The Sick Rose


The Sick Rose

The Sick Rose: Das immerwährende Revival

Die italienische Garage-Rockband The Sick Rose wurde bereits 1983 von Luca Re in Turin gegründet. Das Quintett blickt bis heute auf eine umfangreiche Diskografie zurück. Zuletzt erschien im Jahr 2021 das Album „Hang on, the lost tapes“. Trotz einer Reihe von Besetzungswechseln ist die Formation nach wie vor noch aktiv und wird am Fr., 06. Oktober beim „Going All The Way!“, dem Munich Sixties-Weekender 2023 auftreten. Diese Veranstaltung mit stilistischer Ausrichtung zwischen Mod, Beat, Garage, R&B, Freakbeat, Psychedelic und Northern Soul findet seit 2016 statt. Neben Live-Bands legen auf den beiden Allnightern und der Lunchtime-Session mit zugehörigem Scooter-Run zahlreiche nationale & internationale DJ´s auf. Ein Event, auf das sich The Sick Rose ganz besonders freuen, deren Geschichte wir im Interview mit Luca Revue passieren lassen.

Luca, Du bist Sänger und Gründungsmitglied von The Sick Rose. Wann und wo entstand die Band. Und wer gehört zur heutigen Besetzung?

1983 war ich 20 Jahre alt und habe eine Anzeige in einem Schallplattenladen aufgegeben. The Sick Rose, eine Neo-Psychedelic-Band sucht einen Schlagzeuger, Gitarrist, Bassist und Orgel-Spieler. Ich war komplett alleine und wollte unbedingt eine Band haben. Gitarrist Diego Mese, der immer noch mit mir spielt, hat mich eine Woche später angerufen und zusammen haben wir die Band dann begonnen. Heute komplettieren Alberto Fratucelli (Schlagzeug), Luca Mangani (Bass) und Stefano Vacchetta (Farfisa-Orgel) The Sick Rose.


Singst Du nach wie vor auf Englisch oder habt ihr auch italienische Stücke im Repertoire?

Ja, alle unsere Songs sind immer noch auf Englisch. Seit 2017 habe ich ein zweites Projekt mit Fay Hallam (Makin‘ Time, Prime Movers) und Andy Lewis (Backing-Band von Paul Weller, Spearmint). Wir nennen uns Il Senato und wir singen auch Titel auf Italienisch. So was habe ich mit den Sick Rose nie gemacht.


Welche Einflüsse haben Dich als Jugendlichen inspiriert selber Musik zu machen. Eher Mod-Beat oder Garage-Rock. Eher europäische Bands oder amerikanische Künstler?

Ich habe bereits 1977 angefangen Platten zu kaufen. Meine erste Platte war The Beatles „Live at the Hollywood Bowl“, später habe ich mit dem Mod-Revival The Who, The Kinks, die Small Faces, The Chords , The Jam, Secret Affair und viele mehr entdeckt, Anfang der 1980er habe ich Nuggets und Garage-Bands wie Bleus Magoos, Count Five, die Remains gehört und sofort wollte ich diese Art von Musik machen. Also Garage-Punk ist seit damals die größte Inspiration für mich und die Band.


Ich erinnere mich an einen Auftritt in Hamburg 1986, wo die Band bei einem Festival sehr gut angekommen ist. War das einer der Gründe Italien zu verlassen und einige Jahre in Hamburg zu leben?

Die Sick Rose waren in den 1980er Jahren in Europa ziemlich bekannt, wir haben viel in Deutschland, Österreich Frankreich, Belgien und den Niederlanden gespielt. Ich habe tatsächlich in Hamburg 1986 in Hamburg meine Frau kennengelernt und 10 Jahre später habe ich die Entscheidung getroffen in Deutschland zu leben. Dort habe ich dann für sechs Jahre als Italienisch-Lehrer gearbeitet. Als 2001 mein Sohn geboren wurde, beschlossen wir zurück nach Italien zu gehen.

Gab es eine Zeit in der ihr mit The Sick Rose von der Musik leben konntet? Wie verdienst Du heute Deinen Lebensunterhalt?

In den 1980er Jahren haben wir alle nur von Musik gelebt, die Gagen waren besonders hier in Italien sehr gut und unsere Platten haben sich gut verkauft. Leider ist diese Zeit sehr kurz gewesen, Anfang der 1990er Jahre war schon alles vorbei. Wir sind nie echte Stars gewesen, aber das war klar mit Garage-Punk. Wir haben schöne Zeiten gelebt und wir sind damit sehr zufrieden! Ich habe vor 10 Jahren eine Beratungsfirma in Turin gegründet und bin als Industrie-Vertreter in den Bereichen Automotive und Heizungs-Systeme aktiv. Seit diesem Jahr habe ich auch begonnen Italienische Weine nach Deutschland zu exportieren. Bei Interesse bitte ich sich bei dieser E-Mail zu melden: business@qtbsolutions.com.


Seit 1986 habt ihr zahlreiche Singles, EP´s und Alben veröffentlicht und seid auf vielen Compilations vertreten. Welche wichtigen Meilensteine umfasst eure umfangreiche Diskografie?

Unsere erste LP „Faces“ ist mit den Jahren in Europa ein Garage-Klassiker geworden, wir waren mit der Platte aber nicht richtig zufrieden, weil sie sehr schnell und schlecht aufgenommen worden ist. Die Songs sind gut, aber alles hätte viel besser sein können. Das Publikum hat die Entscheidung getroffen und wir respektieren das. Die besten Platten sind für uns die, welche wir zwischen 2004 und 2018 aufgenommen haben. Ich bin der Meinung, dass „Someplace Better“ vom 2018 unsere beste Platte ist.


Wie würdest Du die stilistische Ausrichtung von The Sick Rose 2023 beschreiben? Wo liegt die Weiterentwicklung zu den Anfängen in den 1980er Jahren?

Seit ein paar Jahren sind wir zurück zu unseren Wurzeln gegangen. Live spielen wir das alte Garage-Repertoire mit einer markanten Farfisa-Orgel. Und wir haben vor Ende des Jahres eine neue Platte aufzunehmen. Sie wird 100% Garage-Punk mit vielen Überraschungen sein.

In den 1980er/1990er Jahren gab es sogar einen 99th Floor/Sick Rose Fanclub (Raffaele dello Ioio), existiert dieser heute noch?

Nein, heute haben wir kein Fanclub mehr, wir sind zu alt dafür. Aber Raffaele dello Ioio ist immer noch ein guter Freund und Musik-Liebhaber. Er wohnt heute nur 500 Meter von mir entfernt.


Existiert in Italien aktuell noch eine aktive Sixties-Szene? Welche Bands kannst Du unseren LeserInnen diesbezüglich empfehlen?

Die Szene wir immer kleiner und die Leute immer älter. Es gibt aber immer noch gute Bands hier, die zum Glück auch auf einem International hohen Niveau spielen. Radio Days (Power-Pop aus Mailand) und Bee Bee Sea (Quirky Garage-Pop) gehören auf jeden Fall dazu.



Vielen Dank für das Interview!

Text: Frank Keil
Bilder: MSW/The Sick Rose

thesickrose.com