Ich bin nicht ganz sicher. Irgendwann letztes Jahr habe ich zwei Tickets gekauft. Für Dog Eat Dog und Life of Agony. Durchaus, ich habe beide Bands mehrfach gesehen. Aber das (für mich) bewegende daran ist, dass mein allererstes „größeres“ Konzert eben genau diese Kombination war. Spudmonsters, Dog Eat Dog und Life of Agony in Völklingen. 1994. Das ist achtundzwanzig Jahre her. DAS IST DREI JAHRE LÄNGER ALS MEINE FREUNDIN ALT IST! (Daher auch das zweite Ticket. Ich wollte, dass sie das mal sieht. Vom hören kennt sie die Bands ja eh.) Und André. André war auch dabei. Mit dem ich damals auch so ziemlich jedes Wochenende irgendeine Band gesehen hab.

Diese Zeit zwischen Anfang der 1990er und Anfang der 2000er war in Saarbrücken eigentlich ziemlich geil. Zumindest, was das musikalische angeht. Es gab jedes Wochenende mindestens ein Konzert in irgendeinem JUZ oder im Heaven, oder im Kühlhaus oder, oder, oder… Bands wir Sick of it All oder Slapshot oder Sheer Terror oder Madball oder Ignite… Alle. Sie waren alle da. Andauernd. Mindestens ein mal im Jahr. Von den ganzen lokalen Bands wie Unforeseen oder NNP oder Daily Riot mal abgesehen.

Ab Anfang zweitausend habe ich dann von Berufs wegen drei Jahre lang nahezu JEDES Festival in Deutschland und angrenzend mehrfach besucht. Motoerhead? mindestens 10 mal. Slayer? Live unfassbar… unspektakulär. Und als ich damit fertig war, wollte ich nie nie nie wieder auf ein Konzert. Ich hab direkt hinter der Hauptbühne auf RaR im Schlamm kampiert. Ich hab mit Lieberberg Tee getrunken und mit den Beatsteaks gegrillt. Tito & Tarantula haben ihren Tequila mit mir geteilt. Viel davon. Etc. Etc. Etc. Ich war durch mit dem Thema.

Aber manchmal – wirklich ganz selten – postet irgendein Veranstalter ein Line-Up, bei dem ich denke „Ja, das möchte ich sehen.“ Also 28 Jahre zurück: 1994 war ich 17. Die gesamte „SBHC“-Community war damals in der Herrmann-Neuberger-Halle in Völklingen zugegen. Es war ein geiles Konzert. Stagediving, Unmengen Bier und Musik. Musik so laut, dass ich drei Tage lang nahezu taub war. (Am Tag nach dem Konzert gab’s einen richtig fiesen Lautsprecheranpfiff vom Busfahrer, weil ich auf dem Discman so laut Musik gehört habe, dass der ganze Bus was davon hatte. Aber hey… Ich hab halt mal kaum was gehört!) Es war ein großartiges Konzert. So rückblickend. Vielleicht verklärt sich mit den Jahrzehnten auch ein wenig die Sicht der Dinge.

Und heute? Keith heisst heute Mina, Sean Kilkenny ist letztes Jahr gestorben und mein Bart (den ich 1994 nicht ansatzweise hatte) ist heute mehr grau als braun. Die Location ist – abgesehen von ein paar Kindern, die von ihren Eltern zu diesem Event „hingezwungen“ wurden – gut gefüllt mit Menschen „in meinem Alter“. Alle zwischen Ende 30 und Anfang 50. Es ist stickig, Luftfeuchtigkeit bei ca. 148%, es riecht nach Bier und Schweiss.

Während bei Additional Time noch gediegene Zurückhaltung herrscht, kommen spätestens bei Dog Eat Dog die alten Knochen in Fahrt und der Pogopit füllt sich. Drei, vier ganz Verwegene versuchen sich sogar beim Stagediving von der knapp 40 Zentimeter hohen Bühne. Alle sind Textsicher. Alle fühlen sich ein bisschen wir früher. Damals. Anfang der 90er.

Und die Bands? Die altern in Würde. (Von Additional Time mal abgesehen. Die sind noch nicht alt genug, um in Würde zu altern.) Aber selbst nach 31,5 Jahren auf der Bühne haben die Herren von Dog Hat Dog offenbar noch Spaß an dem, was sie da tun. Und auch bei Life Of Agony hat man das Gefühl, dass sie – oder Sie – jede Zeile von „River Runs Red“ auch über 30 Jahre später tatsächlich noch so meinen wie 1989.

Und für mich so? Es war stickig und heiss und schwitzig. Der Sound war… irgendwo zwischen unterirdisch und naja. Aber es war schön zu sehen, dass ich nicht alleine alt werde. Im Gegenteil.

Die Veranstaltung fand am24. Juni 2022 im Terminus Zweibrücken statt.

Text und Bild: Layoutist

Die Veranstaltung fand am24. Juni im Terminus Zweibrücken statt.

Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.