Bush


Bush

Rockt den „Ring“


Die Brit-Rocker „Bush“ legen mit „I Beat Loneliness“ neues Studio-Album vor und spielen bei Rock am Ring 2026.

Mit der Veröffentlichung der Single „60 Ways To Forget People" gab die GRAMMY®-nominierte, mehrfach mit Platin ausgezeichnete Band „Bush“ vorab einen ersten Einblick in das da kommende zehnte Studioalbum „I Beat Loneliness". Jetzt tourt Bush durch Europa und tritt auch bei der 41. Auflage von „Rock am Ring“ auf. Christof Graf unterhielt sich mit Bandgründer, Frontmann und Songwriter Gavin Rossdale.

Gavin Rossdales Leben hat sich seit Beginn seiner Karriere 1991 stark verändert. Die Londoner Band „Bush“, die sich nach dem Ort ihres ersten Auftrittes (Shepherd’s Bush) in London benannte, feierte ihr Veröffentlichungsdebüt 1994 mit einer selbst herausgebrachten LP namens „Sixteen Stone" und prägte damit den Rocksound der 1990er Jahre mit. 24 Millionen Tonträger verkauften „Bush“, die noch immer gerne dem in den 90er aufkommenden Grunge-Rock zugeordnet werden. Von der ursprünglichen Besetzung mit Schlagzeuger Robin Goodridge, Nigel Pulsford (bis 2002) an der Gitarre und Dave Parsons am Bass ist nur noch Bandgründer Gavin Rossdale übriggeblieben. Rossdale wird 2025/ 2026 von Chris Traynor (Gitarre), Corey Britz (Bass) und Nik Hughes (Schlagzeug) begleitet. Nach dem Release von „Loaded: The Greatest Hits 1994–2023" und einer großen Tour, legen Bush mit dem neuen Album „I Beat Loneliness“ (2025) nach.

Es ist das zehnte Studioalbum von „Bush“ und ein kraftvolles Zeugnis ihrer stetigen Weiterentwicklung. Das Album verbindet die grunge-verwurzelte Intensität der Band mit frischen Klangtexturen zeitgemäßer Rockmusik mit Themen rund um mentale Gesundheit, Einsamkeit und Widerstandskraft. „Dieses Album spricht die alltäglichen Herausforderungen an, die wir alle erleben“, sagt Gavin Rossdale.

Wie bewältigst Du Einsamkeit und warum gibt man einem Album einen solchen Titel?“

Gavin Rossdale: Ich liebe schöne Paradoxien. Ich finde zum Beispiel Melancholie gar nicht mal als eine so negative Stimmung und sie gibt dir die Gelegenheit dir trotz allem, was in der Welt passiert, Gedanken über alles zu machen. Melancholie dient gut zur Selbstreflexion. Ich habe schon oft melancholische Texte zu Rocksongs und Lieder über Einsamkeit geschrieben, mittlerweile glaube ich aber, dass die Menschen dafür empfänglicher sind, weil sie sich eben auch gerne Gedanken über sich selbst machen.

In „Scars“ (Narben) singst Du: „The head is split in 4 directions”. Welche vier Richtungen sind gemeint?

Gavin Rossdale: Es geht um die vier Himmelsrichtungen und darum, egal, für welche Richtung Du Dich entscheidest, du dann auch bei der eingeschlagenen Richtung bleiben solltest.

Wann ist für Dich ein Song fertiggeschrieben?

Gavin Rossdale: Die Songs werden erst wirklich fertig gestellt, wenn ich mich mit der Band im Studio befinde und ihn aufnehme. Manche Songs entstehen aber auch, wenn ich alleine bin.

In Sachen „Footsteps In The Sand“. Welche Fußspuren möchtest Du in Deinem Leben hinterlassen?

Gavin Rossdale: Zuallererst einmal habe ich Kinder und das sind die schönsten Fußabdrücke, die du eigentlich hinterlassen kannst. Ich finde es sehr spannend zu beobachten, wie mein Sohn groß wird, erwachsen wird und vom kleinen Jungen zum erwachsenen Mann geworden ist. Das zu beobachten, ist eine wunderschöne Erfahrung.

60 Ways to forget people“ heisst ein anderer Song. Kannst Du mir einige davon nennen, damit es mir auch gelingt, so manche Leute vergessen zu können?

Gavin Rossdale: Der Song beleuchtet die Vielschichtigkeit von Herzschmerz, persönlicher Transformation und den schmerzhaften Prozess des Loslassens. Es gibt natürlich kein Handbuch dafür und wahrscheinlich auch keine 60 Methoden oder vielleicht sogar noch viel mehr „Wege“ und noch mehr Menschen vielleicht, an die man nicht mehr denken möchte. In dem Song geht es darum, darüber nachzudenken, dass man überhaupt eine Auswahl hat und dass man überhaupt Möglichkeiten hat, darüber nachzudenken, wie man eben Menschen, an die man nicht mehr denken möchte, vergessen zu können. Du triffst im Leben immer Menschen, die du irgendwie am besten später vergessen möchtest und wenn du das nicht tust, schadet es Dir. Sie nehmen dir die Energie für das Positive. Ich ließ mich bei dieser Art des Songwriting schon immer von Künstlern wie Tom Waits, Leonard Cohen oder auch Bob Dylan inspirieren, aber auch von Schriftstellern wie z.B. Allen Ginsberg.

Was interessiert Dich an Leonard Cohen?

Gavin Rossdale: … dass er in der Lage war, dieses atmosphärische Schreiben zu beherrschen. All seine Songs sind so dicht und tief, wie die von niemand anderem. Ich wünschte, ich könnte eine ähnlicher Dichte erzeugen.

Songs, wie z.B. „I Am Here to Save Your Life“ klingen nach jenem Musikgenre, dem ihr heute noch immer zugerechnet werdet: Grunge-Rock. Welche Relevanz hat Grunge im Jahre 2025?

Gavin Rossdale: Ich weiß wirklich nicht, ob Grunge wirklich so ein Genre war, das wirklich so wegweisend war und ob wir tatsächlich dem Grunge zuzurechnen sind. Ich glaube, wir sind eher eine Metal Band. Dieses Grunge-Etikett entstand, als Nirvana ihr erstes Album rausgebracht hatten und dann hat man versucht, ähnlich klingende Bands in dieselben Schubladen zu stecken. Das sind auch alles nur Etiketten und ich glaube nicht, dass die Bands Musik machen, um Etiketten zu entsprechen.

Text & Bilder: Prof. Dr. Christof Graf

bushofficial.com