Jupiter Jones


Jupiter Jones

Jupiter Jones: Überrascht vom tollen Feedback

Anfang 2021 kehrten Jupiter Jones zurück - in kleinerer Besetzung. Nunmehr besteht die Band nur noch aus Sänger Nicholas Müller und Gitarrist Sascha Eigner. Die Zwei haben dann Ende des letzten Jahres ihr mit Crowdfunding finanziertes Album „Die Sonne ist ein Zwergstern“ veröffentlicht. Jetzt geht es auf Tour. Genug Gründe, mit Sascha Eigner zu sprechen.


Könnt Ihr beschreiben, wie es zu diesem Comeback kam? Hattet Ihr keine Zweifel, ob es Sinn macht, die Band wiederzubeleben und das inmitten einer weltweiten Pandemie, die das Kulturleben weitestgehend lahmgelegt hat?

Wir haben uns das erste Mal nach über fünf Jahren um Ostern 2019 getroffen - also noch vor der Pandemie. Wir haben danach beschlossen, zu versuchen, wieder zusammen Musik zu machen, ohne zu wissen, ob das wirklich funktioniert. Wir haben tatsächlich auch im August 2019 ein ganzes Wochenende mit Marco und Becks, unserem ehemaligen Schlagzeuger und Bassisten, geprobt und wollten eigentlich zu viert weitermachen. Die anderen beiden haben aber in den folgenden Monaten gemerkt, dass sie doch nicht mehr so wirklich den Weg des unsicheren Musikmachens gehen wollen. Da Nicholas und ich schon immer die Musik und die Texte gemacht haben, haben wir beschlossen, dass wir auch zu zweit guten Gewissens die Band weiterführen können und wollen. Die anderen beiden waren damit auch voll einverstanden. Die Pandemie hat dann leider natürlich alle Pläne, die wir hatten, durcheinandergebracht, und es wurde alles viel schwieriger, als wir uns das vorgestellt hatten. Trotz allem sind wir trotz Pandemie eigentlich ganz gut durch zwei Festivalsommer gekommen.


Ihr habt im Dezember Euer Album „Die Sonne ist ein Zwergstern“ auf Eurem eigenen Label Mathildas & Titus Tonträger veröffentlicht. Finanzieren konntet ihr das mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne. War es von vornherein klar, dass ihr diesmal die volle künstlerische Kontrolle behalten und alles lieber selbst machen wollt? Oder entstand diese Idee aus der Not heraus, kein geeignetes Label gefunden zu haben?

Wir haben schon mit einigen Labels gesprochen und hätten dort auch das Album veröffentlichen können. Allerdings waren die Angebote in vielen Punkten nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Darum waren wir dann so mutig, das Ganze selbst in die Hand zu nehmen. Das bedeutet natürlich wesentlich mehr Arbeit und auch finanzielle Unsicherheit, aber hat auch wirklich sehr viel Spaß gemacht, wenn man wirklich alles, was man sich so ausdenkt, einfach so umsetzen kann ohne Rücksprache mit vielen anderen Beteiligten.


Wo hattet Ihr im Nachhinein das Gefühl bei den Vorgängeralben, dass Ihr nicht zu 100% das umsetzen konntet, was Ihr Euch vorgestellt hattet?

Bei jedem Album fallen mir Dinge auf, die ich gerne im Nachhinein nochmal verändert hätte. Das ist total normal und auch okay. Unser zweites Album „Entweder geht diese scheussliche Tapete - oder ich“ finde ich ist zum Beispiel das unfertigste Album von uns. Da war sehr viel Unsicherheit und Unruhe in der Band. Das merke ich immer wieder, wenn ich diese Songs höre.


Ist es vielleicht auch einfacher, eine Band zu dirigieren, wenn diese nur noch aus zwei Personen besteht? Man ist sich vielleicht schneller einig und kann enger zusammenarbeiten. Oder täuscht das?

Klar ist das viel einfacher. Ich bin zwar Fan einer kollektiven Entscheidungsfindung, aber mit zwei Personen (plus Management) ist das auch viel einfacher als mit vier Personen.

Würdet Ihr im Rückblick Crowdfunding anderen Acts/Künstlern empfehlen? Sicherlich muss man einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, um genug Aufmerksamkeit und genügend „Spender:innen“ zu generieren.

Ein Crowdfunding ist immer eine tolle Sache, weil man so direkt beim Fan ist. Als etwas kleinerer Act muss man sicherlich eine Schippe drauflegen was das Generieren von Kreativität und Aufmerksamkeit angeht. Ich würde es aber jederzeit empfehlen, es zu versuchen.


Ihr wolltet mindestens 50.000 Euro zusammenkriegen. Letztlich waren es knapp über 70.000 Euro von 1.060 Unterstützer:innen. Wart Ihr von der Resonanz überrascht? Gab es auch Kritik?

Wir waren total überrascht von dem tollen Feedback. Die Menschen haben ja das Album und auch teure Boxen gekauft, ohne einen einzigen Ton Musik gehört zu haben. Das war schon ein ganz schöner Sprung ins kalte Wasser. Kritik gab es im Nachhinein über die lange Wartezeit auf das Album. Leider hat sich die Fertigstellung durch die Pandemie und auch zum Beispiel durch Krankheit länger als geplant nach hinten verschoben.


Nachhaltigkeit ist Euch an Anliegen. Inwiefern ist das Album nachhaltig geworden? Bei Vinyl und CDs kann man dies ja auch immer nur bis zu einem gewissen Grad umsetzen. Aber natürlich gibt es darüber hinaus Mittel und Wege, auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen. Was habt ihr das getan?

Wir hätten es gerne etwas mehr nachhaltiger gemacht als es letztendlich geworden ist. Zum Beispiel wollten wir unbedingt recyceltes Vinyl verwenden. Leider war das auf dem Weltmarkt nicht mehr zu haben wegen der Rohstoffknappheit und dem generell total überlaufenen Vinylmarkt. Wir haben aber etwa einen mit Siebdruck veredelten einfachen Pappkarton als Box für die Deluxe Version genommen. Oder natürlich nur Bio- und fair produzierte Rohwaren für das Shirt genommen. Und auch unser Merchandise-Dienstleister, der das Ganze versendet hat, verwendet keinerlei Plastik mehr für die Verpackung.


Habt Ihr Euch auch über nachhaltiges Touren Gedanken gemacht? Ist das überhaupt realisierbar - auch in finanzieller Hinsicht?

Wenn wir mit dem Nightliner reisen, dann ist das ja schon etwas nachhaltiger. Wir sind dann mit ca. 15 Personen in einem Bus und schlafen auch dort. Wenn der dann noch elektrisch oder mit E-Fuels betrieben werden könnte, wären wir da schon sehr gut unterwegs. Mit der Bahn ist Touren mit so vielen Personen und Equipment leider nicht zu machen.




Vielen Dank an Sascha Eigner!

Text: Kai Florian Becker

https://ffm.bio/jupiterjones