KISS

Rock-Ikonen auf Abschiedstournee

KISS-Fans weltweit hatten es befürchtet, seit Winter 2018 ist es offiziell. Die legendären US-Rock-Giganten KISS gehen unter dem Motto „End Of The Road World Tour 2019“ auf ihre „The Final Tour Ever“. Im Zuge ihrer mehr als zweijährigen Welttournee kommt das 1973 gegründete Quartett, bestehend aus den Gründungsmitgliedern Paul Stanley (Gesang/Rhythmusgitarre, The Starchild) und Gene Simmons (Gesang/Bass, The Demon) sowie unserem Interviewpartner Tommy Thayer (Leadgitarre/Gesang, The Spaceman) und Eric Singer (Schlagzeug/Gesang, The Catman) zwischen Mai und Juli für sechs explosive Shows auf die Open Air-Bühnen Deutschlands zurück. Die Band ist für ihre atemberaubenden Auftritte bekannt. Als Mitglied der Rock & Roll Hall Of Fame mit weltweit über 100 Millionen verkaufter Alben haben KISS verkündet, dass diese Tour den Millionen von KISS-Army-Fans gewidmet sei.

Tommy, Du bist 1960 in Portland geboren, KISS wurden 1973 in New York gegründet. Wann bist Du zum ersten Mal auf die Band aufmerksam geworden?
Ich hatte 1974, noch bevor das erste Studioalbum „KISS“ erschien, im populären Rockmagazin Circus ein Feature über sie gesehen. Die Fotos haben mich umgehauen, die Kostüme, Plateaustiefel und die festgelegten Schminkmasken, damit sorgten sie für Aufmerksamkeit. Die Platte habe ich dann von meinen Eltern zu Weihnachten 1974 bekommen und Stücke wie mein Favorit „Black Diamond“ haben mich umgehauen.

Du warst vor vor Deinem Einstieg als KISS-Gitarrist 2002 bereits ein erfolgreicher Musiker. Was gibt es Wissenswertes über Deinen musikalischen Werdegang zu berichten?
Als Kind habe ich nur Luftgitarre gespielt, mit 14 Jahren dann Gitarre gelernt. Ja, ich habe in einigen Gruppen gespielt, die bekanntesten waren Movie Star und Black ´n Blue, mit denen wir vier Alben auf Geffen Records veröffentlicht haben. Danach spielte ich kurz bei Harlow und American Man und habe mit der deutschen Queen Of Metal, Doro Pesch, an ihrem Album „Doro“ gearbeitet, dass Gene Simmons in Los Angeles produzierte. Nach einem Gastspiel bei The Marx Brothers wurde ich Mitglied der KISS-Tribute-Band Cold Gin. Mit Cold Gin spielten wir auf einer Geburtstagsparty von Paul Stanley, der mir wenig später anbot, als persönlicher Assistent für ihn zu arbeiten, woraus ein Job als Tourneemanager für KISS wurde. Und als Ace Frehley 2002 bei KISS ausstieg, wurde ich The Spaceman. Mein erster Auftritt mit KISS war auf einer privaten Feier auf Jamaika, es war einfach nur großartig und ein Traum wurde wahr.

Kiss Foto: Jen Rosenstein

Nach über 45 Jahren Karriere kommt nun das offizielle Ende von KISS. Eine Entscheidung der ganzen Band, oder von den beiden verbliebenen Gründungsmitgliedern Paul Stanley und Gene Simmons?
Diese Entscheidung haben Paul und Gene getroffen. Noch haben sie genug Energie für die kräftezehrenden Auftritte in den Kostümen und sie wollen auf dem Höhepunkt gehen. Die Abschiedstournee wir ja zudem mindestens 150 Auftritten in der ganzen Welt umfassen, das wird mit Sicherheit zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Und die Shows werden die besten und spektakulärsten, die wir je gespielt haben, es ist viel Technik mit dabei. KISS als Wirtschaftsunternehmen wird es also noch einige Jahre geben, schon alleine wegen dem riesigen Back-Katalog.

Im Gegensatz zu anderen, weltweit erfolgreichen Rockbands, haben KISS live nie enttäuscht. Der Hit-Faktor bei ihrem Mix aus Glam Rock, Hard Rock und Heavy Metal war immer schon immens hoch, alle der Shows die ich über die Jahre hinweg gesehen habe eine Art Best Of. Welche der zahlreichen Hits gehören zu Deinen Favoriten, welche Top Drei hast Du persönlich?
Ja, auch bei der „End OF The Road World Tour 2019“ wird die Setliste aus mehr als 20 Titeln bestehen und wir werden sicher bis zu zwei Stunden spielen. Das mit den Favoriten ist gar nicht so einfach, aber die ersten Platten aus den 1970er Jahren sind es definitiv. Und damit Titel wie „Black Diamond“, „Deuce“ und „Hotter Than Hell“.

Gene Simmons wurde 19949 in Haifa, Israel geboren, wuchs nach Emigration seiner Familie in den USA auf. KISS sollen auf der Abschiedstournee zum ersten Mal überhaupt in Israel spielen. Erwarten Sie dort ganz besondere Momente?
Überall dort, wo wir noch nicht aufgetreten sind, erwarten uns besondere Momente. Die Shows in Israel wurden allerdings noch nicht final bestätigt. Für mich persönlich ist es nach wie vor das Tollste mit der Band zu reisen und neue Orte und Menschen zu sehen und zu treffen.

Musiker, Produzent, Manager, Du hast Dich auf vielen Gebieten erfolgreich bewiesen. Gibt es schon Pläne für die Zeit nach KISS, Du wirst in diesem November ja auch schon 59 Jahre alt.
Ich wache derzeit jeden Morgen auf und erfreue mich daran, dass ich mit der größten Band der Welt auf Abschiedstournee gehen darf. An alles andere denke ich momentan nicht. Also frage mich danach am besten in einem oder zwei Jahren.

Als Gitarrist bei KISS stehst Du oft im Rampenlicht. Aber es gibt auch den privaten Tommy Thayer. Wie ist der so?
Ich mag es mit Leuten und Freunden zusammen zu sein, guten Wein, gutes Essen, gute Gesellschaft zu genießen. Ich will die Welt um mich herum entdecken und bleibe daher auch auf Tournee nicht im Hotelzimmer. Und das macht mich für lange Zeit glücklich.

Rennbahn, Iffezheim/Baden-Baden
Samstag, 06. Juli, 20.00 Uhr
www.kissonline.com

Text: Frank Keil
Bild: PR