Marillion, Montreal & Leonard Cohen


Marillion, Montreal & Leonard Cohen

Ein neues Buch über einen Spagat zwischen Prog-Rock und Rock-Poesie

Marillion-Frontmann Steve Hogarth im Gespräch mit dem Buchautor Prof. Dr. Christof Graf: Zeitnah zum Album- und Tour-Comeback der britischen Prog Rock-Band „Marillion“ erscheint das Buch „Marillion, Montreal & Leonard Cohen“ des Saarbrücker Autors Christof Graf. Es ist der sechste Band der sogenannten „The Cohenpedia Series“, die sich mit unterschiedlichsten Aspekten des Lebens und Werks des kanadischen Rockpoeten beschäftigt. Der sechste Band beschreibt den Spagat zwischen Prog-Rock und Rock-Poesie und die Affinität von Marillion zu Leonard Cohens Heimatstadt Montreal.

Bevor Marillion im November 2023 erneut auf Tournee gehen, fand in Montreal zum sechsten Mal das „Marillion Weekend“-Festival statt. Neben dem Besuch dieser Konzertreihe begab sich Graf auch auf Spurensuche nach ehemaligen Wirkungsstätten Leonard Cohens und erstellte einen bilingualen und interaktiven Stadtführer für Leonard Cohens Heimatstadt. Wegeskizzen (mit QR-Codes und Google Maps-Links), Adressen, unveröffentlichte Fotos, Interviews, Künstler-Timelines & Geschichten rund um „Marillion, Montreal & Leonard Cohen“ komplettieren den 500-seitigen informationsreichen „Leonard Cohen Montreal City Guide“.


Auf dem aktuellen Marillion-Album „An Hour Before It`s Dark“ ist mit „The Crow And The Nightingale“ sogar ein Liebeslied für Leonard Cohen. Über „Marillion, Montreal & Leonard Cohen“ unterhielt sich Christof Graf für sein Buch auch mit dem Marillion-Sänger Steve Hogarth.

Prof. Dr. Christof Graf: Was verbirgt sich hinter dem Albumtitel?

Steve Hogarth: Er entstammt aus den letzten vier Worten des Liedes „Be Hard On Yourself“. Im Englischen handelt es sich dabei um die letzte Stunde, in der man als Kind draußen spielen darf. Diese Worte stehen aber auch für die Reflektion unserer Zeit. Für mich ist es auch eine Anspielung auf den Kampf gegen die Zeit in der Klimakrise. Wenn wir so weitermachen, töten wir nicht nur den Planeten, auf dem wir leben, sondern auch uns selbst.


Fühlst du dich eher als musizierender Poet oder mehr als schreibender Musiker?

Die Texte entstehen zuerst, ohne dass ich mich dabei als einen Poeten bezeichnen würde. Irgendwann im Studio treffen meine „Gedichte“ dann auf die Marillion-Musik, die wiederum auf der Grundlage von täglichen Jam-Sessions basiert.

Was hat es mit dem Song „The Crow And The Nightingale” auf sich?

Wenn du selbst Singer/ Songwriter bist, gibt es eigentlich nur zwei andere, in die du dich verlieben kannst. Bob Dylan und Leonard Cohen. Sie sind die lyrischen Genies. Ich liebe die Musik von Leonard Cohen liebe und spiele in meinen „h“ – Solo-Konzerten schon seit fast 20 Jahren immer wieder meinen Lieblingssong „Famous Blue Raincoat“. Ich liebe die Art, wie er Texte schreibt und Songs strukturiert. Ich liebe es, wenn ich mich beim Anhören eines Liedes wie in einer Kurzgeschichte fühle. Darin ist Cohen ganz groß, darin kann ihn keiner schlagen. Für den Song „The Crow And The Nightingale“ ließ ich mich von Cohens Gedichtband „Book Of Longing” inspirieren, aber ich denke, ich bin die Krähe und Cohen die Nachtigall.


In dem Song „Montreal“ auf dem Marillion-Album „Sounds That Can’t Be Made“ (2012) schriebst Du schon einmal eine Art frühe Hommage an den kanadischen Songwriter?

Wäre ich zu jener Zeit nicht mit Marillion in Montreal auf Tour gewesen, hätte ich wohl Leonard Cohens Konzert in London besucht. Die Zeilen entstanden im Anflug auf Montreal, als ich meine Gedanken dazu in mein Tagebuch schrieb.

Auf dem Album wechseln sich Melancholie und Optimismus ab. Zufall oder Kalkül?

Wir wollten auf keinen Fall ein Album machen, das sich auf die Pandemie bezieht. Andererseits haben wir festgestellt, dass in Zeiten einer Pandemie nichts passiert, was nicht von ihr tangiert wird. Ich bin niemand, der eine Verschwörungstheorie bildet, aber vielleicht gibt es zu viele Menschen auf diesem Planeten und er reinigt sich selbst. Vielleicht gibt es einfach zu viel von allem, was nicht dorthin gehört, wo es gerade ist. Zu viel Müll in den Meeren, zu viele Abgase in der Luft, etc.


Hast Du Dich jemals als Ersatz vom früheren Sänger Fish gefühlt?

In den Jahren nach Fish kam ich mir wirklich etwas wie der Ersatzmann vor. Vielleicht hätten wir uns damals wirklich nicht mehr „Marillion“ nennen sollen und mit einem neuen Namen weitermachen sollen. Was nach meinem Einstieg passierte, klang wirklich nach einer neuen Band. Marillion sind keine Band, die zurückschaut, aus welchem Grund wir uns über solche Fragestellungen eigentlich keine Gedanken machen. Jedes unserer Alben ist eine Art Reflexion unserer jeweils aktuellen Zeit; das ist, was für uns mehr zählt als die Vergangenheit. Marillion schätzt den Beginn ihrer eigenen Geschichte sehr, schreibt aber von Album zu Album an dieser fort und fügt Kapitel für Kapitel hinzu.


Vielen Dank an Steve Hogarth!

Interview: Prof. Dr. Christof Graf
Bilder: Prof. Dr. Christof Graf

marillion.com


Zum Buch:
Marillion, Montreal & Leonard Cohen
COD-Verlag, Saarbrücken, 2023
Ca. 500 Seiten, Euro: 29,90.-

ISBN 978-3-945329-21-4

Über das Buch auf cohenpedia.de