Andreas Dorau


Andreas Dorau

Andreas Dorau: Spannender Elektropop-Streifzug

Der aus Hamburg stammende Musiker Andreas Dorau ist einem breiten Publikum vor allem durch seinen NDW-Hit „Fred vom Jupiter“ aus dem Jahr 1980 bekannt. Am 19. Januar wird Andreas Dorau 60 Jahre alt und feiert seinen Geburtstag mit dem neuen Album „Im Gebüsch“ (Tapete Records). Zusammen mit dem Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film in München lassen wir seine bisherige Karriere Revue passieren, um letztlich bei seinen 13 neuen Pop-Perlen zu landen.

Kannst Du bitte drei Künstler, Künstlerinnen oder Bands nennen, die Dich als Jugendlichen in Hamburg maßgeblich inspiriert haben um professionell Musik zu machen.

Die Silicon Teens (Daniel Miller), The Flying Lizards und Devo. Eigentlich wollte ich Gitarre lernen, war dazu aber zu faul. Und Holger Hiller, mein neunter Lehrer, brachte mich über einen Mehrspurrekorder zur elektronischen Musik mit dem Korg MS-20, einem Monophonic Synthesizer.


Du hattest bereits 1980 im Alter von 16 Jahren deinen größten Hit „Fred vom Jupiter“ veröffentlicht, zusammen mit den Marinas. Gab es aber bereits eine frühere Version?

Zunächst hatte ich 1980 die Single „Der Lachende Papst“ auf dem Hamburger Label Zick Zack veröffentlicht. Von „Fred vom Jupiter“ gab es eine Schulversion, die ich nicht veröffentlichen durfte. Dann habe ich das Stück mit den Marinas neu aufgenommen und als Single beim Düsseldorfer Label Ata Tak 1980 veröffentlicht. Das Stück war dann auch auf der LP „Blumen und Narzissen“ (Ata Tak, 1981) zu finden.


Erhältst Du bis heute noch Tantieme von diesem beliebten Chart-Hit?

Ja, natürlich. Man kann nicht davon leben, aber es sorgt für ein Plus auf dem Konto.


Du hast später an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert und abgeschlossen. Als was genau? Konntest Du darauf Deine weitere Karriere aufbauen?

Ich bin Absolvent ohne spezielle Abschlussbezeichnung, die wurde damals nicht vergeben. Wir haben sämtliche Stationen des Filmemachens durchlaufen und auch viel über Kommunikationswissenschaft gelernt was für später durchaus gut war.


Deine umfangreiche Alben-Diskografie begann 1981 mit „Blumen und Narzissen“ bis hin zum aktuellen Album „Im Gebüsch“. Welche Meilensteine gab es dabei?

Für mich sind die Alben „Neu!“ (1994) und „Todesmelodien“ (2011) bedeutsam. Komplett gut gelungene Produktionen.


Über welchen Zeitraum hinweg hast Du die 13 neuen Titel von „Im Gebüsch“ geschrieben?

Schreiben tue ich nicht, es gibt keine Demos Ich gehe zu Freunden ins Studio und dort entstehen die Texte und die Musik über den Austausch mit anderen Personen.

Welche Bedeutung kommt der Zusammenarbeit mit Gästen wie u.a. Güner Künier und Brezel Göring zu? Und warum gibt es ein englischsprachiges Stück auf dem neuen Album?

Die beiden Stücke gab es schon vorher, die Zusammenarbeit mit JJ Weil lief über E-Mail-Kontakt und ich habe ihr freien Lauf gelassen. Das Touristen-Englisch in „Rainy Days In Moscow“ passt einfach gut zum gesamten Tracklisting, aber die Entscheidung habe ich mir nicht einfach gemacht. Ich hatte ja zuvor, 1997, schon „Girls In Love“ geschrieben, einen Top 10-Hit in Frankreich.


Hast Du den ein oder anderen Lieblingstitel auf dem Album und wenn ja, warum?

Eigentlich nicht. Sie stehen alle in einem Gesamtkontext hinsichtlich Strukturen, Klängen und Texten.


Sind die Texte pures Entertainment, eine Art Infotainment oder kritische Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik?

Ich bemühe mich ein breites Spektrum mit den Stücken abzubilden. Klassisch mit Strophe und Refrain, zum Teil aber nur mit wenigen Sätzen. Doch immer kaleidoskopartig.


Wirst Du das Album live umsetzen und wenn ja, alleine oder mit Band?

Durchaus. An meinem Geburtstag im Hamburger Knust mit größerer Band, die meisten anderen dann nur in Trio-Besetzung.


Stichwort Videos: Du hast Filme gedreht, Hörspiele produziert. Liegt Dir am Thema Video noch viel, nachdem es mit MTV/VIVA ja keine wirklichen Plattformen mehr gibt. Überwiegt der Aufwand nicht den Nutzen?

Da ich auch als Video Consultant gearbeitet habe, liegt mir das Thema noch immer am Herzen. Zur Platte gibt es einige Videos. Generell veröffentliche ich sie gerne und habe Spaß am Dreh mit unterschiedlichen Leuten, auch wenn es sich wirtschaftlich nicht rechnet.


Unter dem Titel n.e.u. hat Motor Music für die Welt der elektronischen Musik geworben, u.a. mit einem Mitgliedsausweis, quasi unter Deiner Schirmherrschaft. Gibt es n.e.u. noch?

Nein, die Niederlassung zur Erforschung des Unbekannten ist Geschichte. Das war damals bei ElektroMotor Music zum Remix-Album.


Es gibt auch den privaten Andreas Dorau. Wie schaltest Du von der Musik ab, bei welchen Hobbies entspannst Du?

Ich habe keine Hobbies. Ich entspanne, wenn ich nicht arbeite, aber ich arbeite gern.




Vielen Dank an Andreas Dorau!

Text: Frank Keil
Bilder: Sönke Held

tapeterecords.de/artists/andreas-dorau