Dexys Midnight Runners


Dexys Midnight Runners

Außergewöhnliche musikalische Reise


Die Dexys Midinght Runners, zwischenzeitlich Dexys, 1978 von meinem Gesprächspartner Kevin Rowland (Gesang, Gitarre) in Birmingham/England gegründet, waren eine der Lieblingsband meiner Jugend. Ihre größten Hits, „Geno“ vom Debüt „Searching For The Young Soul Rebels“ (1980) und „Come On Eileen“ vom Nachfolger „Too-Rye-Ay“ (1982) fehlten damals auf keiner ordentlichen Party. Ihre Mischung aus New Wave, Northern Soul und keltischem Folk blieb einzigartig und Kevin setzte seine Karriere durch Höhen und Tiefen unbeirrt fort. Das neue Album „LOVE“ (Heavenly Recordings/PIAS) erscheint am 4. September und bündelt Geschichten aus Kevin Rowlands Leben, von seiner Kindheit als irischer Einwanderersohn über familiäre Beziehungen bis hin zu später Liebe, Verlust und Versöhnung.



Du wurdest 1953 in Wolverhampton geboren. Welche Künstler und Bands haben dich in deiner Kindheit und Jugend beeinflusst?

Ich habe viel Elvis, Billy Fury, die Beatles, die Stones und die Kinks gehört. Soul-Musik im Allgemeinen.



Hast du zu Hause oder in der Schule eine musikalische Ausbildung erhalten und wann hast du beschlossen, professioneller Musiker zu werden?

Mit 10 habe ich versucht, Gitarre zu lernen. Meine Mutter kaufte mir eine Gitarre, aber sie hatte nur vier Saiten, und ich hatte damals große Schwierigkeiten, irgendetwas zu lernen – eine Lernblockade. Ich habe ein paar Akkorde gelernt, aber das war es auch schon. Erst als mein Bruder mir einen Platz in seiner Band anbot und mir sechs Monate Zeit gab, die Songs zu lernen, fing ich an, die Sache ernst zu nehmen.



Du bist der ursprüngliche Gründer von Dexys Midnight Runners, aber es war nicht deine erste Band. Hast du ab 1978 mit den Dexys Midnight Runners deinen endgültigen Stil und dein endgültiges Genre gefunden?

Dexys Midnight Runners haben sich ständig weiterentwickelt, daher haben wir nie unseren endgültigen Stil oder unser endgültiges Genre gefunden.



Euer Debütalbum „Searching For The Young Soul Rebels“ erschien 1980 und enthielt die Hit-Singles „Geno“ und „Seven Days Too Long“. Wie viel Mod-Einfluss steckte in der LP?

Absolut gar keiner, wir hatten überhaupt nichts mit der Mod-Szene zu tun.



Auch wenn ihr mit dem Album erfolgreich wart, hat sich die Besetzung geändert. Gab es dafür einen Grund?

Bei den Dexys schien sich die Besetzung ständig zu ändern, und wenn ich heute zurückblicke, sehe ich, dass das alles zum Besten war. Die Leute kamen dazu, gaben eine Weile ihr Bestes und gingen dann wieder.



Für die zweite LP „Too-Rye-Ay“ (1982) habt ihr den Stil zu einer Mischung aus Soul und keltischem Pop weiterentwickelt, und die Single „Come On Eileen“ wurde fast zu einem weltweiten Hit. War das eine glückliche und erfüllende Zeit für dich und die Band?

Auf jeden Fall. Wir hatten wirklich hart gearbeitet, den ganzen Tag geprobt und abends Songs geschrieben, und diesen Erfolg zu erzielen, war unglaublich – wir fühlten uns bestätigt.



Nach einer Pause gab es erneut Besetzungswechsel, und die Gruppe löste sich 1987 auf. Was hast du in den Neunzigern gemacht?

Ich habe mich um mich selbst gekümmert und 1990 ein Soloalbum namens „My Beauty“ aufgenommen.



Seit 2003 gibt es eine Wiedervereinigung der Dexys Midnight Runners, und zwischen 2012 und 2023 habt ihr unter dem Bandnamen Dexys sogar fünf weitere Studioalben veröffentlicht. Das neue Album „LOVE“ erscheint wieder unter dem ursprünglichen Namen Dexys Midnight Runners. Gibt es einen Grund dafür? Und fühlst du dich mit der aktuellen Besetzung als Septett jetzt wieder richtig wohl?

Wir haben festgestellt, dass einige junge Leute DMR von „Come On Eileen“ und „Geno“ kennen, aber der Name Dexys hat sie verwirrt. Ja, ich fühle mich mit der neuen Besetzung wohl.



Gibt es so etwas wie einen „Roten Faden“, der alle Songs von Anfang bis Ende miteinander verbindet?

Ich gehe dabei intuitiv vor und stelle solche Verbindungen nie selbst her, aber andere Leute dürfen das gerne tun.



Wie sieht es mit den Texten aus: Reine Unterhaltung, eine Art Infotainment oder eine direkte Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik?

Es ist von allem etwas dabei. Ich schreibe nicht bewusst politisch, unpolitisch oder zur Unterhaltung. Ich schreibe, was mir in den Sinn kommt, und es steht mir nicht zu, das zu analysieren. Das ist Sache der Journalisten.



Die erste Single heißt „My Life in England Pt. 1“. Ist das ein persönliches Statement?

Ja, das ist ein persönliches Statement. Wir haben 2003 bereits eine Version dieses Songs auf einem Compilation-Album veröffentlicht, aber ich hatte das Gefühl, dass wir ihn verbessern könnten. Ich habe ihn vor langer Zeit zusammen mit Jim [Patterson] geschrieben, ebenso wie ‚My Life in England Pt. 2‘. Es sind alles Erinnerungen an meine eigenen Erfahrungen. Pete – das ist mein Bruder. In meinem Buch ´Bless Me Father´ habe ich seinen Namen in Pat geändert. Es gibt einige Überschneidungen mit dem Buch in diesem Song.



War ein Produzent beteiligt? Wo habt ihr aufgenommen? Habt ihr ein eigenes Studio?

David Holmes hat das Album produziert, aber wir hatten auch Pete Schwier am Mix und Sean Read, der in der Band spielt, bei den Aufnahmen dabei. Wir haben in mehreren Studios aufgenommen.



Hast du einen Lieblingssong auf dem Album und warum?

Ich habe keine Lieblingssongs, ich finde, sie wirken alle auf unterschiedliche Weise, und ich denke, das Album funktioniert als Ganzes.



Werdet ihr „LOVE“ auf eine Tournee bringen und wenn ja, wo ist geplant, es live zu spielen?

Ja, wir haben Termine in Großbritannien und Europa ab Oktober 2026. Am 10.10. spielen wir in Berlin/Passionskirche.



Neben deiner Tätigkeit als Künstler bist du auch ein Privatmensch. Was sind deine Hobbys oder Aktivitäten, mit denen du dich vom Musikgeschäft erholst?

Spazieren gehen, gutes Essen genießen, mich gesund ernähren, aber auch Kleidung entwerfen und unter Leute kommen.



Text: Frank Keil Bilder: Jake Walters


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