Mit „Surface, Echo & Sound“ (PIAS) veröffentlichen die britischen Editors am 30. Oktober bereits ihr achtes Studioalbum. Nach “EBM” aus dem Jahr 2022, einer Zusammenarbeit mit dem Elektronik-Produzenten Benjamin John Power alias Blanck Mass, haben Editors auf “Surface, Echo & Sound” ein früheres Terrain wiedererschlossen. Für die 11 neuen Titel setzten sie auf einen akustikbasierten Ansatz, der an ihre Anfangstage erinnert. Und mit dem Ergebnis sind nicht nur unser Gesprächspartner, Sänger/Gitarrist Tom Smith sondern auch seine vier Bandkollegen äußerst zufrieden.
Die Anfänge der Band gehen auf das Jahr 2000 zurück. Während Deiner Kindheit, Jugend und später hast Du an vielen Orten gelebt, darunter Northampton, Stroud, Stafford und Birmingham. 2023 hast Du geheiratet und eine Familie gegründet. Wo lebt ihr heute?
Meine Frau, unsere zwei Söhne und ich haben zunächst in Nord-London gewohnt und sind dann vor sechs Jahren in das ländliche Gloucestershire, in die Nähe von Stroud gezogen.
Editors sind bis heute eine mitreißende Mischung aus New Wave, Post-Punk und Indie-Rock. Welche Künstler/Bands haben Dich dazu inspiriert, professionelle Musiker zu werden?
Im Alter von 13, 14 Jahren war für mich Britop, Oasis, Blur, Pulp ganz groß. Das hat mich zur Gitarre greifen lassen. Und so habe ich viele andere KünstlerInnen und Gruppen für mich entdeckt, vor allem R.E.M., Radiohead, Echo & The Bunnymen und The Strokes.
Haben die Besetzungswechsel seit 2003 dazu beigetragen, dass die Band ihr hohes musikalisches Niveau halten oder sogar noch steigern konnte?
Ja, Scheidungen sind schmerzlich, aber Bassist Russell Leetch, Schlagzeuger Ed Lay und ich haben dann festgestellt, dass wir auf hohem Niveau auch mit anderen versierten Musikern weitermachen konnten. Und diese musikalische Reise ist für die aktuelle Besetzung noch nicht zuende.
Ihr habt eine umfangreiche Diskografie. Welche Meilensteine würdet ihr seit eurem Debüt „The Back Room“ aus dem Jahr 2005 besonders hervorheben?
Das Debüt und der Nachfolger „An End Has a Start“ von 2007 haben den Weg in den Mainstream geebnet. Für mich ist aber „In This Light and On This Evening” aus dem Jahr 2009 wichtiger, da es uns neue Möglichkeiten hinsichtlich elektronischer Musik und der weiteren Karriere erschlossen hat.
Wann habt ihr mit der Arbeit am neuen Album „Surface, Echo & Sound“ begonnen? Gab es eine Art Vorproduktion zu Hause?
Ähnlich wie bei meinem letztjährigen Soloalbum “There is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light” verfolgte ich auch bei dem neuen Material der Editors einen ähnlich reduzierten, akustikbasierten Ansatz. Durch den Einsatz einer Mandoline hat das Album eine ganz eigene Richtung genommen. ich brachte eine Auswahl an Songs mit, damit wir alle diese gemeinsam spielen und Verschiedenes ausprobieren konnten, um zu schauen, wohin die Reise gehen würde. Ich schreibe eigentlich immer, nehme in meinem eigenen kleinen Homestudio auf und katalogisiere, so habe ich immer Material, dass sich entweder für Soloprojekte oder die Band eignet. Insgesamt war es ein im letzten Jahr ein sehr produktiver Sommer & Herbst.
Welcher Produzent war diesmal an der Produktion beteiligt? Wie bedeutend ist sein Beitrag?
Eigentlich die Band selbst unter spezieller Begleitung durch unseren Lead-Gitarristen Justin Lockey, der sich mittlerweile als Produzent und Tontechniker einen Namen gemacht hat.
Wie würdest du deine Texte beschreiben? Reine Unterhaltung, eine Art Infotainment oder eine klare Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik?
Ich bin ein sehr emotionaler Songwriter voller Gefühle. Nimm zum Beispiel die Single „The Rush“. Es ist eine Art imaginäre Barszene, in der zwei Menschen über das Leben reden, etwas trinken und über all die Höhen und Tiefen nachdenken.
Es fällt einem normalerweise schwer, über Lieblingssongs zu sprechen. Gibt es einen oder zwei, die besonders hervorstechen, und wenn ja, warum?
Ich habe die Platte kürzlich erst durchgehört und ich mag ganz besonders „Rescue“ und „Butterfly Wings“, eine Art Konversation zwischen meinen Söhnen und mir.
Lange Tourneen werden in der Regel mit einer Frau und Kindern zuhause immer schwieriger. Reduziert ihr die Zeit ´on the road´?
Wir sind weniger außerhalb von Europa unterwegs, wie noch zu Beginn unserer Karriere. Im Februar kommen unsere deutschen Fans bei fünf Konzerten in den Genuss neuer Songs und alter Klassiker. Aber natürlich lieben wir es immer noch auf der Bühne zu stehen.
„An End Has a Start“ wurde von der deutschen Mittelalter-Rock-Band In Extremo gecovert. Wie klingt diese Version für dich?
Sie hat uns überrascht, aber wir mochten die Version. Wir haben ja bei unseren Konzerten auch immer einige Fans aus der New Wave und Goth-Szene. In Extremo haben wir auf einem Festival kennengelernt und sie haben persönlich Hallo! gesagt.
Es gibt auch einen privaten Tom. Wie entspannst du dich vom Musikgeschäft? Hast du besondere Hobbies?
Im Garten bin ich keine Hilfe. Aber ich gehe mit meinen Jungs gerne zum Fußball und ansonsten ist Songwriting tatsächlich auch eine Freizeitbeschäftigung für mich.
Text: Frank Keil Bilder: Rahi Rezvani