Am 29.Mai erschien die erste LP/CD von GÖRL, „Dark Silver Moon Light“ (Grönland Records). Mit den beiden Singles „Irgendwann ist jetzt“ und „Don´t Stay At Home“ haben DAF-Legende Robert Görl und Produzentin/DJ Sylvie Marks ihre jahrzehntelange Erfahrung für ein Album authentisch gebündelt. Die zehn Titel sind weniger ein Rückblick, sondern mehr ein Aufbruch, den man hoffentlich auch live auf der Bühne erleben wird. Auf jeden Fall lohnt sich der Blick hinter die Kulissen von GÖRL, die auf die Verschmelzung zweier einzigartiger Biografien aufbauen.
Robert, Du bist 1955 in München geboren. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Mit acht Jahren habe ich Trompete gelernt und einen Schülerwettbewerb gewonnen. Später entdeckte ich meine Liebe zum Schlagzeug und bekam Unterricht vom bekannten Jazzmusiker Freddie Brocksieper. 1974 habe ich eine klassische Musikausbildung in Augsburg begonnen, Schlagzeug/Klavier und später in Graz weitergeführt.
Sylvie, Du bist 1968 geboren. Kannst Du uns bitte Deinen musikalischen Werdegang kurz skizzieren.
Ich erhielt in den 1970er Jahren als Kind in Walldorf eine klassische Musikausbildung, u.a. am Klavier. Über Freunde entdeckte ich später meine Liebe zu analogen Synthesizern Nach ersten Erfahrungen mit Mixtapes wurde ich DJ im Frankfurter Techno-Club Dorian Gray. Ich sage bewusst DJ, nicht DJane, den Begriff mag ich nicht. Später habe ich mir ein eigenes Musikstudio eingerichtet und professionell, auch mit anderen KünstlerInnen, produziert und war viel auf Tour unterwegs..
Und dann kam Punk. Robert, was hat Dich an dieser Bewegung so fasziniert?
Nach den Studien brauchte ich einen Break und ging 1978 für den Sommer nach London. Da war eine ganz besondere Aufbruchstimmung und provokative Freiheit zu spüren. Durch einen Freund wurde mir Düsseldorf empfohlen und da lernte ich in der Undergroundkneipe Ratinger Hof dann Gabi Delgado-López kennen. Wir haben dann zusammen DAF, Deutsch Amerikanische Freundschaft, gegründet, Gabi als Sänger, ich als Musiker/Komponist. Nach der ersten Phase als Band waren wir ab 1980 nur noch als Duo unterwegs.
Mit Pausen habt ihr bis zum Tod von Gabi, der 2020 in Portugal verstarb, sieben, zum Teil kommerziell sehr erfolgreiche Alben veröffentlicht. Welches oder welche haben für Dich bis heute maßgebliche Bedeutung?
Das zweite Album „Die Kleinen und die Bösen“ (1980), der erfolgreichen Nachfolger „Alles ist gut“, was kommerziell und künstlerisch Wege ebnete für „Gold und Liebe“ und „Für immer“.
Du hast 1981 und 1984 auch mit Annie Lennox (Eurythmics) zusammengearbeitet. Wie ist das passiert?
Über unseren damaligen Produzenten Conny Plank. Sie fragte an, ob sie DAF im Studio besuchen könnte und so kam der Austausch zwischen uns zustande. Ich spielte Schlagzeug für das Eurythmics-Album „In The Garden“. Sie wirkte im Gegenzug auf meinem ersten Solo-Album „Night Full Of Tension“ mit.
1989 hattest Du einen schweren Autounfall. Inwiefern hat er Dein Leben verändert?
Ich bin mit 100km an einen Baum gefahren und war sehr schwer verletzt. Im Krankenhaus hatte ich Nahtod-Visonen, die ich nicht einordnen konnte. Nach dem Krankenhaus bin ich durch Asien gereist und habe mich spirituell intensiv mit Buddha und seiner spirituellen Lehre beschäftigt. Musik war für lange Zeit in meinem Leben nicht präsent.
Sylvie, habt ihr euch dann in den 1990er Jahren schon kennengelernt, oder erst später?
Leider nein, obwohl jeder von uns für sich mit Leuten gearbeitet hat, die uns beide kannten. Ich habe als DJ sein „Sexdrops“-Album (1998) viel gespielt und hatte damit immer volle Tanzflächen. Erst im November 2019 habe ich Robert in der U-Bahn in Berlin gesehen, danach angeschrieben und gefragt, ob er es wirklich war. Danach haben wir uns getroffen, uns kennengelernt und leben heute als gute Freunde in einer Musik-WG. Die erste Zusammenarbeit war das Abschiedsalbum „Nur noch einer“, dass Robert nach dem Tode von Gabi mit meiner Unterstützung unter Nutzung unveröffentlichter DAF-Tonsequenzen aus den 1980er Jahren fertiggestellt hat. Und wir sind dann auch während Covid-19 nach den damaligen Möglichkeiten zusammen auf Tournee gewesen..
Robert, da gab es aber auch Probleme zu lösen, oder?
Ja, Gabis Witwe wollte 50% Mitsprachrecht und auch in die Produktion eingreifen. Alles musste dann anwaltlich geregelt werden um wieder komplett frei zu sein.
Kommen wir auf „Dark Silver Moon Light“ zu sprechen, das mit „Irgendwann ist jetzt“ bereits einen starken Opener hat. Was könnt ihr über die Texte erzählen?
Sylvie: Infotainment trifft es ganz gut. Inhalte, die uns im wahren Leben bewegt haben, aber auch vertonte Träume. Einem Vollmond an einem See mit einer Frau im Wasser verdanken wir den Albumtitel. Viele Titel haben eine Art melancholisch-wehmütiges Gefühl als Kern.
So kurz nach Album-VÖ. variieren die Lieblinge sicher. Habt ihr welche?
Robert: „Dark Silver Moon Light“ und “So wie Du bist“. Sylvie: Mir gefallen eigentlich alle Titel, vor allem aber „Der Fluss“.
Robert, mit Grönland Records (Herbert Grönemeyer) habt ihr einen renommierten Label-Partner an eurer Seite. Mußttet ihr wegen dem Album lange Überzeugungsarbeit leisten?
Es gab da keine Zweifel, sie wollten das Album sehr gerne haben und veröffentlichen. Sie waren Feuer und Flamme für alle Tracks. Und haben alles nachvollzogen, auch in Sachen DAF wird zu GÖRL.
Als Duo scheint ihr beide zusammen sehr gut zu funktionieren. Wird man euch mit den neuen Stücken auch wieder live erleben können?
Sylvie: Da sind noch einige Sachen zu klären, wir wollen aber gerne touren. Robert: Wann und wie lange ist aber aktuell noch offen, da ich mich noch in einer Rehaphase befinde.
Neben GÖRL gibt es den privaten Robert, genau wie die private Sylvie: Wie und wobei entspannt ihr von der Musik und dem Alltagsstress?
Robert/Sylvie: Wir sind gerne in der Natur unterwegs und lassen uns da inspirieren.
Text: Frank Keil I Bilder: Rick Burger