UB40


UB40

UB40: UK-Reggae- & Pop-Legende

Unzählige Hits, zahlreiche Erfolgs-Alben, ausverkaufte Tourneen und weltweite Popularität sind Meilensteine der britischen Reggae- & Pop-Legende UB40. Die 1978 von unserem Interviewpartner Robin Campbell (Gitarre, Gesang) und seinem Bruder Ali (bis 2008) in Birmingham gegründete Formation feiert mit dem schlicht „UB45“ betitelten Album (V.Ö, am 19. April via SRG Records/Universal) ein weiteres Bandjubiläum. Als Vorbote schickte man bereits die soullastige Single „Gimme Some Kinda Sign“, ein Brenton Wood-Cover, ins öffentliche Rennen. Zusammen mit Robin blicken wir auf die außergewöhnliche Karriere einer der erfolgreichsten englischen Bands zurück.


Ska, Rocksteady und early Reggae traten von Jamaika aus in den 1960er Jahren ihren Siegeszug über Großbritannien in die ganze Welt an. War das die größte Inspirationsquelle um die Band in den späten 1970er Jahren zu gründen?

Unser Vater war professioneller Folk-Musiker. Meine drei Brüder und ich sangen zuhause viel gemeinsam, aber sein Wunsch mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen, erfüllte sich nicht. Wir waren vom Reggae-Fieber gepackt, dass sich in ganz Birmingham rasend schnell durch die Einwanderer aus der Karibikinsel ausbreitete. Dazu ein wenig RnB und Soul, so wurden UB40 geboren. Wir alle liebten diese ´sexy music´ von Prince Buster, Jimmy Cliff, Desmond Dekker, The Skatalites, um nur einige zu nennen. Und es gab genügend Schallplattenläden, die uns mit dem neuesten Material aus Jamaika versorgten.


Der bekannte Radio-DJ John Peel entdeckte euch über ein Tape und Chrissie Hynde, die Sängerin von The Pretenders war ein Fan der ersten Stunde, richtig?

Das stimmt, 1979 war unser erster öffentlicher Auftritt und kein Jahr später bot Chrissie uns 1980 an, bei ihrer ausverkauften Tournee durch Großbritannien als Vorgruppe mitzufahren. Damals haben wir dann unsere erste Single „Food For Thought veröffentlicht, die es mit einem Indie-Deal im Rücken auf Platz 4 der UK-Charts schaffte. Was für ein Erfolg.


Was uns zu eurer umfangreichen Diskografie führt, die 1980 mit dem Debüt „Signing Off“ begann und nach millionenfach verkauften Platten mit „UB45“ einen weiteren Höhepunkt findet. Welche Veröffentlichungen der letzten 45 Jahre haben rückblickend eine große Bedeutung für Dich?

Das Debüt, das zweite Album „Present Arms“ (1981) sowie die „Labour of Love“-Serie, die 1983 begann und mit Unterbrechungen fortgeführt wurde. „Red Red Wine“ wurde ein Welthit, dem weitere wie „I Got You Babe“, „Breakfast In Bed“ oder „Kingston Town“ folgten.

Auch wenn die Hallen und Stadien immer größer wurden, habt ihr euch auf dem Erfolg nie ausgeruht und nur reproduziert?

Wir haben ´in public´ gelernt und uns auf den Erfolgen nicht ausgeruht. Wir waren immer offen für neue Einflüsse, auch wenn wir dabei unsere Wurzeln nie vergessen haben. Und natürlich wurden auch die Möglichkeiten im Studio immer besser, die ganze Produktionstechnik. Wir hatten zeitweilig ein eigenes Studio, das wurde zerstört und sind gerade dabei, wieder einen eigenen Komplex in der Nähe des Stadtcenters von Birmingham aufzubauen.


Cover-Versionen gehörten schon immer zu UB40, denen ihr aber immer einen eigenen Stempel aufdrücken konntet. Wie fiel die Auswahl auf das wirklich wunderbare „Gimme Some Kinda Sign“?

Unser Sänger Matt Doyle schlug dieses Stück des US-Sängers Brenton Wood aus dem Jahr 1968 vor. Was er nicht wusste: Ich besitze das Original als 7“ und wollte den Titel schon seit fast 40 Jahren covern, genauer gesagt seit „Labour of Love“ 1983. Wir baten unsere US-Plattenfirma diese Version Brenton Wood zukommen zu lassen, er lebt ja noch, wird dieses Jahr 83 Jahre alt. Leider haben wir noch kein Feedback von ihm erhalten, sind aber sicher, dass ihm unsere Version gefallen wird.


Für das Jubiläum habt ihr euch einen klugen musikalischen Schachzug ausgedacht. „UB45“ ist sozusagen neues & Best Of-Album in einem?

Wir dachten es wäre eine feine Kombination. Es gibt sieben neue Stücke wie „Home“, „Fool Me Once“ oder den Titeltrack der Commonwealth Games „Champion“ sowie alte Klassiker wie „Cherry Oh Baby“, „Sing Our Own Song“ oder „Red Red Wine“ im neuen, zeitgemäßen Sound-Gewand.

Geht es euch heutzutage nur noch um Entertainment, oder auch um eine kritische Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Kritik?

UB40 stehen nach wie vor für ein ´working class-statement´. Unsere Texte behandeln nach wie vor häufig soziale Themen wie Rassismus, Arbeitslosigkeit oder soziale Ungerechtigkeiten.


Ich gehe davon aus, dass alle elf UB40-Musiker voller Enthusiasmus auf den Herbst warten. Dann geht es endlich wieder auf Tournee. Auch in Deutschland?

Ja, es wird sogar eine Welttournee werden, die am 01. April in Birmingham startet. In Großbritannien spielen wir dann im November noch acht weitere Arena-Shows. Aktuell endet die Tournee am 04. Dezember in Berlin. Und gerade sprechen wir mit afrikanischen Promotern, um auch dort aufzutreten.


Bleibt da noch genügend Zeit für das ein oder andere Hobby?

Ich habe schon immer Snooker, eine Variante des Billards, geliebt. Ich hatte sogar eine eigene Halle in Birmingham. Mittlerweile spiele ich nur noch mit meinen Freunden. Und ich habe mir einen Koi-Teich in meinem Garten angelegt, um den ich mich intensiv kümmere.

Vielen Dank an Robin Campbell!


Text: Frank Keil
Bilder: Richard Purvis

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