Bernd Begemann – Mod-Musik ist die beste

Der 57jährige Hamburger Komponist, Sänger und Gitarrist Bernd Begemann ist ein Allround-Entertainer. Mit seiner ersten Band Die Antwort nahm er die sogenannte ´Hamburger Schule´ bereits in den späten 1980er Jahren vorweg. Das große Lob was Bernd für seine Alben erhält (Solo, Duo, mit Band Die Befreiung) lässt sich Eins-zu-eins auf seine Konzerte übertragen. Zwei bis drei Stunden spielt er immer. Singt. Erzählt. Begeistert. Das Booking (Amadis) läuft immer und ganzjährig.  Bernd spielt im Theater, im Club, Open Air, in der Bar nebenan oder auch gern auf Deiner Hochzeit. Und kommt solo ins Saarland nach Neunkirchen, wo er Ende September das Herbstprogramm der Stummschen Reithalle mit seinem Auftritt eröffnet.

Du bist 1962 in Braunschweig als Kay Stefan Rönnau geboren und wurdest mit drei Monaten nach Bad Salzuflen adoptiert. Später hast Du Dich mit Unterstützung Deiner Adoptiveltern auf die Suche nach Deinen leiblichen Eltern gemacht. Hattest Du damit Erfolg?

Meine leibliche Mutter heißt Antje Rönnau und ist nach Kanada gezogen, mehr konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Wenn jemand mehr sagen kann, bin ich nach wie vor für jede Nachricht dankbar. Ganz wichtig ist es mir aber zu sagen, dass ich mit meinen Pflegeeltern gesegnet war und sich niemand bessere Eltern hätte wünschen können. Und manche Dinge bleiben möglicherweise für immer unaufgelöst.

Immer mehr Kulturschaffende kommen derzeit aufgrund der Covid-19-Bestimmungen in Existenznot. Die Regeln kann man je nach Lebenslage unterschiedlich bewerten. Wie ist Deine Einschätzung?

Der Schutz der Gesundheit, besonders von älteren Menschen, ist unerlässlich. Und ich mache mir Sorgen, wenn immer mehr jüngere Menschen ohne sich an Regeln zu halten, öffentlich Partys feiern. Und ich sorge mich um meine 14jährige Tochter, wie es für sie nach den Sommerferien in der Schule weitergeht. Trotzdem freue ich mich, nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht, dass ich in den nächsten Monaten zahlreiche Shows solo und mit Band spielen kann. Immer vorausgesetzt, die Corona-Infektionslage lässt die Veranstaltungen zu.

Mit Deiner Tochter hast Du das Duett „Wir sind die KickBees“ aufgenommen. Um was geht es denn da thematisch?

Sie hat damals Fußball gespielt und es war ein Titel für ihren Verein. Für den Sampler „Unter meinem Bett“ haben wir zwei weitere Titel eigespielt. Im Rahmen von Kindermusik stehe ich auch schon ab und an mal mit ihr auf der Bühne. Sie hat auch schon beim Dockville-Festival in Hamburg ein Praktikum absolviert.

Deine erste Band, Die Antwort genießt Kultcharakter, wurde 1985 gegründet, mehrfach aufgelöst und dann doch wieder ins musikalische Leben gerufen. Zwischen 1987 und 1998 erschienen fünf Alben. Hast Du heute noch Kontakt zu den ehemaligen Bandmitgliedern?

Songs der Alben spiele ich ja immer mal wieder in meinem Set und der damalige Bassist Thomas Kosinar hat auch schon bei Die Befreiung ausgeholfen, wenn Ben Schadow nicht auftreten konnte.

Deine Diskographie ist unwahrscheinlich umfangreich. Zuletzt erschien 2018 das Album „Die Stadt & das Mädchen“, auf dem Du von Die Befreiung-Keyboarder Kai Dorenkamp am Klavier begleitet wurdest. Wie sieht es mit neuem Band-Output aus?

Diese Duo-Aufnahmen waren sehr aufwendig und haben viel Zeit und Energie gekostet, trotz des minimalistischen Konzepts. Es ging dabei um die Verbindung zwischen Pop und Volkslied-Tradition. Die CD erschien auf pop up records, wo wir auch mit Die Befreiung 2015 unser bis dato letztes Album „Eine kurze Liste mit Forderungen“ veröffentlicht haben. Nach vielen Label-Wechseln, vor allem nach Major-Enttäuschungen, haben wir mit der Booking-Agentur Amadis und dem Label pop up records perfekte Partner, auch für eine neue, bald anstehende Band-Veröffentlichung gefunden. Es wird dann die insgesamt 29zigste CD sein.

Bei so vielen Songs, die im Laufe von mehr als 35 Jahren entstanden sind, braucht es da gut Organisation, um perfekt durch einen mehr als zweistündigen Soloabend zu kommen?

Ich mache mir eigentlich nie eine Setliste, aber eine Spick-Zettelliste mit 400-500 Liedern liegt am Boden, auf die ich ab und an schaue, wenn ich Anregungen brauche. Ansonsten erfinde ich den jeweiligen Abend immer wieder mit den Anwesenden neu.

Stichwort Bundesvision Song Contest. 2010 hatte ihn Peter Fox nach Berlin geholt, für Niedersachsen hast Du zusammen mit Dirk Darmstaedter relativ schlecht abgeschnitten. Sieger wurden damals Unheilig.

Danke, das ist schmeichelhaft ausgedrückt. Wir wurden mit „So geht das jede Nacht“ einem Freddy Quinn-Cover aus dem Jahr 1956 letzte und belegten den 16. Platz. Wir waren engagiert, aber irgendwie war es ein Fehler dort mit einem Oldie aufzutreten, wo es doch um zeitgenössischen Pop ging. Ansonsten war dieser Showabend gemäß dem Praktikanten-Zeitalter eher eine Ausbeuter-Veranstaltung.

Wie sieht es aktuell mit Deiner TV-Kariere aus, die bis 2010 aus zahlreichen Fernseh-Auftritten, Film-Gastauftritten und Doku-Teilnahmen durchaus für Aufmerksamkeit bei Fans und Medien sorgte?

Es war niemals als zweite Karriere gedacht, ich habe es auch nicht mit Nachdruck verfolgt. Ich ziehe dem TV-Auftritt das Live-Konzert immer vor. Mit 57 Jahren und moppeliger Figur bin ich auch nicht mehr so fotogen…

Das Publikum wird Dich auch im Saarland wie gewohnt im Anzug auf der Bühne sehen. Gehört das zu Deinem allumfassenden Musikverständnis dazu?

Brilliant erkannt, ich bin ja so eine Art Möchtegern-Mod, war aber nie so übertrieben stilecht orientiert. Aber die Mod-Musik ist rückblickend immer noch die beste, siehe die Kinks.

Text: Frank Keil. Bild: PR

bernd-begemann.de