Sportfreunde Stiller


Sportfreunde Stiller

Vergiss mir die Zukunft nicht


Seit 1996 haben sich die Münchner Sportfreunde Stiller an der Spitze des deutschsprachigen Alternative-Pop/Rock gespielt und dort etabliert. Mit Energie, Können und Kreativität gelang es Peter Brugger (Gesang, Gitarre), unserem Gesprächspartner Florian Weber (Gesang, Schlagzeug) und Rüdiger Linhoff (Gesang, Bass, ab 1997) ihren zahlreichen Erfolgen immer wieder ein neues Kapitel hinzuzufügen. Ihren 30sten Bandgeburtstag feiern sie mit dem Album „Happy Birthday!“ (Sportfreunde Stiller Music/Universal Music GmbH, V.Ö. 12.06.) und einer am 07. Mai begonnen umfangreichen „30 wunderbaren Jahren“-Konzertreise, die erst am 30.10. in der Frankfurter Jahrhunderthalle endet.


Wie feiert ihr euer 30jähriges Bandjubiläum und wer wird außer euch drei Künstlern noch dabei sein. Manager Marc Liebscher (Blickpunkt Pop), Crew, Familie?

Im ersten Jahr hätten wir die 30 Jahre anders gefeiert als die 30 Jahre heute. Ein schöner Anlass, der das ganze Jahr über mit Marc, der Crew, der Familie und vor allem den Fans genügend Gründe bietet, die Band gebührend hochleben zu lassen. Und wir haben ja noch einige Highlights, darunter das Erscheinen einer ARD-Langzeitdokumentation über uns.



Zwischen 2007 und 2013 sowie 2016 und 2022 gab es längere kreative Pausen. Habt ihr diese vorwiegend für Solo-Aktivitäten (Bolzplatz Heroes, Tip Top, Fiva & Das Phantom Orchester) genutzt oder euch auch in anderen künstlerischen Feldern versucht?

Ja, jeder hat immer wieder Freiräume genutzt und sich u.a. mit den erwähnten Projekten für einige Zeit ausprobiert. Das hat die eigene Inspiration und Kreativität gestärkt. Rüde engagiert sich schon länger bei Kultur.Konvoi (Kulturschaffende für eine freie Ukraine) und ich habe gerade meinen vierten Roman abgeschlossen. Am Ende fließen all diese Erfahrungen wieder positiv in den Sportfreunde Stiller-Kontext ein.



Eure Diskographie umfasst in Kürze neun Studioalben. Welches oder welche davon würdet ihr als Meilensteine eurer bisherigen Karriere bezeichnen und warum?

Für mich zwei: Das „Burli“-Album (2004), weil wir uns damals bei den Aufnahmen in Spanien gegen die Plattenfirma durchgesetzt haben. Sie wollten Songwriter für uns engagieren, wir nur im bandeigenen Modus weitermachen. Dann „MTV Unplugged in New York (2009), weil wir da zum ersten Mal darauf geachtet haben, wie wir zusammenspielen, auch im Hinblick auf die Klassik-Begleitung. Und dann noch die überaus erfolgreiche Single „Applaus, Applaus“ vom Album „New York, Rio, Rosenheim“ (2013).



Die erste aktuelle Singleauskopplung „Ti amo, Italiano“ huldigt Italien und dessen Lebensgefühl. Wieso gerade Italien, zumal das Thema ja bereits von zahlreichen anderen Bands wie u.a. Crucchi Gang, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys oder Wanda bearbeitet wurde?

Der Titel hat uns für die Album-Aufnahmen in eine positive Phase gebracht. Aber mit der Frage haben wir schon gerechnet. Der Unterschied zu den von Dir genannten Bands ist aber, dass wir bereits im Jahr 2000 auf „so wie einst real madrid.“ mit ´94 (novanta quattro)“ bereits ein italienisches Lied veröffentlicht haben. Und dann 2006 auf „You Have To Win Zweikampf“ mit „Come Sara?“ nachgelegt haben.



Ein gutes Album braucht den oder die richtigen Produzenten. Wen habt ihr euch für „Happy Birthday!“ ausgesucht?

Ja, die gab es mit Oliver Zülch (u.a. die ärzte) aus München und Tobias Kuhn (u.a. Feine Sahne Fischfilet) aus Wien, mit denen wir bereits schon vorher erfolgreich gearbeitet haben. Und die 10 Stücke zwischen „Immer noch hier“ und „Vergiss mir die Zukunft nicht“ fügen sich für alle Beteiligten zu einem äußerst stimmigen Bild.



Inhaltlich reine Unterhaltung, Infotainment oder klare Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik?

Infotainment, das nehme ich für die Jungs mit, ein treffender Begriff. Über Jahre hinweg Haltung zeigen, aber auch unterhalten. Sprachrohr für Zusammenhalt sein!



Dein aktuelles Lieblingslied auf dem Album, so kurz vor dem Tourneestart?

Die Hymne zum Mitsingen: „Wir laden uns auf“. Eine Umarmung an alle, die uns begleiten. Und „Vergiss mir die Zukunft nicht“.



Auf der Bühne gibt es jetzt Verstärkung. Seit wann ist E-Gitarrist Mario Radetzky dabei?

Er sorgt seit 2022 für frischen Wind auf der Bühne, war mal Praktikant bei Blickpunkt Pop und hatte seinen Proberaum im gleichen Haus wie wir. In einer Pinkelpause habe ich ihn angesprochen und nach einer kleinen Probezeit war er live mit dabei.



Die Tour zum neuen Album ist eure längste seit Jahren. Was erwartet die neuen und alten Fans in den kommenden Monaten?

Eine Best Of-Show mit Songs die greifen, aber auch ein paar Stücken vom neuen „Happy Birthday!“-Album. Es wird eine runde Feierei in eurer Stadt, in der wir 1998 (?) in Deutschland unser erstes ausverkauftes Konzert hatten.



Zwischen 2001 und 2022 habt ihr zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den Kulturpreis Bayern. Was bedeuten euch diese Auszeichnungen?

Am liebsten sind uns die Publikumspreise. Der Echo Pop, den wir drei Mal gewonnen haben, war immer gut zum abfeiern. Da trinkt man schon mal ein Bier mehr mit dem Pokal in der Hand.



Als Künstler habt ihr eine enorme generationsübergreifende Reichweite und somit auch Verantwortung. Unterstützt ihr z.B. soziale Projekte oder bindet z.B. NGO´s mit Infoständen in eure Tourneen mit ein?

Aktuell den Kultur.Konvoi, Viva con Agua, Omas Gegen Rechts sowie One Voice, Zeichen der Solidarität Europäischer Fußballstadien für die Ukraine.



Bis heute wird die Band von Marc Liebscher (Blickpunkt Pop) gemanagt, was sowohl zwischenmenschlich als auch geschäftlich nach wie vor hervorragend passt. Quasi der vierte Sportfreund?

Wir teilen unsere Gagen und Lizenzen durch Vier und gehen seit 1996 Hand in Hand als Freunde durch den Musikbusiness.



Text: Frank Keil I Bilder: Ingo Pertramer

sportfreunde-stiller.de