Klez.e


Klez.e

Klez.e: Indie-Tiefgang ohne Zeigefinger

Die 2002 in Berlin gegründete Formation Klez.e veröffentlicht nach sieben Jahren Pause mit „Erregung“ ihr fünftes Album (Windig/Cargo). Die vom Quintett zum Trio geschrumpfte Band um unseren Gesprächspartner, den Sänger, Gitarristen & Bassisten Tobias Siebert, bewegt sich nach wie vor im musikalischen Spannungsfeld zwischen Indie-Pop, Indie-Rock, New Wave, Post Punk und Elektronik. Siebert, der bisher alle Klez.e-Alben produziert hat, zeichnete sich seit 2000 auch als Produzent für zahlreiche andere Bands (unter anderem Juli und Phillip Boa) und Projekte in seinem Studio in einem umgebauten Hof in der Nähe von Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern aus.


Welche Künstler, Künstlerinnen und/oder Bands haben Dich inspiriert selber professionell Musik zu machen?

Ich bin zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin aufgewachsen und wir haben zuhause viel West-Radio gehört. Da habe ich zunächst Depeche Mode für mich entdeckt und später dann The Cure. Und als ich dann nach der Wende Depeche Mode live in Berlin gesehen habe, wollte ich auch selber Musik machen.


Was 2002 zur Gründung von Klez.e führte. Wie seid ihr auf den eher ungewöhnlichen Bandnamen gekommen?

Vom Computervirus Klez, der Anfang der 1990er Jahre in unterschiedlichen Varianten im Umlauf war. Und ich hatte Klez.e auf meinem Computer, einen Störenfried in der neuen Computerlandschaft. Schien uns irgendwie passend für eine kritische Band mit Tiefgang.


Wer außer Dir ist in der Band verblieben und hat „Erregung“ zusammen mit Dir eingespielt?

Die beiden Gründungsmitglieder Daniel Moheit (Bass, Synthesizer, Orgel) und Filip Pampuch (Schlagzeug, Percussion). Die anderen beiden Musiker haben sich für andere Lebenswege entschieden.

Werden die neuen Titel, acht an der Zahl, von einer Art "Rotem Faden" zusammengehalten?

Mit dem Studio-Vorgängeralbum „Desintegration“ (2077) und dem Live-Album „November“ (2017) nach einer tollen Tourneephase haben wir rund 50 Demos aufgenommen und wollten schneller als sonst nachlegen. Doch dann kam die Pandemie mit all ihren bekannten Folgen. Eckpfeiler für die Songs ist die Erregung in all ihren Formen, positiven und negativen. Ich habe mich mal wieder mit der Hamburger Schule beschäftigt, mit Bands und Texten der frühen Bands dieser Bewegung und die haben mich ebenfalls lyrisch erregt.


Klez.e-Texte aus Deiner Feder sind deutlich mehr als reine Unterhaltung, eine deutliche und kritische Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik.

Ja, wir sind ein Spiegel der Gesellschaft und gehen selbstverständlich auf die aktuelle politische Situation ein, die negative Erinnerungen an die frühe Nachwendezeit weckt. Ich vermische Politisches und Privates, Vergangenheit und Gegenwart und ich spare nicht mit Zeit und Worten wie im titelgebenden Album-Opener.


Welche Rolle spielen denn dann Daniel und Filip für den Entstehungsprozess neuer Titel?

Ich komme mit inhaltlichen Ideen, wir schreiben die Songs zusammen, feilen gemeinsam am musikalischen Stil und nehmen als Gruppe auf. Die acht Stücke waren dieses Mal in zwei Wochen fertiggestellt.


Im März geht ihr auf eine ausgedehnte Deutschland-Tournee, bei der Das Feuilleton im Vorprogramm auftreten werden. Hat Live-Präsenz nach wie vor eine große Bedeutung für euch?

Auf jeden Fall. Es gibt jeden Abend eine andere, lange Set-Liste. Wir lieben es auf Tournee zu sein und vor Publikum aufzutreten.


Mit And The Golden Choir unterhältst Du auch noch ein Soloprojekt. Wo liegen die wesentlichen Unterschiede zu Klez.e?

Das unterscheidet sich in den meisten relevanten Punkten deutlich voneinander, seit der ersten And The Golden Choir-EP aus dem Jahr 2012. Da greife ich gute Ideen, die es nicht in den Bandkontext geschafft haben, auf. Ich bin da auch Multiinstrumentalist und spiele alles selber ein. Eine Mischung aus Singer/Songwriter, Weltmusik mit komplett anderer Stimme als bei Klez.e. Und alles auf Englisch. PJ Harvey, Dead Can Dance, in diese Richtung geht es grob. Live gibt es da etwas ganz Besonderes dazu. Ich habe die einzelnen Stücke auf Schallplatte gepresst und bei den einzelnen Titeln fehlt jeweils der Hauptgesang und ein Instrument. Das ergänze ich dann auf der Bühne zur jeweiligen Platte.




Vielen Dank an Tobias Siebert von Klez.e!




Text: Frank Keil

Bilder: Andreas Hornoff

Website: www.klez-e.de