Biffy Clyro


Biffy Clyro

Biffy Clyro -  Warum schreist Du mich an?

Die schottischen Alternative Rocker Biffy Clyro landeten gerade mit ihrem zehnten Album „Futique“ auf Platz eins der UK-Charts. Bevor sie auf Europatournee gehen, sprachen wir mit den Brüdern James (Bass) und Ben Johnston (Schlagzeug).


Ben, James, wann wisst Ihr, dass es Zeit ist, mit der Arbeit an einem Album zu beginnen?

Ben: „Wenn man etwas zu sagen hat.“

James: „Genau. Simon (Neil, Sänger und Gitarrist - d. Verf.) arbeitet ständig an neuen Songs. Im Hintergrund brodeln und sprudeln ständig neue Ideen. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es immer einen Punkt gibt, an dem ein Song eine bestimmte Ebene erreicht, entweder emotional oder musikalisch oder dass die Melodie stark genug ist, um sich von den anderen Ideen abzuheben, und sozusagen zum Totempfahl wird, zum Ziel, das man mit allen Songs erreichen möchte. Plötzlich bist du im Basislager und kannst die Flagge auf dem Gipfel sehen, und das gibt dir einfach Energie. Die kann auch auf andere Songs übergreifen. Es ist erstaunlich, wie viel Schwung man bekommt, wenn man Wind in den Segeln hat. Und mir fallen gleich noch ein paar weitere Metaphern ein. (Ben lacht) Es gibt immer diesen Moment, in dem ein Song die Führung übernimmt und man denkt: Verdammt noch mal, wir müssen die anderen Songs auch auf den Weg bringen, damit die Armee marschieren kann.“


Die lässt sich dann nicht mehr aufhalten.

James: „Eben. Natürlich haben wir einen Plattenvertrag und nach ein paar Jahren wollen sie ein Album. Wenn man es nur deswegen macht, dann macht man es, weil es Zeit ist und im Vertrag steht. Doch darum geht es bei Kunst und Musik eigentlich nicht. Der Schlüssel ist, Musik nicht nur um der Musik willen zu machen. Warte, bis du etwas zu sagen hast, und dann sag es so laut du kannst.“


Sind Eure Songs jemals fertig oder verändern sie sich auf Tour?

James: „Wir schicken sie einfach an Kanye West und fragen: ‚Kanye, ist das fertig?‘ (lacht) Nein, das ist eine berechtigte Frage. Sobald wir die Aufnahmen fertiggestellt haben, halten wir uns in der Regel ziemlich genau an das, was man auf der Platte hört. Wir sind aber keine Sklaven davon. Manchmal ändern wir vielleicht die Tonart. Normalerweise spielen wir sie live immer etwas schneller.“


Wegen Ben, nehme ich an?

Ben: „(lacht) Wegen des Adrenalins. Wenn man die Songs endlich auf die Bühne bringt und versucht, sie im gleichen Tempo wie auf Platte zu spielen, fühlt es sich immer etwas langsam an. Und ich finde es schön, dass es diesen Unterschied zwischen den Aufnahmen und dem Live-Erlebnis gibt. Man ist also immer etwas schneller. Es hat live immer etwas mehr Schwung.“

James: „Es gibt einige Fans des Songs ‚Many Of Horror‘. Wenn Simon den live brüllt, ist das auf eine schöne Art und Weise etwas ganz anderes als auf der Platte. Viele denken dann aber: ‚Warum schreist du mich verdammt noch mal an, Mann? Was ist los?‘“ (lacht)


Text: Kai Florian Becker 

Bild: Eva Pentel


Rockhal, Esch-sur-Alzette

Donnerstag, 19. Februar 2026 // 19.00

biffyclyro.com