Kid Kapichi


Kid Kapichi

Kid Kapichi: Hoch gehandelter Rock-Export

Das aus Hastings/England stammende Quartett wurde 2013 von unserem Gesprächspartner, dem Sänger und Gitarristen Jack Wilson gegründet. Die Geschichte der Band nahm dank des energetischen Genre-Mix aus UK-Punk Rock und US-Alternative Rock beständig an Fahrt auf. 2022 eröffnete die Band auf Wunsch von Liam Gallagher sogar seine Show in der Londoner Royal Albert Hall. Nach Tourneen durch Nordamerika und durch Europa fügen sie mit „There Goes The Neighbourhood“ ihrer Diskografie das dritte Studioalbum hinzu.

Kannst Du mir ein wenig über die Anfänge der Band erzählen, wie alles begann?

Ben Beetham (Gitarre, Gesang) und ich begannen zusammen Musik zu schreiben und waren überzeugt, dass wir damit Beruf und Berufung gefunden hatten. Wir holten unsere Schulfreunde Eddie Lewis (Bass) und George Macdonald (Schlagzeug) hinzu und sind seitdem in unveränderter Besetzung als ´brothers´ von Hastings aus aktiv.


Gibt es die ein oder andere Band, die euch anfänglich besonders inspiriert hat?

Bei Ben und mir waren es die Londoner The Libertines. Ansonsten hat jedes Bandmitglied eigene Vorlieben, bei mir sind es The Clash, The Specials und Madness mit denen ich aufgewachsen bin. Auch HipHop, Elektro und Brit-Pop finden Platz, unsere stilistische Vielfalt geht dementsprechend über Punk Rock und Alternative Rock hinaus.


Wie würdest Du die Entwicklung vom Debüt „This Time Next Year“ (2021) über „Here´s What You Could Have Won” (2022) bis hin zu „There Goes The Neighbourhood” charakterisieren?

Unser Debüt war sehr DIY-lastig, sehr unorganisiert und erschien im Selbstverlag. Das zweite Album war fertig und wurde bereits in Zusammenarbeit mit dem Plattenlabel Spinefarm Records herausgebracht. Alles war schon professioneller und wir konnten uns schnell als Künstler weiterentwickeln. Die aktuellen Aufnahmen fühlten sich sehr natürlich an, nach vielen Tourneen im In- und Ausland sind wir selbstbewusste Musiker geworden. Und können auf die volle Unterstützung des Labels verlassen, bei größtmöglicher künstlerischer Freiheit.


Du hast die Tourneen angesprochen, zuletzt seid ihr in Nordamerika im Vorprogramm von Nothing but Thieves unterwegs gewesen. Wirkt der Brexit bei Auftritten in der EU noch nach?

Auf jeden Fall, es nervt noch immer gewaltig, aber man hat sich auch irgendwie daran gewöhnt. Der ganze Papierkram wird uns gottseidank vom Management abgenommen. Für junge Bands ist die ganze Prozedur natürlich noch viel schlimmer.


Kommen wir auf „There Goes The Neighbourhood” zu sprechen. Die 11 Stücke zwischen „Artillery“ und „Jimi“ entstanden erneut unter der Regie von Dom Craik, richtig?

Ja, der Gitarrist und Keyboarder von Nothing but Thieves ist mit uns befreundet. Und dann kam noch Jonathan Gilmore bekannt von 1975 mit in das Team. Wir haben letztes Jahr aufgenommen in einigen Sessions. Und ich sitze tatsächlich schon an neuen Stücken für das vierte Album. „Artillery“, den Opener haben wir tatsächlich mobil auf Tour im Van in Frankreich aufgenommen, aus Zeitgründen.

Siehst Du das gesamte Album nach wie vor als "working class"-statement?

Ja, denn trotz dem Plattenvertrag hat sich unser Leben nicht grundlegend verändert, die Eckpfeiler bleiben unsere Familien und Freunde in Hastings. Zu vielen Songs kannst Du gleichermaßen protestieren wie Party machen. Und ich denke, diese Bodenständigkeit schätzen auch unsere Fans. Natürlich gibt uns die jetzige Regierung genügend Gründe sich gesellschaftlich und politisch mit den bestehenden Zuständen auseinanderzusetzen. Aber wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger predigen, die Leute sollen die Songs hören und sich selber ein Urteil über die angesprochenen Themen bilden.


Habt ihr trotzdem Favoriten unter den 11 Stücken? Und wie sieht es mit Videos aus.

Die haben wir. „999“, ein Stück das jetzt doch noch unerwartet Single geworden ist. ich persönlich mag „Can EU Hear Me?“, der Brexit-Song und dann „Jimi“, gewidmet einem engen Freund von mir. Aktuell haben wir mit „Let´s Get To Work“, „Tamagotchi”, “Get Down” und “999” vier Videos gedreht.


Nicht zu vergessen „Zombie Nation“, für den ihr einen bekannten Gast gewinnen konntet, oder?

Ja, Graham McPherson alias Suggs ist ein englischer Sänger, Songwriter, Schauspieler und ehemaliger Radio-DJ. Er wurde als Frontmann der Band Madness bekannt und hatte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre einige Solo-Hits. Und der Videodreh mit ihm hat richtig Spaß gemacht.


In Kürze werdet ihr auf eine Headliner-Tournee durch Europa gehen?

Das stimmt. Erst kommen UK-Promo-Akustik-Shows, dann ab Ende März sind wir regulär unterwegs. Für April sind zunächst drei Konzerte in Deutschland, in Köln, Hamburg und Berlin vorgesehen, für Sommer-Festivals werden wir später wiederkommen. Und Japan ist für 2024 auch im Gespräch.


Viel zu tun also für die einzelnen Mitglieder und als Band. Bleibt da momentan noch Zeit für Hobbies?

Ich nehme mir die Zeit für Shows von unbekannten lokalen Künstlern/Künstlerinnen und gehe gerne zum Fußball.





Vielen Dank an Jack Wilson!

Text: Frank Keil

Bilder: Gavin Watson & Monkey Chops Photography

kidkapichi.com