Heather Nova


Heather Nova

Singer/Songwriterin nutzt Musik als emotionale Kraftquelle


Die 1967 auf Bermuda geborene Musikerin, Sängerin und Dichterin Heather Nova

veröffentlicht mit „The Orchard“ (V2 Records/Bertus Musikvertrieb) am 30. Oktober ein Kapitel voller Poesie, emotionaler Tiefe und leuchtender Melodien. Die insgesamt 12 Titel ihrer 14. LP/CD sollen in turbulenten Zeiten Hoffnung spenden. Das vorherrschende Gefühl auf „The Orchard“ ist eines der Hoffnung, des Lichts und der Möglichkeiten. Auf das neue Album folgt zwischen Januar und März 2027 eine große Europatournee. Die Künstlerin, deren umfangreiche Diskographie 1993 mit dem Debüt „Glow Stars“ ihren Anfang nahm, lebt heute nach langen Jahren in den USA und Großbritannien wieder auf Bermuda.


Welche Art von Musik hat Dich als Teenager inspiriert um später selber professionell Musik zu machen? Du hast ja einen Teil Deiner Jugend auf einem Segelboot verbracht, auf dem Deine Eltern, Deine beiden Geschwister und Du durch die Karibik gesegelt sind.

Meine Eltern hatten eine große Schallplattensammlung, da gab es KünstlerInnen und Bands wie Joan Baez, Joni Mitchell, Cat Stevens, Simon and Garfunkel, The Beatles, Neil Young, und Bob Dylan zu entdecken. Im Haus waren es Schallplatten und später auf dem Boot Cassetten, die wir dort auf einem durch Windenergie betriebenen Player hörten.


Du bist 1967 als Heather Allison Frith geboren und hast als junge Erwachsene zunächst Kunst in den USA studiert. Ab 1989 hast Du in London Deine Musikkarriere mit Nachdruck verfolgt. Kam es dort zum Namenswechsel?

Ja, richtig. Neues Leben, neuer Name, Frith sollte privat bleiben. Die Idee dazu hatte ich über meine Mutter, die aus Nova Scotia (Kanada) stammt.


Felix Tod, Sänger von Candyland (der später Dein Ehemann wurde) und Youth (ex-Gitarrist von Killing Joke) wurden neben Abbo (Big Cat Records) zu prominenten Förderern Deiner internationalen Karriere ab 1990, richtig?

Ja, sie waren sehr wichtig, weil sie mich auf unterschiedlichste Art und Weise unterstützt haben (Demos, Plattenvertrag, Showsuche) und an mich und meine Karriere geglaubt haben. So ein Team brauchst Du besonders am Anfang.


Die Liste Deiner Veröffentlichungen ist lang, welche siehst Du als Meilensteine an?

Alle auf ihre Art und Weise, da sie zum Zeitpunkt ihres Entstehens jeweils mein aktuelles Leben reflektierten. „Oyster“ aus dem Jahr 1994 ist sicher eine Ausnahme dabei, da es mir den internationalen Durchbruch brachte.


Bei unserem Interview 2024 zu „Breath and Air“ warst Du bereits auf die Bermuda-Inseln zurückgekehrt. Was macht diese Gegend für Dich so reizvoll?

Hallo und danke, dass ich wieder dabei sein darf! Ich hänge sehr an der Landschaft und der Meereskulisse von Bermuda. Es fühlt sich in vielerlei Hinsicht wie ein Zuhause an – für meinen Geist, meinen Körper und meine Seele. Ich glaube nicht, dass ich jemals woanders leben werde.

Gibt es Gründe dafür, dass es nur ein Jahr gedauert hat, bis bei „The Orchard“ ein weiteres reguläres Album erschienen ist?

Ich schreibe sehr viel! Ich hatte also eine ganze Reihe neuer Songs und konnte es kaum erwarten, sie aufzunehmen. Warum warten, wenn die Musik schon fertig ist und nur darauf wartet, veröffentlicht zu werden?



Dieses Mal hast du mit dem Produzenten Tim Bran in London zusammengearbeitet. Wie bedeutend ist sein Beitrag?

