Boris Röder

Saarland Hurricanes-Präsident Boris Röder – „Jeder wird gebraucht!“

Seit letztem Jahr ist Boris Röder Präsident der Saarland Hurricanes. Wir sprachen mit ihm anlässlich des Saisonstarts für die Damen- und Herrenmannschaften in diesem Monat über die Vereinsarbeit unter Corona und den Ausblick auf die anstehende Saison.

Was macht für Sie persönlich die Faszination am American Football aus? Und seit wann?

Das erste Mal habe ich American Football Mitte der 80er auf einer Klassenfahrt in München gesehen. American Football ist ein strategisches Spiel um Raumgewinn, bei dem der Teamgedanke ganz weit vorne steht. Jeder wird gebraucht, jede Position ist wichtig. Da sehe ich die Faszination.

Im April 2020 trat Markus Mayer überraschend als Präsident der Saarland Hurricanes zurück. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im August wurden Sie zum neuen Präsidenten gewählt. Wann reifte in Ihnen der Entschluss, für diese Position Ihren Hut in den Ring zu werfen?

Ich war seit 2015 im Aufsichtsrat und habe die Entscheidungen der letzten Jahre so mit begleitet. Die Anforderungen an einen Verein mit Ambitionen im American Football sind die letzten Jahre enorm gestiegen. Der daraus folgende notwendige Umbruch, welcher von Markus begonnen wurde, aber leider wegen seiner persönlichen und unternehmerischen Situation nicht zu Ende geführt werden konnte, musste weiter vollzogen werden. Somit habe ich mich zur Verfügung gestellt. Es geht immer um den Verein und nicht um die Ämter.

Profitieren Sie als Präsident von den Erfahrungen in Ihrem Hauptberuf als Leiter der Unternehmenskommunikation bei der URSAPHARM Arzneimittel GmbH sowie als ehemaliger Pressesprecher der SV Elversberg?

Selbstverständlich, alle Erfahrungen im Leben bringen einen weiter. Es ist wichtig, im richtigen Moment die richtigen Schlüsse aus dem Erlebten zu ziehen.

Wie hat Ihr Verein bisher die Corona-Pandemie erlebt: Was haben Sie versucht, um Ihre Spielerinnen und Spieler bei der Stange bzw. bei Laune und ihre Fitness auf einem hohen Niveau zu halten?

Seit Beginn der Pandemie versuchen wir die Perspektive einzunehmen, die das Wasserglas immer möglichst voll erscheinen lässt. Die größte Hilfe in dieser Zeit war erstens das unglaubliche Wir-Gefühl im Verein. Wir haben mit dem großartigen Engagement des gesamten Staffs ziemlich schnell Online-Trainings veranstaltet, die gut angenommen wurden.

Die zweite große Hilfe in dieser Zeit war unser eigener Platz. Aufgrund der Anerkennung des American Football vom DOSB durften dann auch relativ schnell unsere Bundesliga-Mannschaften wieder trainieren. Wir konnten 2020 sogar mehrere Spiele der LadyCanes und der U19 am Matzenberg unter Pandemiebedingungen durchführen.

Football , 2.Bundesliga , entscheidendes Heimspiel : Saarland Hurricanes (schwarz) empfangen im Neunkircher Ellenfeld am 05.05.2019 die Wiesbaden Phantoms (weiss) . Im Bild der Cane Keegan Lawrence und sein Gegner Cordarius Mann . Copyright: Andreas Schlichter

Anfang Mai fand das erste Trainingscamp in der neuen Saison statt. Headcoach Christos Lambropoulus konnte erstmals in voller Teamstärke trainieren. Wie zufrieden zeigte sich dieser danach? Sind Sie zuversichtlich im Hinblick auf die anstehende Saison?

Ich bin mir nicht sicher, ob ein zufriedener Trainer wünschenswert ist. Christos und der ganze Trainerstab sind mit Sicherheit erwartungsfroh und sehr zuversichtlich für die kommende Saison. Zufrieden ist man sicher, weil wir an unserem eigenen Platz solche Möglichkeiten haben. Richtige Zufriedenheit kann erst nach der Saison aufkommen, wenn die Ziele erreicht sind.

Wie sehr schmerzt der Abgang von Quarterback Alexander Haupert, der jahrelang eine tragende Säule Ihrer Mannschaft war?

Einerseits schmerzt es sehr. Alex ist ein Junge des Vereins und hat die Canes toll repräsentiert. Andererseits sind wir auch superstolz das ‚unser Junge‘ so begehrt ist.

Ein wichtiges Standbein eines jeden Vereins ist die Nachwuchsarbeit. Sehen sie in den U19- und U16-Mannschaften schon viele potenzielle Spieler für die erste Mannschaft?

So muss der Plan sein. Wir integrieren gerade etwa 15 Jungs von der U19 des letzten Jahres in der ersten Mannschaft.

Mit welchen Hoffnungen bzw. Erwartungen an die erste Mannschaft gehen Sie in die neue Saison? Mit den Stuttgart Scorpions kommt am ersten Spieltag (5. Juni) nicht gerade ein zu unterschätzender Gegner.

Wir spielen GFL1, da gibt es keine Gegner mehr, die man unterschätzen sollte. Auch 2021 wird unter den Pandemiebedingungen kein leichtes Jahr für uns alle werden. Wenn die Jungs von Verletzungen verschont bleiben, dann sollten wir auch 2022 in der GFL1 spielen.

Am 5. Juni startet auch die Saison der LadyCanes. Wie sehen Sie deren jüngsten Entwicklungen und deren Chance in der kommenden Runde?

Unsere Ladys kennen nur eine Richtung und die geht nach oben. Das zeigt ganz klar die Entwicklung der letzten Jahre. Ziel ist der Aufstieg in Liga 1.

Werden die Canes eines Tages auch mal im voll besetzten Ludwigspark aufspielen können, sprich sehen Sie, dass die Akzeptanz für American Football in Deutschland wächst?

American Football hat auf jeden Fall das Potenzial dazu und ist wohl die prosperierendste Sportart in Deutschland. Eine tolle Mischung aus Athletik, Strategie und Entertainment.

Text: Kai Florian Becker Bild: FotoSchlichter

saarland-hurricanes.com