Nachdem die Multiinstrumentalistin lange Jahre am Lyoner National Conservatory Cello studiert hatte, wendete sie sich von der klassischen Musik ab und machte als Art Direktorin Visual Arts zu ihrem Beruf. Nach ihrer Scheidung entdeckte die zweifache Mutter ihre Liebe zur Musik wieder und gab ihrer Passion durch Rock und Metal Ausdruck. Zusammen mit ihren versierten BandkollegInnen Mitch, Laura und Enzo startet sie mit dem zweiten Album „Battlestaion“ endgültig international durch.
Welche Art von Musik hat dich als Kind und Teenager angesprochen und musikalisch geprägt?
Im Alter von 13 Jahren habe ich The Who entdeckt und dann hat mich der Musiksender MTV in vielerlei Hinsicht inspiriert und mir zahlreiche KünstlerInnen und Bands wie u.a. David Bowie und Guns ´n´ Roses nähergebracht.
Bist Du nach Deinem Studium in Lyon, der drittgrößten Stadt Frankreichs geblieben, um dort zu leben und zu arbeiten?
Nach meinem Cello-Studium trat die Klassik in den Hintergrund und ich wandte mich dem Grafikdesign zu. Zunächst für unterschiedliche Medien, aktuell für eine Münchner Denim-Firma. Aber nicht in Lyon, sondern in Biarritz an der baskischen Küste im Südwesten, wohin ich als begeisterte Hobby-Surferin gezogen bin.
Wann hat Dich die Liebe zur Musik wieder gepackt und erneut ihren Ausdruck gefunden.
Nach meiner Scheidung. Ich habe mein Leben neu aufgestellt und versuche seitdem die Kinder, den Job und die Musik bestmöglich miteinander zu kombinieren.
Während des Covid-19-Lockdowns hast Du mit kreativen und lustigen Coverversionen in den sozialen Medien Aufmerksamkeit erregt, die zu einem Album wurden?
Ja, „To Sing In French” war mein selbst produziertes Debüt aus dem Jahr 2023. Dabei hat mich nur mein Bruder unterstützt. Es war eine Mischung aus Indie und Alternative-Rock.
In den letzten zwei Jahren gab es nachhaltige Veränderungen. Du hast eigene Stücke geschrieben und parallel eine Band zusammengestellt, was stilistisch mehr in Richtung Rock & Metal tendiert.
Ja, die professionelle Unterstützung mit gleichen Zielen hat aus dem anfänglichen Projekt eine Band geformt. Wir proben viel in Biarritz und versuchen rasch neue Level zu erreichen. Und mit der Band habe ich jetzt auch genügend Songs zusammen, um ein energetisches Live-Set anzubieten, was ich mit den neun Stücken meines Debüts noch nicht hatte.
Sind Mitch, Laura und Enzo an der Entstehung der Musik und den Texten beteiligt, oder kommst Du mit fertigen Entwürfen zur Probe?
Bisher habe ich alles alleine fertiggemacht und sie haben gelegentlich kleine Veränderungen angebracht. Zukünftig kann es aber durchaus sein, dass sich alle mehr einbringen.
Um welche Inhalte geht es in Deinen Texten, woher stammen die Ideen dafür?
Es geht um das wirkliche Leben, das Leben um mich herum. Was ich fühle und was ich erlebt habe. Daher ist es auch kein Konzeptalbum, sondern eher eine Sammlung aus den letzten Jahren, eine Art Lebensbilanz.
Für „Battlestation“ habt ihr insgesamt 13 Stücke zwischen dem titelgebenden Opener über „The Famous Last Words“ bis hin zu „Counter Clockwise“ eingespielt. Sie stehen Dir sicher alle nah, aber hast Du trotzdem einen Favoriten?
Ja, den habe ich und es ist der Titel „Knud“, kurz, prägnant, kraftvoll. Sonst bevorzuge ich aber keines der anderen Stücke.
Durch die Zusammenarbeit mit der Bookingfirma WE – Live Agency, die unter anderem Quiet Riot, Sebastian Bach, Sodom und Vince Neil (Mötley Crue) vertritt, konntet ihr sogar auf der Main Stage beim weltweit bekannten Hellfest auftreten. Ein Gewinn?
Auf jeden Fall. Sie sind super vernetzt und ermöglichen uns mit dem Album ab Herbst europaweit auf Tournee zu gehen und auch in Deutschland aufzutreten.
Die Zeiten von MTV und VIVA sind Geschichte. Lohnt es sich überhaupt noch professionelle Videos zu drehen. Ihr seid diesbezüglich ja sehr aktiv, „Ride The Wired Wild Tiger“ feat. Satchel von Steel Panther ist ja nur ein Beispiel für eure rege Aktivität.
Wir lieben es unsere Songs auch visuell umzusetzen und können dabei auf die großartige Unterstützung vieler Freunde zählen, getreu unserem derzeitigen Motto ´work in progress´.
Wie entspannt die private Lucie Sue vom anstrengenden Alltag zwischen Familie, Job und Musik?
Meine Kinder bereichern mich. Das Surfen habe ich für die Musik aufgegeben. Und wenn ich ein wenig Zeit habe, kümmere ich mich um meinen kleinen Garten.
Text:
Frank Keil Bilder: Xavier Ducommun
luciesue.com