Entertainer Oliver Kalkofe ist auf Tour zu seinem neuen Buch „Nie war Früher schöner als Jetzt“. Seine satirische Parodie mit Herz ist persönlich und witzig zugleich und verspricht feinste Unterhaltung. Und doch hat der Schauspieler und Komiker aus Berlin noch jede Menge mehr zu bieten, wie wir im persönlichen Gespräch mit dem 61jährigen Multitalent erfuhren.
Nach Abitur und Ausbildung (Fremdsprachenkorrespondent/Wirtschaftsdolmetscher in Englisch und Französisch) haben Sie ein Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Publizistik, Anglistik und Germanistik) begonnen. Haben Sie es auch mit einem Abschluss beendet oder während des Studiums bemerkt, dass sie sich eher beruflich in der Unterhaltungsbranche sehen?
Während meines Studiums kam ich für ein Praktikum zu radio ffn in Niedersachsen. Das sollte eigentlich nur vier Wochen dauern, aber die aktive Arbeit hat mich dann doch wesentlich mehr interessiert als die Theorie. Ich wurde innerhalb kürzester Zeit fester freier Mitarbeiter und Mitglied der legendären Comedy-Sendung FRÜHSTYRADIO– und obwohl ich immer noch fleißig versuchte, mein Studium ordnungsgemäß zu beenden, musste ich mich letztlich zwischen Festanstellung beim Radio oder Studienabschluss entscheiden. Daher brach ich kurz vor dem Magister ab – habe es aber nie wirklich bereut.
Ihre Medienkarriere kam also mit der Comedysendung FRÜHSTYXRADIO (mit dabei ihr früherer Studienkollegen Oliver Welke) richtig in Schwung. Ihre komödiantischen Talente blitzten da schon auf, besonders bei der Comedyfigur Onkel Hotte. Wie haben Sie dann den Sprung in das deutsche Fernsehen geschafft?
Das Schicksal hat es so gewollt, ich selber hätte nie gedacht, dass man mich vor eine Kamera lässt. Eigentlich hatte ich ein typisches Radiogesicht. Aber Mitte der Neunziger war man auf im Fernsehen noch wesentlich mutiger, die Sender waren noch innovativer. Das Privatfernsehen war neu und alle Sender wollten zeigen, was sie können, jeder wollte beweisen, wie verrückt und kreativ er sein kann. Premiere (der Vorgänger von SKY) war der erste Pay-TV-Kanal in Deutschland und gönnte sich eine kleine unverschlüsselte Insel für alle, da ging es vor allem um verrückte Ideen und Aufmerksamkeit. Das war meine Chance, meine Radio-Kolumne KALKOFES MATTSCHEIBE auch auf den Bildschirm zu bringen.
In der Sendung Kalkofes Mattscheibe vereinen sie viele Talente, unter anderem Schauspieler, Komiker, Kabarettist und Satiriker. Gibt es innerhalb ihres Berufsfelds bis heute Wertigkeiten oder lieben sie alle diese Tätigkeiten mit der gleichen Hingabe?
Ich habe wirklich Spaß an all meinen unterschiedlichen Tätigkeiten und bin sehr dankbar, dass es mir bis heute noch nie langweilig wurde. Ich liebe es, Texte zu schreiben, genauso wie in verschiedene Rollen zu schlüpfen oder entspannt einen Podcast zu machen. Und immer wenn ich die eine Arbeit mache, vermisse ich ein klein wenig die andere. Ich hatte das große Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können.
Die Sendereihe #SchleFaZ (früher Tele 5, inzwischen bei NITRO), wo sie mit Peter Rütten B-Filme zeigen und kommentieren ist bereits bei Staffel 14 angelangt. Was macht für Sie den Reiz an diesem Konzept aus?
Wir alle kennen schlechte Filme. Sie alleine zu schauen, kann qualvoll sein, aber wenn man sie mit Freunden schaut, als Scheißfilm akzeptiert und sich gemeinsam liebevoll darüber lustig macht, können sie unglaublich viel Spaß machen. So ist das auch bei uns – wir nehmen ausgewählt beschissene Filme und machen eine Party daraus. Man kann das schlecht beschreiben, man muss es selbst erleben. Plötzlich kann ein unfassbar mieser Mistfilm zu einem echten Erweckungserlebnis werden. Wir haben jedenfalls inzwischen eine unfassbar treue Community und jede neue Folge ist ein kleines Fest.
Aktuell sind Sie mit dem Programm „Nie war Früher schöner als Jetzt“ unterwegs. Basiert das Programm auf ihrem gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2025?
