FCS-Fan und – Experte Carsten Pilger – Keine unkritische Liebe

Der Saarlouiser Carsten Pilger, 26 Jahre, ist seit der Klaus Toppmöller-Ära Fan des FCS und seit 2003 regelmäßiger Stadionbesucher. Er betreibt das FCSBlog 2.0 (dasfcsblog.wordpress.com) und schreibt aktuell an einem Buch über seinen Lieblingsverein.

Wenn Sie an den FCS denken, was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?

Das Gefühl, das ich jedes Mal habe, wenn ich im Zug nach Saarbrücken sitze und dann kurz vor der Ankunft die Flutlichter des Ludwigsparks sehe. Auf einmal ist alles wieder vertraut, auch wenn ich vorher vielleicht mal einige Monate aufgrund des Studiums nicht im Saarland war.

Sie schreiben für den Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf das Buch „111 Gründe, den 1. FC Saarbrücken zu lieben“. Sie als FCS-Fan und regelmäßiger FCS-Blogger sind sicherlich ein geeigneter Kandidat für diese Aufgabe. Haben Sie dennoch Angst vor der großen Anzahl an Gründen?

Von vielen Bekannten gab es hämische Kommentare, wie ich bitte 111 Gründe finden soll. Auch von FCS-Fans. Die Zahl an sich fürchte ich überhaupt nicht. Viel eher die Gewichtung und Zusammenstellung einzelner Anekdoten, Ereignisse, Spieler und Dinge rund um den Verein. Das wird keine leichte Auswahl. Angst habe ich nur vor dem Satz, der am Ende von Lesern kommen wird: „Das hier hast du aber vergessen!“

Was ist Ihre schönste bzw. unvergesslichste FCS-Anekdote?

Mein erster Besuch auf dem Trainingsgelände. In einem Fußballsommercamp gab es 2001 eine Trainingseinheit mit den Blau-Schwarzen, damals trainiert von Thomas von Heesen. Der Bus war spät dran, aber wir haben mit den Profis auf kleinen Feldern zusammengespielt. Ich stand im Tor, und der damalige Neuzugang Bernd Maier überwand mich mit einem Eigentor. Da hätte ich schon wissen müssen, dass wir am Saisonende absteigen würden…

Ist Ihre Liebe zum FCS auch eine Hassliebe?

Wie bei jedem FCS-Fan, der mit Leidenschaft bei der Sache ist. Die unkritische Liebe liegt mir nicht so.

Fragen Sie sich manchmal, warum es der FCS seinen Fans so schwer macht? Warum müssen immer wieder Skandale und unsägliche Diskussionen das Verhältnis zwischen Verein und Fan belasten?

Meiner Meinung nach wählen sowohl Verein als auch Fans oft den bequemen Weg und glauben lieber ihren Vorurteilen über die jeweils andere Gruppe. So entstehen Gerüchte, denen komischerweise beide Gruppen oft zu viel Gewichtung beimessen. Mein Wunsch wäre es, dass auch die öfters miteinander reden, die überhaupt nicht miteinander können.

Wie sehr sehnen Sie den Um- bzw. Neubau des Ludwigsparks herbei?

Nicht so sehr, wie vielleicht andere. Ich mag, dass der Ludwigspark nicht aussieht wie jeder zweite lieblose Neubau unter den deutschen Stadien. Aber es wäre schon notwendig, dass das Stadion modernisiert wird. Wer das nicht glaubt, darf bitte einmal die sanitären Anlagen im E-Block benutzen oder vom dortigen Block aus bei Dauerregen ein Spiel verfolgen.

Sie werden in Kürze aus beruflichen Gründen das Saarland für zwei Jahre verlassen. Fällt es Ihnen schwer, so weit vom FCS weg zu ziehen?

Nicht ganz so schwer, da ich gerade ein Jahr in Frankreich war und das Ohne-FCS-Sein bereits kenne. Zuletzt hatte ich in Paris mit dem Red Star FC immerhin einen kleinen Ersatz. Aber in Deutschland gibt es für mich nur Saarbrücken!

Glauben Sie, der FCS schafft es irgendwann doch mal wieder in die 2. Liga?

Wenn der Fußballgott Sadist ist, lässt er den FCS genau jetzt doppelt aufsteigen, wo ich zwei Jahre lang die meisten Spiele verpasse.

Sie sind nicht nur ein schreibender Fan und Kritiker des FCS, Sie sind auch LEGO-Fan und lichten gerne an öffentlichen Plätzen LEGO-Figuren ab – auch mal eine FCS-Figur. Wie kam es dazu?

Das ging als Spaß los – auf einer Geburtstagsfeier mit Freunden aus dem Studium. Da ich nicht wenige LEGO-Figuren habe, mache ich gerne Fotos an bekannten – und unbekannten – Plätzen. Oder ich schenke Freunden Figuren, die wie sie aussehen. Vermutlich war mir der FCS als Hobby nicht seltsam und verschroben genug. kfb

Text: Kai Florian Becker Foto: Andreas Schlichter