Beth Hart


Beth Hart

Beth Hart- Über Gartenarbeit, ZEN und Leonard Cohen

 Die US-Blues-Rock-Röhre und Singer/ Songwriterin Beth Hart mal leise, mal laut, mal lustig, mal traurig. Von allen Gefühlslagen ist etwas dabei. Das ist Beth Harts nicht immer ausgeglichenes Wesen. Das ist, was ihren Blues so einzigartig macht, wenn sie all diese Gefühlslagen live auf der Bühne freien Lauf lässt. Am 02. November 2025 tritt sie in Dillingen/ Saar im Lokschuppen auf.

Beth Hart ist so eine Art Mischung aus weiblichem Joe Cocker, Rod Stewart und Tina Turner. Aber Vergleiche werden Beth Hart eh nicht gerecht. Sie ist viel zu viel sie selbst. Beth Hart leidet unter bipolarer Störung, war lange Zeit drogenabhängig, gehört aber definitiv auf die Liste der ganz großen Rock- und Blues-Röhren unserer Zeit. Die am 24. Januar 1972 in Los Angeles, Kalifornien geborene Blues- und Rocksängerin veröffentlichte 2024 ihr bereits elftes Werk mit dem verheißungsvollen Titel „You Still Got Me“. Mit den Worten, „Du kannst mit mir über alles sprechen“ empfängt Beth Hart in ihrer Backstage-Garderobe. Was sich hinter dem Albumtitel verbirgt, ist die erste von mehreren Fragen?

Beth Hart: Manchmal sitze ich nur am Klavier und klimpere vor mich hin. Als ich an dem Song „You Still Got Me“ arbeitete, und er noch nicht so hieß, war ich an einem Punkt der Verzweiflung angelangt und mein Mann Scott kam zu mir und meinte nur, was los sei und ich sagte ihm, ich fühle mich verloren und allein und dass ich niemanden mehr habe und er meinte nur „You Still Got Me“ und aus dieser Gefühlslage schrieb ich den Song zu Ende und nannte ihn auch so.

Wie sieht Dein Schreibprozess aus?

Ich schreibe nie mit dem Gedanken, dass es ein Album wird. Wenn ich schreibe, dann um herauszufinden, was in meinem Inneren vor sich geht. Wenn ich mich ans Klavier setze, offenbart es sich manchmal. Manchmal erklingt ein Lied, manchmal auch nicht.

Du hast auf dem Solo-Album „Orgy Of The Damned“ von Guns`n`Roses-Gitarrist Slash den Song „Stormy Monday“ gesungen. Jetzt spielt er bei deinem Opener „Savior With A Razor“ Gitarre. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Dieser Typ ist der beste Teamplayer, den ich je getroffen habe. Ich hatte wirklich Glück. Ich habe ihm die Hand gereicht und gesagt: „Hey, Mann, hättest du Interesse?“ und er war total begeistert, und ich war im ersten Moment einfach geschockt, dass er spontan zusagte.

Du sprichst sehr offen über Deine bipolare Krankheit…

Ja, warum auch nicht. Warum soll ich meine mentale Krankheit nicht ansprechen? Manchmal fühle ich mich gut dabei, manchmal nicht. Du hast heute einen guten Tag erwischt.

In welcher Stimmung muss man sein, um einen Song wie „Savior With A Razor“ schreiben zu können?

In dem Song geht es um meine innere Dunkelheit, in der ich mit meinen Süchten, meiner mentalen Unausgeglichenheit zu kämpfen habe und auch damit, dass ich scheinbar besessen von Schmerz jeglicher Art bin, was letztendlich Grund und Auslöser zugleich für meine Krankheit ist. Es hat etwas Selbstzerstörerisches, wenn du so drauf bist. Manchmal denkst Du, Drogen, Alkohol könnten dich davon befreien, was aber nicht der Fall ist.

Es gibt Leute, die dich als Feministin bezeichnen. Siehst Du Dich als Feministin?



Ich finde es gibt einen Unterschied zwischen jenen Feministinnen, die sich gerne als Frau fühlen und wie eine Frau behandelt werden möchten und jenen, die auf ihre Rechte als Frau beharren. Wenn es um Feminismus geht, muss jede Frau für sich entscheiden, welche Art von Feminismus sie vertritt. Ich sehe mich daher nicht wirklich als Feministin, aber weißt Du, wer in der Musikbranche wirklich Feministin ist? Madonna! Sie ist fleißig, hart arbeitend, stark und intelligent und ich liebe es, wie selbstverständlich sexy und feminin tough sie dabei ist.

Du hast 2022 das Led Zeppelin-Cover-Album „A Tribute to Led Zeppelin“ herausgebracht? Wie ist Deine Herangehensweise an Cover-Songs?

Für mich kann ein Cover-Song nur funktionieren, wenn ich zu ihm eine Beziehung habe oder eine Beziehung herstellen kann. Zweitens muss ich in der Lage sein, das Gefühl zu entwickeln, als hätte ich den Song geschrieben. Drittens. Ich muss in den Song einsteigen können, ihn studieren, bearbeiten können.

Von welchen Künstlern bist Du beeinflusst?

Ich liebe fuckin Leonard Cohen. Als ich das Album „Popular Problems“ (2014) hörte, dachte ich, ich sterbe, so fasziniert war ich davon. Und weißt Du was? Der Song „Machine Gun Vibrato“ ist von einem der darauf enthaltenen Songs beeinflusst. Leonard Cohen is der sexyeste, „bad as fucking poet ever“. Und je älter er wurde, um so sexier wurde er mit seiner unglaublichen Stimme. Und das letzte Album, das er machte, „You Want It Darker“ war eines seiner weiteren masterpieces. Er wurde einfach immer besser, je älter er wurde. Ich gebe zu, ich bin nicht mit seiner Musik aufgewachsen, aber ich kannte viele Leute, die mir seine Musik nahebrachten.

Seit geraumer Zeit meditierst Du. Was gibt es dir zu meditieren?

Scott buchte mir einen ZEN-Meditationskurs, weil er dachte, es würde mir guttun. Und ja, es tut es. Es befreit Dich über Dinge nachzudenken, über die du zuvor nicht nachgedacht hast, wie z.B. über simple Gartenarbeit, die ich jetzt viel bewusster mache. Ich hinterfrage die Bewässerung unterschiedlicher Pflanzen, ich befreie andere Pflanzen vom Unkraut, und lasse vermeintliches Unkraut einfach, wie es ist, wenn es niemand stört. Und dabei habe ich gelernt, dass der Mensch sich in einem Garten nicht wie Gott zu fühlen hat, nur weil er etwas pflanzt. Nicht der Mensch beherrscht die Pflanzen, sondern die Pflanzen beherrschen den Menschen. Der Garten lehrt Dich, wie er zu behandeln ist. Die Ruhe, die du dabei erfährst ist befreiend und heilend. Für mich ist Gartenarbeit wie Zen.

Interview und Bilder: Prof. Dr. Christof Graf

Lokschuppen in Dillingen/Saar
Sonntag. 02. November 2025 // ab 19.00
bethhart.com