Malasañers


Malasañers

Malasañers: Elektrifizierte Folkmusik mit Botschaft

Anfänglich von traditionellem Irish Folk (u.a. The Dubliners) beeinflusst, entwickelten die 2012 entstandenen Malasañers schnell ihren eigenen Stil. Ihr Bandgründer, Sänger und Gitarrist Carlos del Pino zog 2014 von der spanischen Hauptstadt aus nach Bamberg und entwickelte die Band dort mit Punk und Rock weiter. Inspiriert von der Zusammenarbeit mit irischen, schottischen und walisischen Schriftstellern legt der Spanisch-Lehrer auch viel Wert auf inhaltlich anspruchsvolle Texte. Kürzlich hat das Quartett mit "Venceremos" sein drittes Album (Galileo Music) veröffentlicht. Im Gespräch mit Carlos lassen wir die Geschichte der Band Revue passieren.

Hat der Bandname Malasañers eine tiefergehende Bedeutung und wenn ja, welche?

Carlos del Pino: Der Bandname ist eine Anlehnung an die junge Schneiderin Manuela Malasaña aus Madrid, die im spanischen Freiheitskampf gegen Napoleon 1808 von französischen Soldaten erschossen wurde.


Euer Debüt „Spanish Eyes“ erschien 2014 auf dem Label Wolverine Records. Mit dem Nachfolger „Footprints!“ (2018) endete diese Zusammenarbeit. Wie bewertest Du die beiden Veröffentlichungen heute rückblickend?

„Spanish Eyes“ erzählte Geschichten von Krieg, sozialer Ungerechtigkeit und langen Party-Nächten. Dieses erste Album ermöglichte es uns, in Deutschland auf Tour zu gehen und uns mit anderen Folkpunk-/Folkrock-Bands zu messen. Das zweite Album, „Footprints!“ zeigte eine offenere Tendenz zu anderen Stilen wie Country, amerikanischem Folk und hatte einen gewissen spanischen Touch, der die Malasañers nach wie vor besonders macht.

Mit Deinen drei Mitstreitern scheinst Du schon länger eine Wunschbesetzung gefunden zu haben. Wer komplettiert denn aktuell das Quartett?

Nach einigen personellen Wechseln habe ich tatsächlich mit Cornelius Appun (Gesang/Gitarre), Andreas ´Randy Andy´ Neuner (Kontrabass) und Dominik Schödel (Schlagzeug) meine Wunschbesetzung gefunden. Letztendlich inspiriert diese Musiker alles, was musikalisch im Spannungsfeld zwischen Ska, Country, Punk, Folk, Rockabilly/Rock´n´Roll und Rock angesiedelt ist. Eine Besonderheit ist sicher der Einsatz von Kontrabass statt E-Bass.


Wie viele andere auch, wurde die Band von Covid-19 ausgebremst, aber die Pandemie hat euch nicht davon abgehalten, neue Stücke zu schreiben.

Das stimmt. Seit 2020 habe ich mit Cornelius intensiv an neuen Stücken gearbeitet. Der Einfluss aus Spanien wurde nochmals stärker, stilistisch haben wir uns mehr Vielfalt zugetraut. Und neben Stücken auf Spanisch und Englisch haben wir uns auch an Deutsch als Sprache gewagt.

Mit Hilfe eures Bookers kam Ende 2022 der Kontakt mit Galileo Music zustande, wo ihr im Januar 2023 einen Plattenvertrag unterschrieben habt. Drei Monate später liegt „Venceremos“ vor uns“, auf dem ihr 13 Stücke anbietet. Bist Du so kurz nach der Veröffentlichung mit dem Ergebnis zufrieden?

Auf jeden Fall. Mit „Scheiss Drauf“ präsentieren wir unseren ersten deutschsprachigen Song, wir sind gespannt wie er aufgenommen wird. Neben Anspieltipps wie „Rise And Fall“ (zu dem bereits ein Video existiert), „Serenata“ (Skapunk mit spanischen Einflüssen) und lupenreinem Poppunk auf „Shine“ haben wir bei unserem selbstproduzierten dritten Album auch Musik für ruhige Momente parat, wie die Balladen „Put A Light In Your Window“ und „Troubles“ eindrucksvoll beweisen.


Magst Du drei der aktuellen Titel mit eigenen Worten kurz vorstellen, innerhalb der Band hat ja jeder sicher den ein oder anderen Lieblingssong.

„Rise And Fall“: Er beschreibt die Höhen und Tiefen im Leben, von denen man sich nicht bremsen lassen sollte um weiter voran zu kommen, egal was es kostet.

„Scheiss Drauf“: Der Morgen nach eine harten Partynacht, ups, wer liegt da neben mir im Bett… In solchen Nächten kann man Fehler machen, dadurch andere Menschen verletzen und verlieren, doch am Ende lebt man von seinen Erlebnissen und muss manchmal einfach hart feiern.

„Venceremos“: (Auf dt. „Wir werden siegen“) handelt vom Kampf gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei. Hier haben wir uns von der realen Tatsache des Krieges in der Ukraine inspirieren lassen.

Social Media ist sicher auch für euch ein wichtiges Thema, oder?

Ja, wir sind auf den gängigen Plattformen aktiv, versuchen den Kontakt zu unseren Fans auszubauen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf unser neues Video zu „Venceremos“ hinweisen, dass seit zwei Wochen erfolgreich online ist.


Wie geht es für den Rest des Jahres mit den Malasañers weiter?

Nach unzähligen Shows im In-und Ausland mit bekannten Acts wie The Rumjacks, Fiddler´s Green, Mr. Irish Bastard oder den Real McKenzies brennen wir jetzt darauf die neuen Stücke auf die Bühne zu bringen. Und unsere ´working class´-Themen, das Streben nach sozialer Gerechtigkeit oder ein Plädoyer für das friedliche Miteinander über Grenzen hinweg sind aktueller denn je.



Vielen Dank an Carlos del Pino!

Text: Frank Keil
Bilder: Sören Wittmann/Lukas Hussong

www.malasaners.com