Nordufer der Vardar gelegenen Alten Basar (Čaršija) aus osmanischer Zeit mit dem modernen Hauptplatz im Süden. Ziel der Fußgängerbrücke ist auch die Verbindung der dort lebenden Bürger (Mazedonier, Albaner, Türken, Roma), ihrer Kulturen Ethnien. In und um den Alten Basar, dem pulsierenden Herz der Altstadt, herrscht die osmanische Architektur vor, die nach dem verheerenden Erdbeben von 1963 beständig aufgebaut wurde. Moscheen, Hammams und Karawansereien: Attraktionen sind Gasthöfe wie der Suli An, Bäder wie das Cifte Hammam, der Uhrenturm und die Mustafa Pascha Moschee. Das neue Zentrum: Zwischen 2008 und 2014 wurde von der damaligen Regierung eine Vielzahl an Monumenten (mehrheitlich „ethnisch-mazedonische Helden“ wie Skanderberg) und größtenteils historisierende Gebäude errichtet. Neben einer 22 Meter hohen Statue Alexander des Großen und der größten mazedonisch-orthodoxen Kirche am Hauptplatz, sind auch neue Gebäude für das Außenministerium, das Mazedonische Staatsarchiv und weitere öffentliche Einrichtungen unter Protest errichtet worden. Skopje ist kulturelles Zentrum Nordmazedoniens. Hier befinden sich die landesweit größten Museen, Opern, Theaterhäuser und andere kulturelle Einrichtungen. Dazu gehören das sehenswerte Gedenkhaus der hier geborenen Mutter Teresa (2009 eröffent), das Museum von Nordmazedonien und das Museum der Stadt Skopje, das Museum des nordmazedonischen Freiheitskampfes und das Holocaust-Gedenkzentrum der Juden in Nordmazedonien.

Ein Besuch der zahlreichen (Antiquitäten-)Geschäfte im Alten Basar inklusive der angrenzenden Märkte Bit Pazar und Bunjakovec Bazar darf man nicht verpassen. Kulinarisches kommt hier ganz sicher nicht zu kurz, die Devise lautet ‚Multikulti‘. Lahmacun, Kebab, Börek oder Cevapcici sollte man kosten, die süße Nachspeise Lokum geniessen oder einfach einen türkischen Tee oder Mokka in einem der zahlreichen bistroartigen Cafés (auf dem Balkan: Kafanas) trinken. Als absolute Sehenswürdigkeit in Sachen Gastronomie hat sich der populäre Stadtteil Debar Maalo entwickelt. In diesem neuen Szene-Viertel unweit von Stadion und Stadtpark entfernt, befinden sich zahlreiche angesagte Cafés (u.a. Café Old School) Restaurants, Bars und Clubs (u.a. Sektor 909). Meine vier Empfehlungen, wenn man nur für ein Wochenende oder Kurz-Tripp in Skopje ist: Die Pastericcia Dolce nahe der Steinbogenbrücke. Dann die Gostilnica Barik (www.barik.mk), ein kreatives Restaurant, dessen bodenständige Speisekarte mit seinen deftigen Fleischgerichten und vegetarischen Angeboten vollauf überzeugt. Weiterhin das günstige Restaurant Destan im Alten Basar, wo man seit 1913 einfach und authentisch Kebab und Ähnliches geniessen kann. Sowie die Kafana Debar Maalo das angesagte In-Restaurant der Familie Vasovski. Die traditionellen Gerichte (u.a. Tavce Gravce-gebratene Bohnen, Gjomleze-Krustenpastete, Schaschlik) auf der Außenterrasse oder im rustikalen Innenbereich sind umwerfend, die feierlustige Gastfreundschaft von Vater Zlatko, Sohn Andrej und dem Rest der Familie atemberaubend. Da blieb es beim Probieren nicht bei einem typischen Mastika-Schnaps bzw. Rakija. Und auch hier wurde mir abschließend das baldige Wiederkommen sehr ans Herz gelegt.

Text und Bild: Frank Keil