Willy Astor

Jäger des verlorenen Satzes

Es ist wieder einmal soweit. Unter dem Motto „Jäger des verlorenen Satzes“ gibt es im April Neues vom Oral-Apostel Willy Astor zu sehen und zu hören. Nicht weiter verwunderlich also, dass viele seiner Tourneedaten 2019 bereits ausgebucht sind. Da lohnt sich vorher der Blick hinter die Kulissen, hinein in die Biografie des beliebten Münchner Entertainers.

Sie haben ja zunächst ganz herkömmlich eine Lehre als Werkzeugmacher und als Maschinenbautechniker abgeschlossen, aber parallel Gitarre zu spielen gelernt und ab Mitte der 1980er Jahre erste Bühnenerfahrung gesammelt. Ab wann konnten Sie als Künstler Ihren Lebensunterhalt bestreiten?

Nach ungefähr fünf Jahren, so ab Beginn der 1990er Jahre, vor allem durch meine ersten erfolgreichen Kabarett-Nummern. Ich habe immer die Veranlagung gespürt als Komödiant zu arbeiten, da hat mich auch meine Familie geprägt. Und mein Schlüsselerlebnis der Kunst treu zu bleiben hatte ich bereits als 16jähriger beim Gitarrenunterricht. Die Gitarre ist bis heute mein wichtigster Wegbegleiter in guten wie in schlechten Tagen. Ich wollte raus aus dem scheinbar vorgezeichneten bürgerlichen Leben und meinem Dasein eine echte Sinnhaftigkeit geben. Ich hatte große Angst, im Strudel des Mittelmaßes zu versinken.

War dies ein nahtloser Übergang oder brauchte es Zeit um als Künstler beständig erfolgreich zu sein? Welches Ereignis/welches Programm markierte dabei ihren Durchbruch?

Ich hatte ja keine Ahnung von einem Leben auf der Bühne oder der Entwicklung eines Künstlers, aber einen Riecher hatte ich wahrscheinlich schon, dass das kein Zuckerschlecken wird. Als Kind einer Arbeiterfamilie war das aber kein eigentliches Problem und selbst Rückschläge mangels fehlendem Publikum in den ersten sechs Jahre haben mich nie zweifeln lassen, dass ich auf einem Holzweg wäre. Die Leute die da waren, fanden es ja immer lustig und Menschen glücklich nachhause gehen zu sehen, machte mich ja auch glücklich.

Inwiefern haben ihnen Radio und TV dabei geholfen ihre Bekanntheit zu steigern? Mit der Comedy-Sendung „Die Feuchtgrubers“ haben Sie in den 1990er Jahren auf Antenne Bayern für Furore gesorgt. Haben sie jemals an eine Fortsetzung gedacht?

Die Feuchtgrubers, ja mei, da hatte ich einen guten Riecher, Victor Worms hat mich damals als Unterhaltungschef dazu ermuntert, eine Serie zu schreiben von einer Familie, die nach Cesenatico fährt, inklusive aller Klischees, die man da so kennt. Es wurde ein Riesenerfolg und nach 186 Folgen über neun Jahre war dann mal Schluss. Ich wollte aber dann ja auch wieder was Eigenes machen und meine Bühnenprogramme intensiver gestalten, insofern hat alles seine Zeit und ja, die Leute sprechen mich heute noch darauf an.

Willy Astor Foto: PR

Brauchen Sie die Abwechslung aus Kabarett, Musik und Literatur, um ihre Kreativität voll auszuleben? Gibt es dabei einen Schwerpunkt bzw. machen sie Unterschiede zwischen ihrer Arbeit als Kabarettist, Komponist und Musiker?

Öde wäre es, wenn ich nur ein Ding machen würde. Die Möglichkeit auch Seitenprojekte machen zu können, erfüllt mich. Lieder zu singen, mit Reinhard Mey als Vorbild, ist ja auch meine Basis. Es ist schön, die Menschen auch zum Nachdenken zu bewegen und als Gitarrist einen Comedy-Abend beenden zu können, die Leute nochmal zum Staunen zu bringen, das ist doch nicht so verkehrt. 40 Jahre Gitarre spielen und sich entwickeln hat halt dann doch seine Auswirkungen auf der Bühne.

2015 haben sie ihr 30jähriges Bühnenjubiläum gefeiert, wie und wo?

Das war großartig, ein Fest mit Gerhard Polt, Piet Klocke, meiner The Sound Of Islands-Band und…natürlich meinen treuen Fans im Münchner Circus Krone, dies bleibt unvergesslich.

2019 sind sie gleich mit vier unterschiedlichen Bühnenprogrammen auf Tour. Welche sind es?

„Jäger des verlorenen Satzes“ ist mein Programm als Lachbearbeiter und Silbenverdreher.

Mein Kinderprogramm „Kindischer Ozean“ hat die letzten Jahre für Furore gesorgt. Das sind wirklich schöne alberne Lieder für Kinder und junggebliebene Erwachsene. Zudem kommt dieses Jahr das Nachfolgealbum „Der Zoo ist kein logischer Garten“. Und ja, mein Liedermacherprojekt „Chance Songs“ und das Weltmusikprogramm „The Sound of Islands“ sind dieses Jahr ebenso am Start oder waren es schon. Also eine Menge Holz, aber abwechslungsreich.

Im Saarland präsentieren sie im April zweifach „Jäger des verlorenen Satzes“, ein neues Programm für Wortgeschrittene. Was verbirgt sich dahinter?

Also, als erstes muss ich sagen, dass die Sickingenstadt Landstuhl meine Lieblingsstadt in Deutschland ist und als Fan von Heinz Erhardt oder Ernst Jandl würden bei mir die Besucher auf ihre Kosten kommen. Schräge Gedichte, Lieder die den Kajal laufen lassen und viel dergleichen mehr, ein kurzweiliger Abend auch mit einigen Klassikern gespickt. Carolin Reiber würde sagen: Ein bunter Blumenstrauss beliebter Melodien.

Wie verbringt ein Willy Astor seine sicher knapp bemessene Freizeit, womit können sie perfekt Kraft für neue Projekte tanken?

Viel Sonne, viele Partys, jede Menge Girls und karibische Musik auf meiner Yacht, das macht den Kopf wieder frei. Und natürlich zwischendurch die Erziehung meiner drei kleinen Söhne, die gute Weltenbürger werden sollen.

PS: So ein Zufall, in unserem Dorf, wo ich wohne, habe ich auch einen Landstuhl.

Besten Dank für das informative Gespräch und Alles Gute für die kommende Tournee.

Text: Frank Keil


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