Fashion oder Fußball? – Über Klischees

Published On September 1, 2009 | By redaktion | Queer

„Isch hann mir gleich gedenkt, dass du annersch bischt. Du bischt immer so gutt angezoh, hasch die Hoor so modisch unn warsch schunn immer so liewer Kerl. Koche kannschte jo ach!“ So oder so ähnlich reagierte eine Freundin meiner Tante auf die Tatsache, dass ich schwul bin. Diese – von ihr natürlich positiv gemeinten – Ausführungen geben mir zu denken. Natürlich treffen alle diese Attribute auf mich zu aber macht mich das sofort als Schulen erkennbar? Und was sagt das im Umkehrschluss über Heteromänner aus? Sind Schwule immer schick und kultiviert und Heten rustikale Rowdies?
Viele meiner schwulen Bekanten sehen die Küche nur von innen, um sich ein kühles Bier zu holen und kleiden sich völlig unbeeindruckt von jeglicher Farbenlehre. Manche lassen zwischen ihren Friseurbesuchen derart lange Pausen, dass ihr Schopf jeden Yeti-look-a-like Wettbewerb für sich entscheiden könnte. Vermeintliche Kennerinnen und Kenner der schwulen Subkultur wissen natürlich Untergruppen auszumachen: Modehuschen, Lederkerle, Bären, Politschwestern und Kulturschwule! Angenommen ich nehme das Auswahlsystem der eingangs erwähnten Freundin meiner Tante, um männliche Homosexuelle zu erkennen. Dann stellt sich die Frage wie Posh Spice ihren Mann kennen gelernt, geschweige denn ins Bett und vor den Altar bekommen hat. David Beckham spielt zwar lieber (und vermutlich auch besser) Fußball als er kocht, aber er ist definitiv ein Trendsetter in Sachen Mode und Körperkult. Nachahmer findet er sowohl bei Frauen als auch bei Männerliebhabern. Und wo in der Logik der Freundin meiner Tante finden wir Klaus Wowereit und Guido Westerwelle? Mit wem verkürzen sich Carsten Spengemann und Brad Pitt die Nächte?
Die Sache mit dem Erkennen ist doch komplizierter als sie anfangs zu sein schien. So wie die Völker dieser Erde sich vermischen und fremde Traditionen adaptieren, so ist die schwule Subkultur gar nicht mehr so „sub“: Heteros tragen Dolce und Gabana und Schwule spielen Fußball.
Nachdem ich jetzt klarstellen konnte, dass Klischees nur Klischees sind und wenig mit der Realität zu tun haben, werde ich meine Prada-Sonnenbrille aufsetzen und bei einem Gläschen Cremant mit Aperol vor der Madame die Gala lesen. It’s so great to be gay!

Text und Bild: Daniel Schwan

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