Annika Jonsson Cover-Elfe Oktober

Published On Oktober 2, 2017 | By Javad | Heimatmelodien, Magazin, Model Madness, Musik

Mit der Jazzformation Trallskogen und deren Erstveröffentlichung „Trollskogen“ hat die Saar-Schwedin Annika Jonsson just ein überragendes Album hingelegt. Wir haben uns mit der Königin des Zauberwaldes über ihre Musik unterhalten.

Ich verstehe kein Wort und es fällt mir schwer, darauf zu tanzen, aber irgendwie rockt „Trollskogen“. Was ist das für ein Album?

Es ist eine Annäherung an die schwedische Folklore, sowohl an die Musik als auch an die Mystik und die Geschichten. Auf dem Album sind nur eigene Stücke, die aber mal stärker und mal schwächer folkloristische Elemente aufgreifen und dann Jazz, Rock und Pop dazumischen.

Für uns Nicht-Schweden. Was bedeutet „Trallskogen“ und was „Trollskogen“. Da kommt man leicht durcheinander.

Trollskogen mit „o“ ist der Zauberwald oder der Wald, in dem die Trolle wohnen. Trallskogen mit „a“ ist ein Wortspiel darauf, weil trall ein alter Begriff für Lied ist oder auch ein Gesangsstil aus der schwedischen Folklore, bei der man textlos singt.

Du hast schwedische Wurzeln, bis aber in Deutschland aufgewachsen und wohnst seit 6 Jahren im Saarland. Was haben Schweden und Saarländer gemeinsam und wo sind sie total unterschiedlich?

Das Saarland fühlt sich ein wenig an wie das Auenland, idyllisch und klein am Rande gelegen und vom Rest Deutschlands manchmal übersehen. Dabei sind die Saarländer sehr fröhlich und gern da, wo sie sind. Darin erinnern sie mich an die Schweden. Schweden ist zwar überhaupt nicht klein, aber dünn besiedelt und außerdem ganz im Norden Europas und findet eher selten Erwähnung in den Nachrichten, weil es hier auch sehr idyllisch zugeht. Die Schweden sind wie die Saarländer immer sehr freundlich. Vielleicht geht es im Saarland ein wenig schneller, neue Freundschaften zu schließen, während in Schweden alles etwas langsamer ist und man auch mal die Zeit hat, kauzig zu sein. Im Saarland bricht man das Eis dann mit Schwenker und in Schweden mit Kaffee und Hefeschnecken. In Schweden wie auch im Saarland entstehen dann manchmal zunächst unbemerkt ungewöhnliche Dinge, die überraschend sind für alle anderen.

Ich finde man hört den Zauber Schwedens mit seinen Elfen und Trollen durch die Musik scheinen. Wie bist Du an das Album ran gegangen.

Ich war als Kind jeden Sommer in Schweden und bin immer gern im Wald gewesen, der wilder und chaotischer ist als in Deutschland. Ich bin auf den moosbewachsenen Felsen herumgeklettert, ein Überbleibsel der Eiszeit, und habe mir dann vorgestellt, dass es Trolle sind, die sich tagsüber auf dem Waldboden ducken und nachts aber ihr Unwesen treiben. Mit schwedischer Musik habe ich mich erst viel später beschäftigt, als ich schon in Saarbrücken war und am liebsten Jazz mochte und zufällig darüber stolperte, dass schwedische Folkloresänger teilweise auch ohne Text singen und improvisieren. Ich bin dann vor 2 Jahren nach Stockholm zu einem Liederarchiv gefahren, um mir alte Aufnahmen anzuhören und hab dort auch eine Folkloresängerin kennengelernt. Ich war erstaunt, wie lebendig die Folklore Szene in Schweden ist! Das war alles sehr spannend, aber ich wusste, dass ich das gern mit der Musik, die ich sonst höre, also Jazz und Pop, mischen wollte zu etwas neuem. Irgendwann möchte ich gern an den Punkt zurück und mich mehr mit der Folklore beschäftigen.

Neben Trallskogen hast Du noch ein paar weitere Projekte am Start. Was kommt als nächstes.

Meine Indie-Popband Nika & Karambolage ist seit einem Jahr eine reine Frauenband, plant eine Aufnahme in der neuen Besetzung und arbeitet die ganze Zeit an neuen Songs. Und dann gibt es noch Caleido Club, meine jazzigste Band. Wir haben letztes Jahr unser erstes Album veröffentlicht und am 28. Oktober 2017 spielen wir im Rahmen des Saarbrücker Jazzfestivals im Theater im Viertel. Es werden dann auch neue Songs zu hören sein. Wie es mit Trallskogen weitergeht, steht in den Sternen, aber es gibt da noch sehr viel an Folklore und Geschichten für mich zu entdecken, darum zieht es mich bald wieder nach Schweden.

Interview: Markus Brixius Bild: Zippo Zimmermann (designladen.com)

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trallskogen.com

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