Feine Sahne Fischfilet

Wasted in Saarbrücken

Das 2007 gegründete Sextett bewegt sich seit dem Debüt „Backstage mit Freunden“ (Diffidati, 2009) stilistisch zwischen deutschsprachigem Punk und Ska. Durch negative Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern geprägt, positionieren sich FSF deutlich gegen Rechtsextremismus und üben scharfe Gesellschaftskritik. Dies rief den Verfassungsschutz auf den Plan und hatte Indizierungsuntersuchungen zur Folge. Gleichzeitig stieg die Popularität der Band, die sich musikalisch weiterentwickelte und mit dem vierten Album „Bleiben oder Gehen (Audiolith, 2015) in den Charts angekommen war. Bis heute geht der kometenhafte Aufstieg von unserem Gesprächspartner, Sänger Jan ´Monchi´ Gorkow und seine Freunden weiter, vor allem ein Resultat des aktuellen Albums „Sturm & Dreck“ (Audiolith, 2018), mit dem die Band nun im Dezember ein letztes Mal auf Tournee kommt.

In den bisherigen 12 Jahren Feine Sahne Fischfilet gab es so gut wie keine Besetzungswechsel. Ist das zusammen mit harter Arbeit Euer größtes Erfolgsgeheimnis?

Tatsächlich gab es seit 2009 in der Band keinen Besetzungswechsel mehr. Wir gehen uns zwar manchmal ganz schön ´auf den Sack´ bei der Intensität mit der wir die Band betreiben, aber wir können stolz auf die letzten zehn Jahre sein.

Brauhaus statt Bauhaus“. Hat die Absage eines Konzerts für das ZDF im Bauhaus in Dessau im November 2018 wegen rechter Proteste und dann die finale Aufzeichnung in der „Alten Brauerei“ der Band mehr geholfen als geschadet?

Kürzlich haben CDU und AFD versucht ein kommendes Konzert in Berlin zu verhindern. Es ist krass, wenn so etwas passiert und es nervt ab einem gewissen Zeitpunkt. Wir versuchen trotzdem das Positive zu sehen und haben damals statt dem Bauhaus-Konzert schließlich das Brauhaus-Konzert mit drei Mal so viel Publikum gespielt. Genial, dass es so aufging.

In einem früheren Interview hast Du mir erzählt, dass die Band seit 2016 von der Musik leben kann, drei Jahre später gehört ihr zu den erfolgreichsten Acts der deutschen Musikszene. Habt ihr Euch in der Zwischenzeit den ein oder anderen Wunsch früherer Tage verwirklicht?

Ja klar, die größte Errungenschaft war der eigene Proberaum, den wir uns vor zwei Jahren komplett eingerichtet haben. Mit viel Technik, die uns gehört und wo wir immer jetzt immer hineinkönnen, ohne Rücksicht auf andere Bands oder generelle Öffnungszeiten zu nehmen. Ohne Zeitdruck an neuen Ideen und Stücken arbeiten ist einfach spitze.

FSF haben im Dezember 2017 sieben Supportshows für die Toten Hosen gespielt, mittlerweile füllt ihr ähnliche Hallengrößen selber. Wie war es?

Es war megageil. Wir wollten vor unserem eigenen Tourneestart zu „Sturm & Dreck“ eigentlich Pause machen und dann fragen die Toten Hosen an, jeden Abend vor mehr als 10.000 Gästen zu spielen…da brauchten wir nicht diskutieren, ob Ja oder Nein.

Mit „Wildes Herz“ kam im Frühjahr 2018 eine Filmografie über Dich in die deutschen Kinos, wann, wo und unter wessen Regie ist diese entstanden?

Schauspieler und Regisseur Charly Hübner aus Neustrelitz hat diesen Dokumentarfilm über Feine Sahne Fischfilet gedreht. Der wurde im Oktober 2017 beim Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm uraufgeführt und hat u.a. Auszeichnungen wie den DEFA-Förderpreis gewonnen. 2018 ist er dann erfolgreich bundesweit gezeigt worden.

Sturm und Dreck“ erschien bereits Anfang 2018, wie sieht es denn gegenwärtig mit neuen Stücken aus?

Im Winter schließen wir mit der „Wir haben immer noch uns!“ -Tournee das Kapitel „Sturm & Dreck endgültig ab, ohne neue Stücke. Vorwiegend mit Städten, in denen wir bisher noch nicht oder nur als Support gespielt haben. Es macht auch immer noch Spaß, Titel wie „Alles auf Rausch“ oder „Niemand wie ihr“ live zu spielen. Schlauchboot und Bengalos gehören weiterhin zum Bühnenspektakel dazu, aber es wird im Winter auch den ein oder anderen neuen Einfall zu sehen geben. Und 2020 geht es dann ohne Druck wieder in den Proberaum.

Stichwort: „Sex, Drugs & Rock´n Roll“ Sicherlich ist bei einem FSF-Konzert alles verfügbar, vorbei die Zeiten in denen man sich mit einer Kiste Bier im Jugendzentrum begnügen musste. Wie bleibt ihr trotzdem fit?

Sag niemals nie. Bei uns kann es sein, dass wir am ersten Tourneetag auf der Aftershow-Party abstürzen. Ich habe auch bei einigen früheren Shows ´verkackt´, es am nächsten Tag dann echt bereut. Jetzt mit Gesangstraining, dem Ein- und Absingen, fällt mir eine Tournee aber auch stimmlich leichter.

Was steht in Sachen Aktionen/Initiativen derzeit auf Eurem Programm?

Wir werden von Anfang bis Ende Leute der Seenotrettung dabeihaben, die auch am jeweiligen Konzerttag Vorträge halten und über ihre Arbeit informieren.

Wie verbringst Du Deine sicherlich knappe Freizeit abseits der Band, ist Fußball z.B. noch ein Thema für Dich?

Ja, als alter Fan von Hansa Rostock besuche ich deren Spiele, wenn ich zuhause bin. Und auch der nahe Ostseestrand und meine Badewanne bieten Entspannung pur für mich.

Text: Frank Keil. Bild: PR

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