Ich wusste, dass ich mit ihm arbeiten wollte, nachdem mir klar wurde, dass er sowohl die Alben von London Grammar als auch das Haevn-Album produziert hatte. Ich merkte sofort, dass er genau die richtige Mischung aus zeitgenössischen und klassischen Arrangement-Fähigkeiten mitbringt. Er schien in seinen Produktionen die Emotionen wirklich gut zur Geltung zu bringen und respektiert den Sound und die Identität des Künstlers. Außerdem ist er unglaublich gut darin, Gesang aufzunehmen. Das ist mir wichtig. Und als wir uns trafen, haben wir uns auf Anhieb gut verstanden, also wusste ich, dass es gut passen würde. Er ist auch einer dieser wahnsinnig talentierten Multi-Instrumentalisten, also waren die meiste Zeit nur wir beide im Studio und haben uns ganz unserem Flow hingegeben.



Steckt hinter dem Albumtitel „The Orchard“ eine tiefere Bedeutung?

Ja, das ist die Bedeutung hinter dem Song „The Orchard“. Die Idee dahinter ist, dass das wunderschöne Gefühl der Hoffnung und unser Glaube an die Liebe und das Staunen, das wir in unserer Jugend empfinden, immer noch in uns lebendig ist – selbst wenn wir uns gebrochen, besiegt und abgestumpft fühlen durch die Zeit, Enttäuschungen und Liebeskummer. Diese Freude und dieses Staunen sind immer noch tief in uns verborgen. Die Idee kam mir, als ich mich an meine erste Liebe erinnerte und an den Apfelgarten, in den wir immer gingen. Ich glaubte an die wahre Liebe. Ich dachte mir: Wenn sich Traumata tief im Körper festsetzen können, dann gilt das auch für Freude, Staunen und Unschuld. In dem Song gibt es eine Zeile: „Die Zeit bedeutet nichts für dieses sonnendurchflutete Herz.“



Wie und wo fügen sich neue Lieder wie „I Wish I Had A Mirror“ oder „In The Path of Hurricanes“ in deinen Lebensweg ein?

Lieder kommen einfach zu mir, wie Gedanken. Aus einem Gefühl heraus, aus einer Erfahrung. Manchmal entstehen sie aus einem flüchtigen Moment, in dem ich etwas Intensives empfunden habe, und manchmal entspringen sie einer Idee, über die ich schon eine Weile nachgedacht habe. „I wish I had a mirror“ hatte ich schon seit einiger Zeit im Kopf. Es gab ein paar Menschen in meinem Leben, für die ich den Song geschrieben habe. „Hurricanes“ kam mir eines Nachts in den Sinn. Ich verspürte dieses starke Gefühl von Freiheit und Sehnsucht. Ich habe den Beat in GarageBand aufgenommen und den ganzen Song in etwa einer Stunde geschrieben!



Insgesamt hast du 12 neue Songs geschrieben. Reine Unterhaltung, eine Art Infotainment oder eine strenge kritische Analyse von Gesellschaft und Politik?

Oje! Weder das eine noch das andere! Es sind, wie ich oben schon gesagt habe, Reflexionen über Momente im Leben. Es bereitet mir unglaubliche Freude, etwas zu erschaffen; aus dem Nichts etwas Schönes zu machen. Ich weiß nicht, es gibt meinem Leben einfach mehr Sinn, wenn ich schreibe. Ich bin so dankbar, dass die Lieder auch bei anderen Menschen in ihrem Leben Anklang finden. Das ist das Schönste überhaupt. Diese Verbindung.

Es fällt normalerweise schwer, über Lieblingslieder zu sprechen. Gibt es ein oder zwei, die besonders herausstechen, und wenn ja, warum?

Ich denke, „The Orchard“ sticht für mich besonders hervor. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich eine Stimmung und eine Idee auf eine Weise eingefangen habe, die mich wirklich berührt. Und die Produktion unterstreicht den Song perfekt, indem sie die Emotionen hervorhebt und die Bilder zum Leben erweckt.


Welche Musiker waren an der Produktion beteiligt? Und wird die Besetzung dieselbe sein, wenn du mit „The Orchard“ auf Tour gehst?

Die Musiker auf dem Album waren Tim Bran, ich selbst, der Schlagzeuger Alex Thomas und die Cellistin Midori Jaeger. Ich weiß noch nicht genau, wer auf Tour dabei sein wird.


Was hilft dir in deiner Freizeit, dich vom stressigen und anstrengenden Musikgeschäft zu erholen?

Nun, Musik entspannt mich eigentlich. Das Schreiben entspannt mich. Zeichnen auch. Aber ansonsten – lange Spaziergänge in der Natur, Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen und das Entspannendste von allem – mein Hund!


Text: Frank Keil Bilder: Sacha Blackburne

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