Der deutschsprachige Liedermacher und Sänger Heinz Rudolf Kunze blickt auf eine langjährige Karriere zurück, die 1981 mit dem Studioalbum „Reine Nervensache“ begann. Der studierte Lehrer entschied sich nach dem Referendariat für ein Leben als Künstler, dass mit einem Schallplattenvertrag 1980 begann. Am 12. September erscheint sein 47. Album „Angebot und Nachfrage“ (Meadow Lake/Believe) auf dem sich 16 Stücke über Herkunft, Heimat, Zugehörigkeit, Identität und Liebe mit all ihren Facetten finden. Zusammen mit dem Rockpoeten lassen wir seine außergewöhnliche Karriere überblicksartig Revue passieren.
Stammen Sie aus einem musikalischen Elternhaus? Mit welcher Musik sind Sie als Kind und Jugendlicher aufgewachsen, welche Künstler und Bands haben sie geprägt?
Ich komme aus einem Elternlehrerhaus. Mein Vater spielte Geige, meine Mutter Klavier und beide sangen auch im Kirchenchor. Ich selber hatte fast neun Jahre lang klassischen Klavierunterricht, lernte das Gitarre spielen bei Freunden und konnte dann meinen Klavierlehrer überzeugen mir ein wenig Blues und Jazz beizubringen. Mit 11 bekam ich von meiner Oma das Beatles-Album „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ geschenkt und von diesem Augenblick an war ich verloren für die klassische Musik.
Sie haben Lehramt (Germanistik und Philosophie) für das Gymnasium studiert, sich aber nach dem Referendariat für den künstlerischen Lebensweg entschieden, richtig?
Ja. Ich wurde im November 1980 Preisträger in der Sparte „Folk, Lied, Song“ auf dem Pop-Nachwuchsfestival im Stadttheater Würzburg der Deutschen Phono-Akademie. Daraufhin erhielt ich meinen ersten Plattenvertrag bei der WEA.
Ihr professioneller Umgang mit deutscher Sprache prägt heute ihren Werdegang. Gehen Sie dabei nach einem festen Schema vor?
Es kommt darauf an, was ich gerade mache. Bei Buch- und Musicalübersetzungen nehme ich mir täglich ein festes Pensum vor. Aber wenn ich für mich selber schreibe, überlasse ich mich mehr dem Zufall und warte bis ein Thema vorbeikommt. Das ist gottseidank oft der Fall, manchmal entstehen so bis zu sieben Texte an einem Tag, so dass ich am nächsten auch mit weniger zufrieden bin. Aber wenn ich drei Tage nichts zustande bringe, überlege ich schon, ob ich zum Psychiater muss.
Mit „Angebot und Nachfrage“ legen Sie ihr insgesamt 47. Album vor. Eine unglaublich umfangreiche Diskografie? Ist es Ihnen dennoch möglich den ein oder anderen Meilenstein ihrer Veröffentlichungen seit dem Debüt „Reine Nervensache“ (1981) zu benennen?
Ja, es sind sehr viele aus unterschiedlichen Bereichen, Studio, Live, Best Of, Sprechplatten und Alben mit meiner zweiten Band Räuberzivil. Und nein, alle Platten stehen mir sehr nah und ich könnte eher die wenigen benennen, die mir nicht so gelungen erscheinen. Aber das möchte ich nicht tun.
Welche Bedeutung kommt Ihrer Band Verstärkung einerseits und Produzent Udo Rinklin (u.a. Die Happy, Philipp Poisel) andererseits zu?
Die Band wird mir in der jetzigen Besetzung live immer wichtiger. Auf den Alben hat sie nur teilweise zu tun. Denn Udo spielt viele Instrumente und würde außer Schlagzeug alles selber aufnehmen. Und auf dem neuen Album hat er viele der Stücke mitkomponiert.
Gibt es eine Art ´Roten Faden´ der das Album mit seinen insgesamt 16 Stücken zusammenhält?
Der ´Rote Faden´ ist seit 1981 der Versuch im Rahmen eines Tonträgers die ganze Welt abzubilden, so wie sie gerade ist. Mit all ihren Problemen, Emotionen, Facetten, Grausamkeiten, Schönheiten Nachdenklichkeiten und Lustigkeiten. Mal gelingt es perfekt, mal weniger. Es kommt aber immer darauf an die Leute zu unterhalten.
Haben Sie den ein oder anderen Favoriten auf „Angebot und Nachfrage“ und wenn ja, um welche Titel handelt es sich?
Nein, es sind quasi alles meine Kinder und da soll man kein Kind bevorzugen.
Wie kam es zur Aufnahme des Hits „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem Jahr 1985 in der Version von 2025 mit Anett Louisan?
Ich kenne sie schon über 20 Jahre lang. Und sie stand auf meiner Liste von den Künstlern/Künstlerinnen mit denen ich gerne einmal zusammenarbeiten wollte. Und ihre Teilnahme verändert das Lied ja im Dialog ganz deutlich.
Sie waren den Großteil ihrer Karriere Partner von Major-Labels. Mit Meadow Lake gehen Sie nun eigene Wege?
Es ist das Label meines Managers. Die großen Major-Labels haben sich in den letzten Jahren sehr verändert und ich konnte in der Konstellation mit Meadow Lake einfach mehr erreichen. „Können vor Lachen“ erreichte so 2023 Platz 4 der deutschen Charts und das Album davor sogar Platz 3.
Haben Sie auf der aktuellen „40 Jahre Dein ist mein ganzes Herz“ Tour schon den ein oder anderen neuen Titel gespielt?
Nein, es ist ein reines Best Of-Jubiläum. Eine Art geplante Nostalgie-Show. Die Tournee zu „Angebot und Nachfrage“ folgt erst im Herbst 2026.
Waren Nebentätigkeiten wie Hochschul-Dozent, Schriftsteller, Schauspieler und Musicaltexter/Musicalübersetzer willkommene Abwechslung von der musikalischen Routine?
Ja und ich kann schlecht Nein sagen, so kamen viele Tätigkeiten mit Tönen und Worten zusammen.
Sie werden im November 69 Jahre alt. Haben Sie sich selber eine Grenze für die künstlerische Tätigkeit gesetzt?
Ich denke da an Willie Nelson und Bob Dylan. Ihr Alter macht mir Mut und ich orientiere mich an ihnen. Wenn man mich weiter hören mag und die Gesundheit es zulässt, gibt es keinen konkreten Abschiedstermin.
Es gibt auch den privaten Heinz Rudolf Kunze. Wie entspannen Sie von der Musik? Welche Hobbies haben Sie?
Bis vor Kurzem hatte ich einen Hund, den Fünften, der sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Und ich höre nach wie viel Musik und lese sehr gerne.
Text:
Frank Keil Bilder: Rene Gaens
heinzrudolfkunze.de