Ja, ich lese Texte aus dem letzten Buch, aber auch ein bisschen was aus dem Vorgänger SIEG DER BLÖDIGKEIT plus ein bisschen was Neues. Grundsätzlich geht es aber um eine humorvolle Reise in die Vergangenheit mit der Frage, ob früher wirklich alles besser war oder warum viele von uns das anscheinend glauben. Das macht sowohl den Generationen großen Spaß, die die Vergangenheit noch aktiv miterlebt haben, aber auch den Jüngeren, die zum Teil dadurch endlich mal verstehen, was ihre Eltern und Großeltern ihnen eigentlich immer für komische Sachen von damals erzählt haben.
Wir das Publikum mit in das abendfüllende Programm einbezogen? Und was dürfen alte und neue Fans von diesem Abend erwarten?
Es gibt auf jeden Fall immer eine Fragen-Box, in der man Fragen an mich einwerfen kann. Da kommt immer eine ganze Menge zusammen und nach der Pause versuche ich, so viele wie möglich davon zu beantworten. Ansonsten ist es aber eine klassische Lesung, ausnahmsweise mal ohne Tanz und Akrobatik.
Mit den Filmen „Der Wixxer“ (2004) und „Neues vom Wixxer“ (2007) haben sie ein Millionenpublikum erreicht. Wird es einen dritten Teil geben?
Das weiß nur der Wixxer selbst, aber der versteckt sich immer noch irgendwo in seiner geheimen Wixx-Höhle. Aber wer weiß, manche Schurken kommen ja gerade dann zurück, wenn man sie am wenigsten erwartet.
Zwischen 1991 und 2025 haben Sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Comedypreis. Was bedeuten Ihnen diese Ehrungen?
Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass die eigene Arbeit gesehen, anerkannt und gewürdigt wird. Für mich war vor allem der Grimme-Preis Mitte der Neunziger ein echter Game-Changer. Damals gab es kaum TV-Kritik und meine Art der Comedy war sehr neu und viele sagten, so was Freches darf man nicht im Fernsehen machen. Durch den Preis war die Diskussion beendet und ich hatte quasi von offizieller Seite die Berechtigung erhalten. Das war überaus hilfreich damals.
Welches Projekt aus Ihren zahlreichen Tätigkeitsfeldern steht als nächsten an und wird sie bis in das Jahr 2027 hinein beschäftigen?
Es geht weiter mit #SchleFaZ auf NITRO, für ProSieben habe ich gerade wieder DAS DUELL UM DIE GELD moderiert, ein ganz wunderbares Quiz-Poker mit Joko & Klaas. Mit meinem alten Freund und Studienkumpel Olli Welke mache ich jede Woche unseren Podcast KALK & WELK – DIE FABELHAFTEN BOOMER-BOYS und ein neues Buch ist auch in Planung. Ich habe also immer noch keine Aussicht auf Ruhestand oder Langeweile.
Sie hatten sich bereits 1993 wegen „10 kleine Glatzenköpp“ mit der rechten Szene gerichtlich auseinanderzusetzen und das Verfahren wurde eingestellt. Wie wichtig ist es für sie heute als Kunstschaffender einem Rechtsruck in der Politik und der Kulturlandschaft Paroli zu bieten?
Leider ist es wieder aktueller und wichtiger denn je, dass wir uns aufrecht gegen die vielfältigen Gefahren stellen, die unsere Freiheit und Demokratie zerstören wollen. Das habe ich schon immer getan und tue es auch weiterhin, muss dafür aber auch viele unschöne Shitstorms aus rechter Windrichtung ertragen. Das Schlimme ist, dass sich wieder immer mehr Menschen durch plakative Aussagen und vermeintlich einfache Lösungen einfangen und triggern lassen, dazu steigt die Aggression in der Auseinandersetzung. Es ist ein harter Kampf, sich dagegen zur Wehr zu setzen, aber wir alle dürfen ihn niemals aufgeben.
Neben dem Künstler gibt es auch den privaten Oliver Kalkofe. Wie und wobei entspannen Sie vom facettenreichen Beruf am liebsten?
Meist ganz langweilig, beim Binge-Watchen von guten Serien oder Filmen zusammen mit meiner Frau, am liebsten in meinem eigenen Massagesessel, es gibt nichts Entspannenderes. Und wenn unser Hund Danny dann noch auf meinen Schoß kommt und mir die Ohren ableckt, bin ich vollends glücklich.
Text:
Frank Keil Bild: Jan
Kopetzky