ela.


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Pulsierende Pop-Lebendigkeit einer Powerfrau


Elzbieta Steinmetz, kurz ela., veröffentlichte Ende Mai ihr drittes Album „Pinke Plüschjacke“. Bekannt geworden durch das Trio Elaiza, starte sie ab 2020 mit dem Album-Debüt „Liebe & Krieg“ als Solokünstlerin durch. Die gebürtige Ukrainerin, die in Polen und im Saarland aufwuchs, lebt heute nach langen Jahren in Berlin auf dem Land nahe Basel/Schweiz. Gemeinsam lassen wir im Interview ihre kreative Entwicklung Revue passieren.


Du bist im Saarland aufgewachsen und Deine Eltern leben in Neunkirchen. Was verbindet Dich über Dein Elternhaus hinaus noch mit dem Saarland?

Genau und ich bin noch mindestens einmal im Monat dort, bei der Familie und FreundInnen, das ist mir sehr wichtig, egal wie weit ich sonst von ihnen weg bin.


Wo liegen Deine musikalischen Ursprünge, mit welcher Musik bist Du aufgewachsen, was hat Dich geprägt? Wann war Dir klar, dass Du Musik zu Deinem Beruf machen willst?

Eigentlich wollte ich immer Musikerin werden. Mein leiblicher, verstorbener Vater aus der Ukraine war Rockgitarrist, meine Mutter Opernsängerin. Musik hat mich immer begleitet, auf der Bühne stand ich mit fünf Jahren, zu Schreiben habe ich mit 12 Jahren angefangen. Und mit meinem Stiefvater, einem Herbert Grönemeyer-Fan, habe ich viel Deutsch gelernt.


Der Durchbruch als Songwriterin und Sängerin gelang Dir mit dem Trio Elaiza. Euer Folk-Pop brachte euch die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2014 und ihr habt zwei Alben veröffentlicht. War der Übergang zu ela. fließend?

Ja, wir haben zwei CD´s mit Neo-Folklore veröffentlicht „Gallery“ (2014) und „Restless“ (2016). Mit Elaiza sind wir viel in der Welt herumgekommen, waren in den Medien sehr präsent. Wir haben uns dann eine Auszeit genommen, haben uns aber bis heute nicht aufgelöst. Ich sehe die anderen Mädels oft. Und die Pause nutze ich für meine Soloarbeit, die 2020 mit dem Debüt „Liebe & Krieg“ begann. Und diese Weiterentwicklung hat mir auch viele Türen in Sachen Zusammenarbeit mit renommierten KünstlerInnen geöffnet. Die Verbindung zwischen dem Debüt, dem Nachfolger „Es ist immer jemand wach“ (2023) und dem aktuellen Album sind auf jeden Fall meine ehrlichen, aus mir kommenden Texte.


Du arbeitest auch als Komponistin und Texterin für andere KünstlerInnen, welche Zusammenarbeit ist Dir in bleibender Erinnerung geblieben?

Sehr viele, darunter sicher die mit Sarah Connor, Helene Fischer, Adel Tawil und das Feature mit Kool Savas auf „Was Du nicht siehst“ mit dem Red Bull Symphonic Orchester. Je mehr deutsche Texte ich für andere KünstlerInnen geschrieben habe, umso selbstsicherer wurde ich auch bezüglich meiner eigenen Veröffentlichungen. Die Skills haben sich deutlich verändert und ich habe aus jeder Session für mich etwas mitnehmen können.


Vor dem Album-Release wurden häppchenweise bereits vier Singles veröffentlicht, darunter „Wer weiß“. Gibt es eine Art ´Roten Faden´ der das Album inhaltlich zusammenhält?

Die „Pinke Plüschjacke“ erzählt, wie ich mit acht Jahren mit meiner Mutter nach Deutschland kam und welchen Schwierigkeiten der Ausgrenzung ich als Kind ausgesetzt war. Die Jacke wurde nach unserem Neustart für lange Zeit zu meinem Markenzeichen als Außenseiterin, die dann in der Musik ihre Zugehörigkeit fand. Die Stücke sind eine Hommage an alle, die nie einfach nur dazugehört haben, sondern ihre ganz eigene Sprache der Integration entwickeln mussten.


13 Stücke sind es final geworden, sie erzählen von Ankunft, Erwachsenwerden und Aufbruch. Wo und mit wem hast Du die Titel eingespielt?

Die einzelnen Stücke entstanden nach Grundideen aus meinem Studio in unterschiedlichen Konstellationen, mit Leuten, mit denen ich teilweise schon lange Jahre zusammenarbeite, u.a. in Wien, Berlin und Mannheim.


Hast Du das ein oder andere Lieblingsstück auf dem Album, oder fällt es Dir eher schwer Favoriten zu nennen?

Eine schwierige Frage. Meine Lieblinge variieren. Das Intro „Hinter jedem Lächeln“ empfinde ich als perfekten Opener. Und das Outro „Wieder ich“, in einem Take aufgenommen, ist für mich extrem wichtig. Und auch „Herz ausgesucht“, ehrlich und nahbar.


Mit ela.n Records ist die LP/CD auf Deinem eigenen Label und Verlag erschienen, der Vertrieb erfolgt über Sony Music/The Orchard. Siehst Du da Deine Zukunft?

Ja, kreativ, unabhängig und selbstbewußt mit einem starken Partner im Rücken.


Im September gehst Du mit dem neuen Album auf eine Kurz-Tournee, die euch in sechs deutsche Großstädte führt. Mit Band?

Ja, mit meiner Band, die mit mir einen tollen Mix aus alten Hits und neuen Titeln spielen wird. Dabei wird es vor allem um ´fühlen´ gehen, in der Mitte des jeweiligen Sets werde ich daher auch einige Songs alleine am Klavier spielen.


Aufgrund Deiner ukrainischen Wurzeln spielt der Angriffskrieg Russlands dort sicher noch eine wichtige Rolle in Deinem Leben. Unterstützt Du die dortige Kulturszene aktiv?

Das Thema ist nach wie vor ein Teil von mir. Ich habe mit zwei ukrainischen Künstlerinnen einen wichtigen Song veröffentlicht, „Kupala“. Oder letztens einen Videodreh mit einer ukrainischen Balletttänzerin gedreht, der mir viel bedeutet.


Du hast im Mai den Lyricon-Preis der GEMA-Stiftung erhalten. Wofür genau und was bedeutet er Dir?

Den bekam ich für herausragendes Textschaffen. Und er bedeutet mir sehr viel, weil er ein Preis für das Songwriting über die Langstrecke ist.


Text: Frank Keil | Bilder: Anni Petrat

www.elasmusik.com