Im nächsten Jahr gibt es die in Wiesloch
gegründeten Busters 40 Jahre. Die Liste der ehemaligen
Bandmitglieder ist entsprechend lang, aber mit dem aktuellen Album
„Calling“ meldet sich die aktuelle Besetzung beeindruckend
zurück. Längst blicken die versierten Musiker stilistisch über den
reinen Ska-Kosmos hinaus und diese Frischzellenkur hat ihrem
ursprünglichen jamaikanisch geprägten Mix gutgetan. Gemeinsam mit
Posaunist Robert Solomon und Sänger/Gitarrist Joe Ibrahim lassen wir
die Erfolgsgeschichte der Bigband Revue passieren.
Wer von der 1987 gegründeten Originalbesetzung ist heute denn noch im Line Up der Busters zu finden?
Rob:
Stephan Keller am Keyboard, Markus Schramhauser an der Orgel und
Hardy Appich an der Trompete. Ich kam bereits 1989 zur Tournee mit
Laurel Aitken dazu. Und Joe stieg 2017 ein und ist seit 2020 der
alleinige Sänger unserer Band.
Eine Gruppe über 39 Jahre am Leben zu erhalten, erfordert große Anstrengungen aller Beteiligten. Wie motiviert ihr euch beständig weiterzumachen?
Rob: Es ist die Leidenschaft aller für die Musik, speziell für Ska, Rocksteady und early Reggae, die uns über die Jahre nie verlorengegangen ist. Dazu kommen auch Gewohnheit, Abhängigkeiten und andere unromantische Seiten des Musikbusiness. Aber die Neuzugänge haben uns immer wieder durch ihren Input motiviert, neue Wege zu gehen und weiter erfolgreich zu sein.
Joe:
Die Stimmung innerhalb der Band ist super und alle lieben, was sie
tun. Und ob im Studio oder auf der Bühne, Spaß haben und Spaß
vermitteln, gelingt uns allen bestens.
Ist es euch möglich von den Busters zu leben, oder müsst ihr andere Jobs machen, um euren Lebensunterhalt zu bestreiten?
Rob:
Wir leben alle von der Musik, vorwiegend als Live-Musiker und die
Busters bilden dabei einen Schwerpunkt des kreativen Schaffens.
Trotz eurer Verbindung zur Ska-Szene seid ihr keine Puristen. Den Blick über den musikalischen Tellerrand habt ihr schon früh gewagt?
Rob: Wir hatten musikalisch nie Scheu, dass auszuleben, was sich für uns gut anfühlte. Und von dieser Art puristischer Linientreue haben wir nie viel gehalten. Und wir haben genug Fans aus anderen Richtungen, die uns über die Jahre treu geblieben sind.
Joe:
Ich schreibe zunächst auf der akustischen Gitarre, danach entwickelt
sich der einzelne Song im Bandkontext, mal mehr, mal weniger
Ska-lastig.
Für „Calling“ habt ihr zwischen „Champagne“ und „Bon Voyage“ insgesamt 12 neue Stücke eingespielt. Entstanden aus Können, gegenseitigem Vertrauen und einem basisdemokratischen Miteinander. Die Besonderheit: Ihr habt in zwei namhaften Studios aufgenommen?
Joe: Ja, das stimmt. Zunächst bei Philipp ´Philsen´ Hoppen in Schmachtenhagen bei Oranienburg, der durch seine Arbeit u.a. für Die Ärzte und Deichkind bekannt wurde und dann bei Olli Zülch in Waltrop. Da ging es hauptsächlich um den Gesang. Der hat u.a. schon Bands wie die Sportfreunde Stiller, das Lumpenpack oder Slime veredelt.
Rob:
Wir hatten alle Titel bereits in unserem eigenen Studio vorbereitet,
daher ging es dank der Vorproduktion dann relativ schnell mit dem
finalen Ergebnis.
Mit welchen Themen setzt sich das Album inhaltlich auseinander? Geht es euch um mehr als reines Entertainment?
Joe: Jeder Song erzählt eine eigene Geschichte und die gesellschaftlichen und politischen Themen, die uns heute alle betreffen, sind nach wie vor sehr wichtig für uns. Nimm zum Beispiel „Freak Show“, wo es um die gegenwärtigen Zustände in den USA geht. Oder den einzigen deutschsprachigen Titel des Albums: „Geschichte schreiben“ ist ein Mutmacher für eine friedliche Gesellschaft, ein Aufruf sich nachhaltig zu engagieren.
Rob:
Dafür haben wir den Spaßanteil sogar ein wenig reduziert.
Habt ihr nach der Fertigstellung den ein oder anderen Favoriten?
Rob: Live spielen wir aktuell die Hälfte der Titel, die sind bisher bestens angekommen. Für mich ist „Calling“ ein Favorit, schon allein wegen seiner besonderen Stimmung.
Joe:
„Good Friends To Go” über falsche Freundschaften ist für mich
ein besonderer Höhepunkt.
Eure umfangreiche Alben-Diskografie begann 1988 mit „Ruder Than Rude“, seit 2004 („Revolution Rock“) erscheinen alle Alben auf dem bandeigenen Label Ska Revolution Records. Wo würdet ihr „Calling“ da einordnen?
Rob: Schwer zu sagen, da Besetzungen oft gewechselt haben und sich dadurch die Kreativkräfte ebenfalls oft veränderten. Für mich ist „Calling“ sehr stimmig, weil es mit Joe nur noch einen Sänger gibt.
Joe:
Für mich ist es da vierte Album und das bisher Beste in meiner Zeit
bei den Busters.
Über Jahre hinweg genießen die Busters einen hervorragenden Ruf wegen ihrer energetischen Live-Shows. Die Tournee in der DACH-Region zu Jahresbeginn ist obligatorisch geworden, wie sieht es mit Auslands-Auftritten aus? Ihr wart ja in der Vergangenheit immerhin schon in den USA, Japan und Südamerika unterwegs.
Joe:
Nach den Shows zum Album-Release legen wir im Sommer den Schwerpunkt
auf Festivals. Im Ausland aufzutreten wird aufgrund der hohen
Flugkosten immer schwieriger für uns, zumal wir ja neun Musiker auf
der Bühne sind.
Gibt es schon Pläne für euer Jubiläum im kommenden Jahr?
Rob: Noch überlegen wir gemeinsam wie und in welcher Form wir feiern wollen, aber konkret haben wir aktuell noch kein Ergebnis.
Text:
Frank Keil I Bilder: Jessy Reiner