Faun – Pagan-Folk

Im November 2019 hat die Mittelalter-Band Faun ihr aktuelles Album „Märchen & Mythen“ veröffentlicht. Inspiriert von der Welt der wundersamen Begebenheiten hat das Sextett ein anspruchsvolles musikalisches Kunstwerk erschaffen. Mit den zwölf neuen Titeln zwischen „Es War Einmal…“ und „The Lily“ gelingt es Faun Traumwelt und Realität spielend miteinander zu verbinden. Sänger und Multiinstrumentalist Oliver Satyr, der mittlerweile aus dem Münchner Umland zu seiner Freundin in das Saarland gezogen ist, gibt im Interview Einblicke in die spannende Welt der 1999 gegründeten Gruppe, die im März/April auf große „Märchen & Mythen“-Tournee geht.

Du bist heute das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Faun. Die aktuelle Besetzung präsentiert sich als Sextett. Haben die Besetzungswechsel die Band insgesamt eher gehemmt oder weitergebracht?

Die Besetzungswechsel haben der Band meistens gutgetan, da sie neue Impulse gaben. Aber vier der sechs Bandmitglieder sind jetzt über 15 Jahre bei Faun, da ist eine solide Beständigkeit gewährleistet. Wenn man wie wir mit Sängerinnen arbeitet, kommt ab einem bestimmten Alter oft ein Kinderwunsch und dann wird es schwierig Musik als Beruf und Familie zu kombinieren.

Stimmst Du der stilistischen Einordnung von Faun zwischen Mittelalter-Musik und Pagan-Folk zu, oder wo siehst Du Faun genretechnisch?

Für uns ist die Einordnung eher ein Problem, da wir doch eine sehr eigene Musik machen. Aber mit keltischen und mittelalterlichen Instrumenten, der Inspiration aus dem nordischen Folk und moderner Elektronik wird diese Einordnung von Fans und Medien gerne gewählt. Pagan-Folk trifft es dann wohl am ehesten und definiert uns über die Inhalte, nämlich pagane und heidnische Mythen.

Seit der Bandgründung 1999 haben Faun elf Studioalben und drei Livealben veröffentlicht, wahrlich ein beachtlicher Output. Welche der Alben würdest Du als Meilensteine bezeichnen?

In jedem unserer Alben steckt viel Herzblut, da fällt es schwer, eine Veröffentlichung hervorzuheben. In den ersten zehn Jahren haben wir alles selber gemacht, erst mit „Von den Elben“ sind wir 2012 zu Universal Music gekommen. Wenn ich zwei Meilensteine nennen muss, dann dieses erste Album für ein Major-Label und die aktuelle CD „Märchen & Mythen“. Die Zusammenarbeit mit einem Major-Label erfordert besonders am Anfang reichlich Kompromisse. Es war ein schwieriger Weg, aber er hat sich gelohnt. Wir waren immer eine Art Geheimtipp, der ohne die Öffnung hin zu einem breiteren Publikum finanziell nicht hätte überleben können. Mittlerweile haben wir einen guten Kompromiss gefunden. Es gibt zwei Singles, mit dem das Label TV Werbung machen kann, aber den Rest der CD produzieren wir völlig selbstständig.

Perfekt, kommen wir doch auf die neuen Titel wie „Aschenbrödel“ oder „Rosenrot“ zu sprechen, die sich auf YouTube extrem hoher Klickzahlen erfreuen. Auf welcher Grundlage basieren die Texte, wie wurde die Musik dazu ausgewählt? Welche Rolle kommt den unterschiedlichen Produzenten zu, welche den Gästen von Versengold?

Mittlerweile ist es uns einfach sehr gut gelungen unsere eigene Paganfolk-Musik zu machen und dennoch die Vorteile und TV Werbung eines Mainstream Labels zu nutzen. Ich denke, dass uns die Suche nach den wundersamen Begebenheiten alter Märchen und Mythen bestmöglich gelungen ist. Und an der musikalischen Umsetzung haben auch die Produzenten Alex Schulz, Jörg Umbreit und Henning Verlage sowie die mit uns befreundeten Versengold-Musiker Malte Hoyer und Flo Janoske erheblichen Anteil.

Im März und April präsentiert ihr „Märchen & Mythen“ live auf deutschen Bühnen. Was dürfen die Fans von den kommenden Auftritten erwarten?

Dem Bühnenbild kommt eine wichtige Rolle auf der Tournee zu. Aufwendig gestaltet, über mehrere Ebenen hinweg. Im In- und Ausland erwarten es die Fans irgendwie auch, schon alleine aufgrund unserer stets mit großem Aufwand produzierten Videos. Und als Gäste werden Flo von Versengold sowie Kelvin Kalvus, ein bekannter Kontaktjongleur und Alchimist, mit auf der Bühne stehen. Ein Event für alle Sinne.

Mit Kaunan und Folk Noir bist Du auch noch bei zwei weiteren Bands maßgeblich aktiv. Inwiefern unterscheiden sie sich gegenüber Faun und brauchst Du diese kreative Abwechslung?

Ich erkunde dadurch einfach meine eigenen Grenzen mit größerer Freiheit als bei Faun. Da ich für das Faun-Album eh tief in das Metier eingetaucht bin, habe ich mit der Künstlerin Gina Wetzel gerade ein Märchenbuch namens „Feengold“ veröffentlicht. Mit Kaunan decke ich mein Interesse an nordischer Folklore ab, mit Folk Noir eher den britischen Folk, ohne unter finanziellem Druck zu stehen.

Text: Frank Keil. Bild: Rekii Fotografie

www.faune.de