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Wolfgang Niedecken – Vom Karnevalsimage befreit

Published On Januar 14, 2018 | By redaktion | Magazin

Wolfgang Niedecken hat in seinen 66 Jahren viel erlebt. Wenn er zurückblickt, ist er zufrieden und glücklich. Diesen Eindruck vermittelte er zumindest im Interview, das wir dem Kölsche Jung führten.

Udo Jürgens sang einst „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“… Trifft dies bei Wolfgang Niedecken ebenfalls zu?
(lacht) Ich habe es eher mit der „Route 66“. Udo Jürgens war ein geschätzter Kollege, aber dass das Leben mit 66 Jahren erst anfängt, kann ich nicht bestätigen. Das war wohl eher tröstend gemeint. Ich habe vorher eine Menge erlebt und bin mit meinem Leben bis hierhin wirklich sehr, sehr zufrieden. Es ist ein Privileg, so leben zu dürfen. Ich habe vom Studium an nur Sachen gemacht, die ich gerne tue. Ich hatte Kunst studiert und war sehr glücklich, als ich endlich das tun durfte, was mir Spaß macht und bin dann nochmal zurück zur Musik gekommen, von der ich mich eigentlich schon verabschiedet hatte. Wie fast alle, die in den 60er Jahren ihre Jugend verbracht hatten, habe ich in etlichen Bands gespielt. Ich hörte dann fürs Studium damit auf, um danach dann doch nochmal dort zu landen. Das mache ich nun seit 41 Jahren und bin sehr glücklich damit.

Wie viel haben Sie zum Verständnis des Kölschen Dialekts außerhalb von NRW beigetragen?
(lacht) Ich glaube, wir haben mit BAP vor allen Dingen gezeigt, dass Kölsch nicht immer unbedingt etwas mit Karneval zu tun hat. Kölsch ist bekanntlich eine gelebte Sprache, die – wie alle Dialekte – vom Aussterben bedroht ist. Wir versuchen mit unserer Band, diesen Prozess etwas aufzuhalten, und erreichen nebenbei vielleicht auch, dass die Leute in Köln und Umgebung, ihre Sprache wertschätzen. Und das tun sie mittlerweile. Selbst Leute, die nicht mehr mit Kölsch aufgewachsen sind, wissen zu schätzen, dass sie diesen wundervollen Dialekt vor der Haustür haben, sofern sie ihn wahrnehmen. Das ist doch schon mal etwas.

Ich kenne Menschen, die ihren Heimatdialekt bewusst meiden. Können Sie so etwas verstehen?
Dialekte gehen oft mit Vorurteilen einher. Sobald einer Sächsisch spricht, hat man die verspießerten DDR-Bonzen vor dem geistigen Auge. Die sind nicht sonderlich sympathisch gewesen, und daher verbindet sich das Sächsische mit einem solchen Bild. Das ist natürlich nicht gerecht. Ich kenne sehr viele nette Sachsen, zwei spielen sogar bei BAP, und ich mag deren Dialekt. Die Vorurteile werden zwar nicht bei mir, aber bei manchen anderen losgetriggert. Wenn eine Band auf Sächsisch singen würde, wäre das im Rest der Republik wohl eher ein Lacherfolg. Das ist natürlich bitter. Vielleicht sollte es mal eine Band probieren. BAP haben es ja auch geschafft, das Kölsche vom Karnevalsimage zu befreien. Warum sollte das nicht mit Sächsisch gelingen? Aber vielleicht kann man beide Dialekte auch nicht direkt miteinander vergleichen… Und was lernen wir daraus? Vorurteile sind immer schlecht!

Text: Peter Parker
Bild: Tina Niedecken

Information!
Arena, Trier, Donnerstag, 31. Mai, ab 19 Uhr
www.bap.de, www.poppconcerts.de

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